Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Aalen (Kreisstadt, Ostalbkreis)
 Jüdische Geschichte 
  (erstellt unter Mitarbeit von Werner Dombacher)

Übersicht:  

bulletZur jüdischen Geschichte in Aalen 
bulletFotos / Dokumente 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
bulletLinks und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Aalen          
     
In Aalen lassen sich bis ins späte 19. Jahrhundert keine jüdischen Einwohner feststellen. Bereits im Mittelalter könnte es eine jüdische Ansiedlung gegeben haben, doch lassen die vorhandenen Quellen kein eindeutiges Urteil zu.
   
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich wenige jüdische Personen/Familien in der Stadt nieder: erstmals finden sich 1886 vier jüdische Personen in der Stadt. Bis 1900 steigt die Zahl der jüdischen Einwohner auf zehn an. 1905 und 1925 waren es jeweils sieben Personen. 
   
Unter den jüdischen Einwohnern war die Familie des Warenhausbesitzers Eduard Heilbron mit Frau Friederika/Frieda geb. Stern, die von 1903 bis Anfang der 1930er-Jahre ihr Geschäft ("Warenhaus Eduard Heilbron") in der Bahnhofstraße 18 hatten (später Kaufhaus Kniesser, heute hier Neubau der VR-Bank). Im Warenhaus gab es auf zwei Stockwerken Wäsche, Haushaltsartikel, Spielwaren und Geschenkartikel.  Der 1904 in Aalen geborene Sohn Willi Heilbron lebte seit seinem 7. Lebensjahr in der Heilanstalt Stetten im Remstal und wurde bei den "Euthanasie-Aktionen" 1940 in Grafeneck ermordet. 1907 ist die Tochter Irene geboren (vgl. unten).   
     
In der Oesterleinstraße 10 wohnten Ludwig Kahn (gestorben 1919) und seine Frau Fanny geb. Kahn. Nach dem Tod ihres Mannes gab sie Klavierunterricht und war Inhaberin eines Geschäftes mit Korbwaren (Korbmöbelhandlung Fanny Kahn). 
  
Heinz Pappenheimer (geb. 1900) war seit 1924 Inhaber des Textilgeschäftes Moritz Pappenheimer (Bahnhofstraße 19, ab 1925 Bahnhofstraße 23). Er war verheiratet mit Ilse geb. Grünewald (geb. 1902). Die beiden hatten zwei Kinder Siegfried (geb. 1925) und Ruth (geb. 1928). Die Eltern und die Tochter Ruth konnten im Juli 1939 nach Palästina/Israel emigrieren; Siegfried kam über einen Kindertransport 1939 nach England und Anfang 1940 zu seinen Eltern nach Haifa/Palästina. Weitere Informationen siehe unten.  
 
Max Pfeffer hatte in der Bahnhofstraße 14 ein Herrenkonfektionsgeschäft.   
 
Die jüdischen Einwohner Aalens gehörten zur jüdischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd.    
  
1933 wurden sieben jüdische Einwohner festgestellt, darunter zwei Kinder. Beim Novemberpogrom 1938 wurden in der Stadt die Schaufenster der drei jüdischen Geschäfte demoliert und die Inhaber anschließend für mehrere Wochen im KZ Dachau inhaftiert. Nach ihrer Freilassung sind die meisten Aalener Juden emigriert. Eduard und Frieda Heilbron lebten zuletzt in einem "Judenhaus" in Wiesbaden, wo Eduard Heilbronn an einem Herzinfarkt starb. Seine Frau Frieda wurde nach Theresienstadt deportiert und später im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Die letzte jüdische Einwohnerin, Fanny Kahn geb. Kahn, nach der seit 2005 in Aalen eine Straße benannt ist (sie selbst wohnte in der Oesterleinstraße 10), wurde 1941 nach Oberdorf am Ipf zwangsumgesiedelt, später deportiert und im Vernichtungslager Treblinka ermordet. 
  
Überlebt hat die Tochter des Ehepaares Heilbron, Irene verheiratete Wartzki, die mit ihrem Mann Kurt Wartzki und ihren Kindern nach Kolumbien emigrieren konnte. 1958 kamen Irene und Kurt Wartzki zurück nach Wiesbaden. Kurt Wartzki starb hier 1963, Irene kehrte nach Cali/Kolumbien zurück (gestorben 1997).  
   
1948 kehrte Max Pfeffer von Brüssel nach Aalen zurück, um sein Geschäft weiterzutreiben. 1967 wanderte er nach Italien aus.   

  
Von den in Aalen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Leopold Elter (1912), Eduard Heilbron (1874), Friederike (Frieda) Heilbron geb. Stern (1870), Willi (Wilhelm) Heilbronn (1904), Fanny Kahn geb. Kahn (1871).   
   
Am 21. Februar 2018 wurde durch den Künstler Gunter Demnig in der Bahnhofstraße 18 sieben "Stolpersteine" für die Familie Heilbronn verlegt (Eduard Heilbronn, Frieda Heilbron geb. Stern, Wilhelm (Willi) Heilbron, Irene Wartski-Heilbron, Inge Wartski-Heilbron, Werner Wartski-Heilbron) sowie in der Oesterleinstraße 10 ein "Stolperstein" für Fanny Kahn geb. Kahn. Eine zweite Verlegung von "Stolpersteinen" fand am 3. Juli 2019 statt, darunter für Norbert Tugendhat in der Rombacher Straße 30 (Schubart-Gymnasium) und die Mitglieder der Familie Pappenheimer in der Bahnhofstraße 23 (Heinz Pappenheimer, geb. 1900; Ida Ilse Pappenheimer geb. Grünewald, geb. 1902, Siegfried Pappenheimer, geb. 1925 und Ruth Pappenheimer, geb. 1928).    
Vgl. Wikipedia-Artikel  https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aalen     
    
    
 
   
Fotos / Dokumente        

Hinweis: Mehrere historische Fotos finden sich im Faltblatt "Stolpersteine in Aalen", Aalen 2018.    

 
     
Fotokarten des Warenhauses Ed. Heilbron
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries)
 Obige Karte mit dem Blick auf das Warenhaus Ed. Heilbron von der Wilhelm-Zapf-Straße aus (ehemalige "Olgastraße", was auch am Haus zu lesen ist) datiert in die Zeit um 1915. Als Fotograf wird "Hofphotograf J. van Daalen" angegeben. Vermutlich gibt das Foto eine Szene einer an einem Festumzug teilnehmenden Gruppe wieder.
1903 gründete das Ehepaar Eduard und Frieda Heilbron in der Bahnhofstraße 18 das "Warenhaus Eduard Heilbronn". Das Warensortiment waren Manufakturwaren, Herren- und Damenkonfektion, Wäsche, Kurz-, Weiß- und Wollwaren, Haushaltsartikel, Spielwaren und Geschenkartikel, die in zwei Stockwerken des viergeschossigen Hauses zum Verkauf präsentiert wurden. Wegen zunehmenden Anfeindungen und Repressalien gab Eduard Heilbron 1931 sein Geschäft in Aalen auf und verzog nach Wiesbaden. 
     
   
   Obige Karte des (ehemaligen) Warenhauses Ed. Heilbron ist von der Bahnhofstraße aus aufgenommen und datiert aus dem Jahr 1942. 
     
Anzeige zum Verkauf von Korbmöbeln
durch Fanny Kahn in Aalen (1927)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries)
 
  Die Werbeanzeige erschien in der
"Aalener Volkszeitung" vom 9. September 1927
 
     
Karte aus den USA an
Fanny Kahn in Aalen (1940!)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries)
Die Karte an Fanny Kahn in Aalen wurde ein gutes Jahr vor ihrer Zwangsumsiedlung nach Oberdorf aus Los Angeles von ihrem Bruder Karl Kahn geschrieben. Karl Kahn hat die Karte in Los Angeles am 27. Mai 1940 geschrieben. Text der Karte: "Los Angeles – May 27th 40. Liebe Fanny ! Eben kam deine Karte vom 4/5 (= 4. Mai) an und wir freuen uns sehr, dass es dir verhältnismäßig gut geht. Bei diesem schönen Frühlingswetter werden auch deine gesundheitlichen Beschwerden nachgelassen haben. Es hat mich sehr beruhigt, dass Recha Dir wegen der von mir veranlassten Angelegenheit günstigen Bescheid gegeben hat, und ich hoffe, dass inzwischen Hilfe für Dich eingetroffen ist. Für deine Geburtstagswünsche haben ich und Heinz Dir in einem langem Brief bestens gedankt, und das eine Liebesgabenpaket war ein Geburtstagsgeschenk für Dich und das andere war für Weihnachten. In einem Brief lag auch ein Bild von mir, das Heinz auf einem Ausflug aufgenommen hat. Uns geht es allen unberufen weiter gut. Hoffentlich hören wir bald wieder Gutes von Dir. Von Heinrich Herrmann habe ich inzwischen auch einen längeren Brief erhalten. Jakob Gidion kommt mit guten Bekannten von uns aus Elberfeld öfters zusammen. Für heute weiss ich nichts weiter zu berichten. Sei von uns allen herzlichst gegrüßt - dein Bruder Karl."

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     

Februar 2017: Stolpersteine sollen verlegt werden  
Anmerkung: Für Willi Heilbron (geb. 1904 in Aalen als Sohn des Warenhausbesitzers Eduard Heilbron und der Frieda geb. Stern) soll am künftigen VR-Bank-Platz ein erster Stolperstein verlegt werden. Heilbron war geistig behindert und lebte in der Heil- und Pflegeanstalt in Stetten im Remstal. 1940 wurde er in Grafeneck ermordet. Ein zweiter Stolperstein soll für Fanny Kahn verlegt werden, die in der heutigen Oesterleinstraße lebte und über Oberdorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurde.   
Aalen Schwaebische Post 06022017.jpg (276722 Byte) Artikel von Ulrike Schneider in der "Schwäbischen Post" vom 6. Februar 2017: "Stolpersteine jetzt auch in Aalen. Holocaust. Eine Initiative will am künftigen VR-Bank-Platz an der Bahnhofstraße an den Juden Willi Heilbron mit einer solchen Gedenktafel erinnern...."   
 
Februar 2018: Erste Stolpersteine wurden in Aalen verlegt     
Aalen Schwaebische Post 22022018.jpg (203463 Byte)Artikel von Tobias Dambacher in der "Schwäbischen Post" vom 22. Februar 2018: "Starkes Zeichen des Gedenkens. Mahnmal. Die ersten Stolpersteine wurden in Aalen verlegt. Sie erinnern an Fanny Kahn und Mitglieder der Familie Heilbron - von Nazis ermordete Aalener..."  
Aalen Schwaebische Post 22022018a.jpg (117603 Byte)Artikel in der Eingangsseite der "Schwäbischen Post" vom 22. Februar 2018 mit Hinweis auf den anderen Artikel (Seite 9).  
 
Juli 2019: Zweite Verlegung von "Stolpersteinen"
Am 3. Juli 2019 wurden in Aalen "Stolpersteine" verlegt unter anderem für Norbert Tugendhat in der Rombacher Straße 30 und für die Mitglieder der Familie Pappenheimer (Bahnhofstraße 23). Initiiert wurde die Verlegung von der Bürgerinitiative Stolpersteine Aalen.  
Vgl. Artikel von Martina Klecha mit Videos in der "Sonntagszeitung" vom 20. Juli 2019: "Jüdische Geschichte in Deutschland. Stolpersteine für die Pappenheimer: Eine jüdische Familiengeschichte zwischen Aalen und Haifa..."  
Zu Norbert Tugendhat:  Otto Norbert Julius Tugendhat wurde am 10. November 1896 in Großeislingen (Stadtteil Eislingen/Fils) als Sohn von Bruno Arthur Tugendhat und seiner (ersten) Frau Friederike geb. Geiringer geboren (zur Familie vgl. Informationen in der Seite zu Eislingen; der Vater war Generaldirektor der Papierfabrik Unterkochen). In seiner Schulzeit am Schubart-Gymnasium in Aalen ist Norbert positiv aufgefallen und wurde von seinen Mitschülern geachtet. Er machte 1914 sein Abitur in Aalen.
Bruno Arthur Tugendhat heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau (1910) erneut und hatte mit seiner zweiten Frau Martha Frieda geb. Rieger (geb. 1896) drei Töchter: Lieselotte (geb. 1920) und die Zwillinge Anneliese und Annemarie (geb. 1922). Anneliese und Annemarie wurden in den 1930er-Jahren an der Schule in Aalen ausgegrenzt und 1935 oder 1936 als "Halbjuden" vom Unterricht aus der Schule ausgeschlossen. Daraufhin zog die Familie nach Stuttgart. 
Norbert Tugendheit heiratete am 19. Mai 1923 in Hamburg Anna geb. Löw (geb. 2. September 1894 in Wien) und emigrierte 1939 nach Paris. Norbert wurde am 31. Juli 1944 nach Auschwitz deportiert, kam von dort nach Stutthof und danach in das KZ Hailfingen im November 1944. Anfang Dezember starb er an einer fiktiven Todesursache, der Herzmuskelschwäche. Sein Leichnam wurde im Krematorium im Reutlinger Friedhof eingeäschert. Norberts Frau Anna geb. Löw wurde in Auschwitz ermordet.  
 
Flyer zur Verlegung der "Stolpersteine" mit Wiedergabe der Seiten zu Norbert Tugendhat und Familie Pappenheimer:         
           

  
Fotos von der Verlegung im Februar 2018:
  
(Fotos: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)     

 Aalen Stolpersteinverlegung 1424.jpg (91450 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1425.jpg (159952 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1438.jpg (253385 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1423.jpg (34183 Byte)   Aalen Stolpersteinverlegung 1427.jpg (167130 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1429.jpg (139461 Byte)
Der Künstler Gunter Demnig wird interviewt 
- hier am Ort der Verlegung für Fanny Kahn geb. Kahn     
Stolperstein für Fanny Kahn 
geb. Kahn (1871-1942) 
Eröffnung der Veranstaltung zur Stolpersteinverlegung
 mit OB Thilo Rentschler (Aalen)  )  
     
Aalen Stolpersteinverlegung 1432.jpg (142541 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1434.jpg (119365 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1436.jpg (134152 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1437.jpg (134468 Byte)
Während der Rede von Klaus Knopp, einer 
der Initiatoren der Stolpersteininitiative Aalen       
Während der Rede von Erwin Hafner, ehemaliger 
Chefredakteur der "Schwäbischen Post"   
 Die Fotos zeigen das große öffentliche Interesse 
an der "Stolpersteine"-Verlegung in Aalen 
     
Aalen Stolpersteinverlegung 1439.jpg (105097 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1440.jpg (103591 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1441.jpg (148083 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1443.jpg (143109 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1447.jpg (121725 Byte)
Gunter Demnig bei der Verlegung der 
"Stolpersteine" für Familie Heilbron   
Zahlreiche Interessierte auch an der zweiten Station mit der Verlegung der "Stolpersteine" für Familie Heilbron; 
oben OB Rentschler bei der Ansprache     
     
 Aalen Stolpersteinverlegung 1448.jpg (160460 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1450.jpg (128441 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1451.jpg (117694 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1456.jpg (99855 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1454.jpg (128483 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1455.jpg (105096 Byte)
   Fotos der insgesamt sieben Schüler, die Texte zu den sieben Familienmitgliedern der Familie Heilbron lesen    
     
 Aalen Stolpersteinverlegung 1458.jpg (91732 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1459.jpg (202171 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1460.jpg (84604 Byte)   
Rede von Volkmar Wieland, Mitglied 
der Stolpersteininitiative Aalen  
 Die sieben Stolpersteine für 
Angehörige der Familie Heilbron  
  

Presseartikel von Lena-Luisa Maier in der "Schwäbischen Post" (Aalen) vom 19. Februar 2018: "Zwei Steine, zwei Namen, zwei Geschichten" 
Link zum Artikel   
Faltblatt "Stolpersteine in Aalen", Aalen 2018 (als pdf-Datei zugänglich)  
Artikel von Martina Klecha im "Sonntagsblatt" vom 20. Juli 2019: "Jüdische Geschichte in Deutschland. Stolpersteine für die Pappenheimer: Eine jüdische Familiengeschichte zwischen Aalen und Haifa..."  (Beitrag als pdf-Datei eingestellt)  
 
 
Fotos von der Verlegung im Juli 2019
(Fotos: Werner Dombacher)  
Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" vom 1. Juli 2019: "Neue Stolpersteine werden verlegt
An diesem Mittwoch (sc. 3. Juli 2019) sollen in Aalen weitere Stolpersteine zur Erinnerung an von den Nazis ermordete Mitbürger verlegt werden.
Im Gedenken an die vom Nazi-Regime verfolgten, vertriebenen und ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürger laden die Initiative „Stolpersteine in Aalen“ und die Stadt Aalen an diesem Mittwoch, 3. Juli, zur zweiten Verlegung von Stolpersteinen durch Gunter Demnig ein. Gleichzeitig wird zur Abendveranstaltung mit Gunter Demnig „Stolpersteine – Spuren und Wege“ im evangelischen Gemeindehaus um 19.30 Uhr eingeladen.
Die Verlegung der Stolpersteine erfolgt am Mittwoch nach folgendem Zeitplan: um 14.30 Uhr für Norbert Tugendhat in der Rombacher Straße 30 am Aalener Schubart-Gymnasium; um 15.15 Uhr für Karl Schiele in der Hofherrnstraße 28 in Hofherrnweiler; um 16.15 Uhr für Karolina Fürst in der Dewanger Straße 36 in Fachsenfeld; um 17.15 Uhr für die Familie Pappenheimer in der Bahnhofstraße 23 in Aalen und um 17.45 Uhr für Johannes Schneider in der Beinstraße 22 in Aalen. Die Verlegestellen werden mit einem Bus angefahren. Diese zweite Stolpersteinverlegung in Aalen erfolgt unter Mitwirkung der Klasse 9c des Schubart-Gymnasiums sowie des Leistungskurses Musik der Schule." 
Link zum Artikel  
Anmerkung: nur bei Familie Pappenheimer und bei Norbert Tugendhat handelt es sich um jüdische Opfer der NS-Zeit 

     
      
   Gunter Demnig bei der Verlegung    Musikalische Umrahmung    Stolperstein für Norbert Tugendhat
     
 Stolpersteine für die Angehörigen
der Familie Pappenheimer
   
     
     

     
  

     
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Stadt Aalen      

Literatur:  

bulletGermania Judaica Band II. Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Hrsg. von Zvi Avneri. Teilband 1 S. 2. 
bulletWürttembergisches Städtebuch. Unter Mitwirkung der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg und des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg hg. von Erich Keyser, Stuttgart 1962. S. 34-35.    
bulletKarlheinz Bauer: Juden im Raum Aalen. In: Geschichts- und Altertumsverein Aalen e.V. (Hrsg.): Aalener Jahrbuch 1984. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1984. S. 302-344.    

 Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Schwäbisch Gmünd (mit Schorndorf und Aalen)  
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Schwäbisch Gmünd ist vorhanden:    
Aalen Familienblatt Pappenheimer.jpg (785566 Byte)J 386 Bü. 512 Schwäbisch Gmünd  Familienbuch 1867 - 1935  dazu die Filialen Schorndorf und Aalen http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446732 
    
In diesem Verzeichnis findet sich unter Stichwort "Filiale Aalen" ein Familienblatt zu Familie Heinz Pappenheimer mit Frau Ilse geb. Grünewald und den Kindern Siegfried und Ruth (siehe links).   
Weitere Informationen (auf Grund der Recherchen von Werner Dombacher, mitgeteilt am 12. Juli 2019):
Heinz Pappenheimer (geb. 14. März 1900 in Nördlingen als Sohn von Moritz Pappenheimer und Mathilde geb. Holzer, weitere Informationen siehe Familienblatt) war verheiratet seit dem 25. Dezember 1924 in Ansbach mit Ida Ilse geb. Grünewald (geb. 20. Juni 1902 in Nastätten als Tochter von Hermann Grünewald und Amalie geb. Stern; beide nach den Deportationen umgekommen). Heinz und Ilse Pappenheimer hatten zwei Kinder: Siegfried (geb. 21. Oktober 1925 in Nördlingen) und Ruth (geb. 3. Juni 1928).
Heinz Pappenheimer war bereits 1921 in Aalen gemeldet und führte dort das Geschäft von Moritz Pappenheimer in der Friedrichstraße/Ecke Gartenstraße. Das Geschäft lief aber vorzeitig aus, er kehrte deshalb im August 1922 wieder nach Nördlingen zurück. Am 22. Oktober 1924 eröffnete er in Aalen ein Textilgeschäft in der Bahnhofstraße 19, wo er auch wohnte (Eintrag Oktober 1924 im Handelsregister). Am 2. Dezember 1925 wurden die Geschäftsräume um das Gebäude in der Bahnhofstraße 23/Ecke Beinstraße erweitert. Später wurden die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße 19 aufgegeben. Ab September 1927 wohnte die Familie in der Bahnhofstraße 51. In der NS-Zeit musste am 9. August 1938 das Textilgeschäft in Aalen (Bahnhofstraße 23) auf Druck der NSDAP verkauft werden, die Übergabe war laut Kaufvertrag zum 9. November 1938 vereinbart worden; Ida Ilse Pappenheimer sollte noch bis zum Januar 1939 die neuen Besitzer "einarbeiten". Am 12. November 1938 wurde Heinz Pappenheimer in das KZ Dachau deportiert und erst wieder am 5. Januar 1939 entlassen mit der Auflage, möglichst bald Deutschland zu verlassen. Bereits vor seiner Verschleppung hatte sich Heinz Pappenheimer um ein Palästina-Zertifikat bemüht, die Beantragung musste dann seine Frau vollenden, während er in Dachau war. Für ein solches Palästina-Zertifikat mussten die Pappenheimer ca. 20.000 RM aufbringen. Bis Mitte Februar 1939 räumten die Pappenheimer ihre Wohnung in Aalen und zogen dann nach Frankfurt in die Wohnung, wo auch die Eltern von Ida Ilse (Ehepaar Hermann und Amalie Grünewald und deren Tochter Nelly) wohnten. Ein Teil des Mobiliars wurde in Aalen per Spedition nach Hamburg transportiert zur Verschiffung nach Palästina. Im Juli 1939 wurden die Pappenheimer vom Hausbesitzer in Aalen endgültig abgemeldet. Die Ausreise erfolgte von Frankfurt aus über die Schweiz und am 5. August 1939 ab Genua per Schiff ins damalige Palästina. 
Als Tochter Ruth 1937 vom weiteren Schulbesuch in Aalen widerrechtlich ausgeschlossen wurde, erhielt sie zunächst Privatunterricht. Ab Mitte 1938 besuchte sie das Heinemannsche Institut in Frankfurt/Main. Als ihr Vater am 12. November 1938 ins KZ Dachau verschleppt wurde, holzt sie ihre Mutter wieder nach Aalen zurück. Vermutlich war sie dann aber ab Januar, spätestens ab Februar 1939 wieder in Frankfurt. Von dort reise sie mit ihren Eltern dann im Juli 1939 nach Palästina/Israel aus.
Sohn Siegfried war seit April 1936 im Waisenhaus Wilhelmspflege in Esslingen untergebracht, weil er im Frühjahr 1936 als Jude das Gymnasium nicht mehr besuchen durfte. Nach kurzem Aufenthalt wechselte er auf Internate in Italien. Im Oktober 1938 kam er nach Aalen zurück und am 26. Januar 1939 wurde er in ein Kinderheim in Frankfurt (jüdisches Kinderheim der Flersheim-Sichel-Stiftung in der Ebersheimstraße 5) geschickt mit dem Ziel, dass er per Kindertransport nach England ausreist. Die Ausreise erfolgte laut Hausstandsbuch am 5. Juni 1939.
Ilse Pappenheimer ist am 25. April 1945 in Jerusalem gestorben; Heinz Pappenheimer verstarb 1983 in Israel. Tochter Ruth verheiratete Mire starb Januar 2017 in Haifa/Israel, Siegfried (Shimon) Pappenheimer ist 1995 gestorben.    

Quellen: Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Esslingen. S. 501 (zu Siegfried Pappenheimer).   
Artikel "Nach hartem Schicksal seit 1940 in Israel. Die Familie Pappenheimer musste 1938 Aalen über Nacht zwangsweise verlassen..." in: Schwäbische Post vom 23. Dezember 1989 (als pdf-Datei eingestellt; Bericht von Siegfried/Shimon Pappenheimer).   
Weitere genealogische Informationen zur Familie Pappenheimer Einstieg über https://www.geni.com/people/Heinz-Pappenheimer/6000000021735442834 (teilweise fehlerhaft!).
   

   
     

                   
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Stand: 15. Oktober 2013