Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dühren (Stadt Sinsheim, Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge  

    
Übersicht:  

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen    
bulletLinks und Literatur   

   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
In Dühren bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhundert zurück. 1699 wird erstmals ein Gewann "Judenkirchhof" am Eschelbacher Weg genannt, vermutlich ein Hinweis auf einen zeitweisen Begräbnisplatz der jüdischen Familien am Ort. 
  
1717/18 lebten fünf jüdische Familien in Dühren, zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es acht Familien. 
  
Im 19. Jahrhundert wurde die höchste Zahl jüdischer Einwohner um 1822 mit 43 Personen erreicht. 
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine kleine Synagoge und ein angebautes Haus für einen Lehrer/Vorbeter (vermutlich mit einem Raum für den Schulunterricht). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Vorsänger) tätig war (siehe Ausschreibung der Stelle unten von 1846). Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Sinsheim
  
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner schnell zurück. 1875 waren es noch 19 Personen, zwei Jahre später löste sich die Gemeinde auf. 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorsängers (1846)       

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 18. Februar 1846 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "[Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde Dühren ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 60 fl., nebst freier Kost, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Sinsheim zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."   

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales/der Synagoge     
  
Die jüdischen Familien lebten großenteils im sogenannten "Judenwinkel", heute "Zum Gässel". Hier standen mehrere enge, bescheidene Häuschen im Bereich um die Synagoge. 
     
Bereits im 18. Jahrhundert war ein Betsaal vorhanden. Am 25. April 1822 berichtete der Vorsteher der israelitischen Gemeinde in einem Schreiben an das Bezirksamt Sinsheim darüber: "Schon seit sehr langer Zeit bedient sich die hiesige, in jeder Hinsicht geringe israelitische Gemeinde eines dem Verfalle sehr nahen, engen Zimmers zur Synagoge". Anlass dieses Schreibens des Gemeindevorstehers war die Bitte an die Behörden, die Dührener Gemeinde dabei zu unterstützen, dass eine Kollekte zum Neubau einer Synagoge durchgeführt werden könnte. Die Gemeinde habe bereits einen kleinen Fond dafür angespart, aber bei der Armut und der geringen Anzahl der Gemeindeglieder sei dieser bei weitem nicht hinreichend, sodass die Gemeinde "noch viele Jahre [...] mit der größten Anstrengung" sammeln müsse und nie im Stande sein werde, aus eigenen Mitteln den Bau zu erstellen. Bezirksrabbiner Jakob Bamberger aus Sinsheim bescheinigte in einem Beibrief, dass die israelitische Gemeinde in Dühren wirklich in der Lage sei, eine neue Synagoge bauen zu müssen und dabei auf auswärtige Hilfe dringend angewiesen sei. Damals bestand die Gemeinde aus acht Familien mit zusammen 43 Personen. Im Antrag an die Behörden wies der Synagogenvorsteher darauf hin, dass eine neue Synagoge mindestens 800 bis 900 Gulden kosten würde, von denen die Gemeinde 300 Gulden beisteuern könnte. Das Direktorium des Neckarkreises lehnte ab, weil die Gemeinde wenigstens die Hälfte der Baukosten selbst tragen müsse. 
  
Am 9. Mai 1826 bat die Dührener Gemeinde erneut um Genehmigung zur Durchführung einer Kollekte. Inzwischen konnte die Gemeinde ein neues Angebot für den Bau eines Synagogengebäude vorlegen, das Zimmermeister Georg Harter erstellt hatte. Er meinte, dass er ein geeignetes Gebäude mit sechs Fenstern auf einer Fläche von 18 Schuh (5,4 m) mal 31 Schuh (9,3 m) mit einem 4 Schuh (1,2 m) tiefen und 3 (0,9 m) Schuh breiten Fundament mit allem, was dazu gehöre, zum Preis von 582 Gulden und 8 Kreuzern erstellen könne. Damit reichten nach der Argumentation des Kreisdirektoriums die Eigenmittel der Gemeinde aus. Tatsächlich wurde am 28. August 1826 vom badischen Innenministerium "der israelitischen Gemeinde in Dühren eine Kollekte bei ihren Glaubensgenossen im ganzen Großherzogtum zum Behuf der Erbauung einer neuen Synagoge" bewilligt. Daraufhin konnte man sich an die Sammlung der Spenden machen und mit deren Hilfe 1828/29 eine kleine Synagoge erbauen, deren zugemauerte rundbogige Fenster noch heute auffallen. Mit der Finanzierung war es dann doch schwieriger als gedacht, da sich Zimmermeister Harter verrechnet hatte und der Bau insgesamt 811 Gulden und 38 Kreuzer kostete. Im Juli 1830 fehlten etwa 150 Gulden, die man nur mit großer Mühe über den Verkauf der Synagogenplätze und durch eine Umlage, verteilt über mehrere Jahre, zusammenbekommen hat.    
     
Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde Dührens 1877 wurde die Synagoge am 12. November 1877 öffentlich versteigert. Die letzten vier männlichen Mitglieder der Gemeinde traten für die Gemeinde als letzte Besitzer des Gebäudes auf. Der Verkauf erbrachte 677 Mark 7 Pfennig, die an den israelitischen Religions- und Schulfonds in Karlsruhe überwiesen wurde. Mit den Zinsen sollten die noch in Dühren lebenden Armen des israelitischen Gemeinde unterstützt werden.  
     
Das Synagogengebäude diente von nun an als Heuspeicher, später auch als Garage. In den 1990er-Jahren wurden fast alle alten Häuser um die Synagoge abgebrochen, einschließlich des unmittelbar am Synagogengebäude stehenden Hauses des jüdischen Lehrers. Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg hat bereits 1982 die Dührener Synagoge für erhaltenswert erklärt. Nur noch sie erinnert an die frühere jüdische Geschichte im "Judenwinkel".  
   
In den Jahren bis 2015 gab es von unterschiedlicher Seite Bemühungen um den Erhalt der ehemaligen Synagoge in Dühren. Das Gebäude geriet auf Grund der jahrelangen Vernachlässigung in einen baufälligen Zustand. Schließlich stimmte das Regierungspräsidium dem Abriss zu. Die Nordseite des Gebäudes wurde Mitte Juli 2015 fachmännisch abgetragen, die einzelnen Balken gekennzeichnet, um sie möglicherweise wieder an anderer Stelle aufzubauen (vgl. Presseartikel unten). Die Pläne mussten aufgegeben werden (siehe Pressebericht von 2021).          
   
   
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985
(Fotos: Hahn; sw-Fotos 1987; Farbfotos Oktober 1988)  

 
 
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Die ehemalige Synagoge 
in Dühren 
Die ehemalige Synagoge mit angebautem
 (ehemals jüdischem?) Wohnhaus 
  
     
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Fotos 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum obere Zeile 30.7.2003; untere Zeile 7.7.2004) 

 
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Ehemalige Synagoge 
im Abendlicht  
Die ehemalige 
Synagoge 
Das angebaute Wohnhaus und die Häuser
 in der Umgebung sind alle abgerissen 
     
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Gebäudeansicht 
von Norden 
Gebäudeansicht 
von Nordosten 
Der Innenraum überrascht durch 
seine unerwartete Größe  
     
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Blick zum Dachgiebel
 der Nordwand 
Fenster auf Höhe der Frauenempore an 
der Ostwand über dem Toraschrein 
Der Platz des Toraschreines ist noch 
am Verputz erkennbar  
     
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Blick auf die Rundbogenfenster auf Höhe der Frauenempore   
     
März 2012: Wie geht es mit der ehemaligen Synagoge weiter? 
Mit dem Besitzer des Gebäudes trafen sich am 27. März 2012 zu einer Besichtigung: Dr. Joachim Hahn (Alemannia Judaica), Elisabeth Hilbert (Verein "Jüdisches Leben im Kraichgau e.V.) und Hochschulerabbiner Shaul Friberg (Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg).  
Dueren Synagoge 12059.jpg (193461 Byte) Dueren Synagoge 12058.jpg (129139 Byte) Dueren Synagoge 12056.jpg (142204 Byte)
Von links: Dr. Joachim Hahn, Rabbiner 
Shaul Friberg, Elisabeth Hilbert
Gebäudeansicht 
von Norden 
Gebäudeansicht 
von Osten
     
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Blick auf die Fenster an der Nordseite  Der Dachstuhl
        
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Blick nach Osten 
  
Noch erkennbar: Standort 
des Toraschreines
Das Fenster auf 
der Westseite
     
     
Der Abbruch der Synagoge im Juli 2015 
(Fotos erhalten von Jutta Stier) 
Duehren PICT2204.jpg (33688 Byte) Duehren DSC03519.jpg (41878 Byte)
  Am Abbruchtag: das eingerüstete Gebäude während der Abbrucharbeiten   
     
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Die Rundbogenfenster vor dem Abbruch  Innenraum beim Abbruch  Aufgestapelt: Balken des Synagogengebäudes 
     
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 Die einzelnen Balken wurden markiert  Das Grundstück nach Abschluss des Abbruches    

   
   
 
Bemühungen um den Erhalt des Synagogengebäudes 

April/Juli 2014: Das Gebäude befindet sich in erbärmlichem Zustand    
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 17. April 2014: "Dührener Synagoge: Geschichtliches Kleinod in erbärmlichem Zustand. In der Dührener Synagoge könnte ein Kirchturmmuseum sein. Stattdessen regnet's ins Dach..."  
Link zum Artikel    
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 12. Juni 2014: "Bleibt für die alte Synagoge in Sinsheim nur der Abriss?
Bauruine und Geldgrab, dafür mit historischer Bedeutung - Keiner weiß so recht, was mit dem Fachwerkgebäude passieren soll..." 
Link zum Artikel      
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 1. Juli 2014: "Wird die Dührener Synagoge in einen anderen Bau integriert?
Das baufällige Haus sorgte auch im Ortschaftsrat wieder für Diskussionen. Die IG machte einen Vorschlag.
Sinsheim-Dühren. (at). Jahrzehntelang unbeachtet dem Verfall preisgegeben ist die ehemalige Synagoge angesichts ihres drohenden Abrisses jetzt auch im Ortschaftsrat wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Ortschaftsrat und interessierte Bürger diskutieren nun über den kultur- und religionsgeschichtlichen Wert dieses in seiner Bausubstanz maroden Gebäudes, das der jüdischen Gemeinde bis zu ihrer Auflösung 1877 knapp 50 Jahre als Versammlungsort gedient hatte... "
Link zum Artikel     
 
August 2014: Die "Interessengemeinschaft Dührener Synagoge" kümmert sich um das Dührener Synagogengebäude   
Artikel von Wolfgang Kächele in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 16. August 2014: "Für alte Dührener Synagoge gibt es neue Fürsprecher
Eine "Interessengemeinschaft Dührener Synagoge" hat sich konstituiert.

Sinsheim-Dühren. Ein großes Loch im Dach, Risse in der Außenmauer und auch innen eher baufällig als gut erhalten. So präsentiert sich im Augenblick die alte Synagoge im 'Gässel'. Um die Unfallgefahr, die von dem Haus ausgeht, zu mindern, hat der Eigentümer nun einen Sperrzaun drum herum aufgebaut. Lange soll dieser Zustand, der auch die Nachbarn beeinträchtigt, allerdings nicht mehr andauern. 'Wir warten auf die Abrissgenehmigung und wollen dann zur Tat schreiten,' hat sich eine "Interessengemeinschaft Dührener Synagoge' vorgenommen. Dagmar Nerpel, Gerhard Fischer und Harald Seemann sind aktuell die Sprecher dieser Bürgerinitiative..." 
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Dezember 2014: Denkmalschutz ist gegen den Abbruch der ehemaligen Synagoge  
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 4. Dezember 2014: "Sinsheim: Denkmalschutz schiebt Synagogen-Abriss den Riegel vor
Auch als Getreidelager ist die Synagoge erhaltenswert - unter anderem, weil auch der Umgang mit ihr Geschichte ist.

Sinsheim. (tk) Die verfallene Dührener Synagoge aus dem 19. Jahrhundert darf nun doch nicht abgerissen werden. Der Denkmalschutz ist der Ansicht, dass der schmale hohe Bau schon allein deshalb erhaltenswert ist, weil es sich - so die Interpretation des mit dem Fall betrauten Denkmalschützers Dr. Johann Wilhelm - angesichts der kleinen Größe der Dührener jüdischen Gemeinde um ein umso stattlicheres, selbstbewusstes Bauvorhaben gehandelt hat..."   
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April 2015: Der Verfall des Gebäudes schreitet voran  
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 14. April 2015: "Die Dührener Synagoge bröckelt immer schneller
Sinsheim-Dühren.
(tk) Die ehemalige Synagoge bröckelt weiter vor sich hin. Wie aufmerksame Passanten mitteilen, kamen zum bisherigen großen Loch in der ohnehin provisorischen Dacheindeckung weitere kleinere bis mittlere Löcher und Risse hinzu. Außerdem bröckle es an der Vorderfront des Gebäudes, und im Ort mehrten sich Spekulationen, weshalb sich der Verfall des maroden Gebäudes in jüngster Zeit offenbar dramatisch beschleunigt..." 
Link zum Artikel    
 
Juli 2015: Abbruch des Gebäudes der Synagoge  
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 11. Juli 2015: "Dührener Synagoge: Plattgemacht und doch gerettet
Sinsheim-Dühren.
(tk) Und dann ging doch alles ganz schnell: Kürzlich noch vom Denkmalschutz als ortsgeschichtlich bedeutsam eingestuft und mit einem Rüffel, man hätte das Gebäude besser erhalten müssen, kam jetzt doch die Abbruchgenehmigung für die ehemalige Synagoge.
Dass sich trotzdem ein Weg zur Erhaltung der wesentlichen Gebäudeteile fand - und das kurzfristig - geht zurück auf Grundstücksbesitzer Josef Rausch, eine inzwischen gegründete Bürgerinitiative um Pfarrer Dietmar Coors, sowie Handwerksmeister Peter Keil und Harald Hoffmeister aus Hoffenheim. Keil stellte kurzerhand ein Gerüst und eine kleine Arbeitskolonne zur Verfügung. Hoffmeister - Zimmermannsmeister im Ruhestand - sprang als Bauleiter ein. Anfang vergangener Woche wurde alles bekannt. Eine Sondersitzung wurde einberufen, wie Gerhard Fischer, Mitglied der Initiative aus Hoffenheim schildert. Fischer und Harald Hoffmeister sind mit Pfarrer Coors befreundet, man kennt sich gut und ein jeder weiß, was der andere kann. Hoffmeister wusste aus Berufserfahrung: 'Ist zu schaffen.' Peter Keil, Inhaber eines Stuckateurbetriebs und Besitzer des benachbarten Bletscherhofs, wird Lagerräumlichkeiten zur Verfügung stellen. Das Vorgehen ist nicht ganz einfach, schildert Harald Hoffmeister.
Erhalten wird das Fachwerk der Vorderfront - und damit das prägendste Gebäudeteil mit den markanten Rundbögen. Mit äußerster Vorsicht werden hierzu von einer kleinen Truppe die Balken - beginnend vom Giebel bis hinunter zum zentralen Stützbalken - von Hand freigeklopft. Dann werden die einzelnen Balken 'für einen Wiederaufbau' nummeriert und auf Grundlage einer Planskizze eingelagert. Den Rest des Abbruchs erledigt ein Bagger. 'Das Gebäude ist kein Denkmal mehr' rückt Hoffmeister zurecht. 'Wir erhalten aber das Wesentliche für die Ortsgeschichte.' Eine Sanierung des Gebäudes hätte über 370.000 Euro Mindestkosten verschlungen, hieß es. Das sei letztlich allen Beteiligten zu viel gewesen.
Ein Wiederaufbau ist fest ins Auge gefasst, allerdings müsse die Initiative zunächst Spenden generieren und Örtlichkeiten suchen. Angedacht ist ein Aufbau auf dem Zimmerplatz, im Pfarrgarten oder anderswo in Dühren."  
Link zum Artikel    
 
August 2016: Synagogengiebel soll in einer Kulturscheune verbaut werden  
Artikel von Alexander Becker in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 31. August 2016: "Sinsheim-Dühren: Synagogengiebel geht in Kulturscheune auf
Interessengemeinschaft scheint eine Lösung für das bereits abgerissene historische Bauwerk gefunden zu haben

Sinsheim-Dühren. 'Was wird aus unserer Synagoge?' fragt sich derzeit die Interessengemeinschaft 'Dührener Synagoge', ein Zusammenschluss engagierter Bürger, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an das mittlerweile nicht mehr existierende Gebäude wach zu halten. 1826 im Fachwerkstil errichtet, prägte es fast zwei Jahrhunderte lang das Ortsbild des Stadtteils, bis es vor gut zwölf Monaten aufgrund akuter Baufälligkeit abgebrochen werden musste. 'Ich bedauere sehr, dass wir das nicht verhindern konnten', bekundete mit Dagmar Nerpel eine der Vorkämpferinnen ihren Unmut ob des Verlustes des historischen Sakralbaus. Im Anschluss verschwieg sie auch nicht, dass man im Grunde durch eine Veröffentlichung in der RNZ zueinander gefunden habe. 'Bleibt für alte Synagoge nur der Abriss?' wurde da gefragt, was Dagmar Nerpel seinerzeit ebenso wie das Vorhandensein 'eines latenten Antisemitismus' vor Ort mit einem klaren 'Nein' innerhalb eines Leserbriefes beantwortete. Allmählich meldeten sich bei der Lehrerin weitere Gleichgesinnte, unter ihnen auch der damalige evangelische Pfarrer Dr. Dietmar Coors, und man beschloss, gemeinsam für den Erhalt der Synagoge zu kämpfen. Der stand in der Tat lange auf der Kippe. 1982 war das zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als ein Jahrhundert nicht mehr als Synagoge genutzte Gebäude (die örtliche jüdische Gemeinde hatte sich 1877 aufgelöst) seitens des Landesdenkmalamtes als erhaltungswürdig eingestuft worden, wobei sich der zwischenzeitliche Eigentümer mit untragbaren Investitionen konfrontiert sah. Mehrere angedachte Sanierung- bzw. Nutzungskonzepte später - sowohl die inwändige Sicherung der Bausubstanz als auch die Einrichtung eines Kirchturmuhrenmuseums schlugen fehl - gab der Ortschaftsrat schließlich vor gut zwei Jahren grünes Licht für den Abriss. Ortsvorsteher Alexander Speer betonte auf Nachfrage, dass man nur unter der Bedingung dem Abbruch zugestimmt habe, dass der Interessengemeinschaft 'Dührener Synagoge' genügend Zeit eingeräumt werde, um Entsprechendes in die Wege zu leiten. Die war letztendlich reichlich vorhanden, da sich eine Person über den anstehenden Abbruch beschwert und der verantwortliche Entscheider innerhalb des Regierungspräsidiums Karlsruhe gewechselt hatte. Am 30. Juni letzten Jahres wurde schließlich der Abbruch genehmigt und umgehend vorgenommen. Hierbei legte man großen Wert darauf, die markante Giebelwand mit den seltenen Fachwerkbögen für eine spätere Verwendung zu erhalten. Alle ihre Bestandteile wurden katalogisiert und auf dem angrenzenden Betriebsgelände des Stuckateurs Peter Keil eingelagert. 'Er ist ebenfalls Mitglied der Interessengemeinschaft und wir sind sehr froh darüber, dass er uns den nötigen Platz zur Verfügung gestellt hat', betonte Dagmar Nerpel. Auch Ortsvorsteher Speer gehört zu den Mitstreitern und unterstützt die allmählich gereifte Idee, die Giebelwand der Synagoge in eine auf dem Dorfplatz zu errichtende 'Kulturscheune' einzuarbeiten. 'Es soll ein Gebäude sein, das von vielen Dührener Händen erstellt wird', wünscht sich das Dorfoberhaupt, dem zufolge sich bereits erste Helfer zur Mitarbeit an dem Gemeinschaftsprojekt von Dührenern für Dührener bereit erklärt haben. Alles in allem strebt man eine vielseitige Nutzung an: während des Dorffestes der örtlichen Vereine, des Martinsumzuges der Fördergemeinschaft der Grundschule, des Himmelfahrtsfestes des Turn- und Sportvereins, der Maifeier des Gesangvereins, für Lesungen, Konzerte und dergleichen.
Finanziert werden soll die 'Kulturscheune' durch Zuschüsse und Spenden. Dr. Dietmar Coors hat bereits einige Entwürfe für die 'Kulturscheune' anfertigen lassen und wird Details hierzu am Montag, 19. September, um 20 Uhr im Bürgersaal des Rathauses (Karlsruher Straße 54) vorstellen. Dort gibt dann auch der Beauftragte für das christlich-jüdische Gespräch der evangelischen Landeskirche in Baden, Prof. Dr. Klaus Müller (Karlsruhe), einen allgemeinen Überblick zum Umgang mit Synagogen in Baden. Weiterhin nimmt er zu den örtlichen Ideen Stellung und gibt Ratschläge zu deren Finanzierung. Zur Abrundung spielen 'I musici di Durina' Klezmermusik, ehe eine Aussprache folgt."
Link zum Artikel  
 
September 2016: Ideen zu einer "Kulturscheune Alte Synagoge" werden präsentiert       
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 22. September 2016: "Synagoge Sinsheim-Dühren: 'Judentum gehört nicht ins Museum, sondern in die Gegenwart'
Nutzwert steht bei der alten Synagoge im Vordergrund, mit der 'Kulturscheune Alte Synagoge' könnten Erinnerung und aktuelle Bedürfnisse in Einklang gebracht werden.
Sinsheim-Dühren
. (abc) Gut ein Jahr ist es her, dass die Mitglieder der Interessengemeinschaft 'Dührener Synagoge' den Abbruch des Gebäudes begleitet und dessen Giebelwand eingelagert haben. Jetzt traf man sich, um das weitere Vorgehen in Anwesenheit zusätzlicher Interessierter zu beraten.
Zunächst lieferte der Beauftragte für das christlich-jüdische Gespräch der evangelischen Landeskirche in Baden, Prof. Dr. Klaus Müller, einen Überblick zum Umgang mit Synagogen. 'Ohne Judentum gäbe es kein Christentum', stellte er klar und betonte, dass es im Kraichgau vor der Pogromnacht 1938 zehn Synagogen um Sinsheim herum gegeben habe - heute verteile sich diese Menge auf ganz Baden. In Dühren gab es seit 1877 keine jüdische Gemeinde mehr, die ehemalige Synagoge wurde als Scheune genutzt und überlebte somit die 'Reichskristallnacht'. Gerade vor diesem Hintergrund sei das Dührener Synagogenfachwerk ein Zeugnis des gemeinsamen kulturellen Lebens in Dühren und daher auch absolut erhaltenswert. 'Judentum gehört nicht ins Museum, sondern in die Gegenwart', sagte Müller, was anschließend auch Ortsvorsteher Alexander Speer bekräftigte. Er stellte die Idee der 'Kulturscheune alte Synagoge' im Detail vor, die unter Verwendung der Giebelwand auf dem Dorfplatz errichtet und für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden könnte. 'Eigentlich', so das Dorfoberhaupt weiter, 'hätte ich heute gerne eines der hierfür vorgesehenen Rundbogenfenster als neuen Baustein gezeigt, aber unser Schreiner ist nicht fertig geworden.' Dr. Klaus Müller lobte die Idee der Kulturscheune und schlug vor, sich breitflächig um Zuschüsse zur Finanzierung des Projektes zu bemühen.
Nach musikalischer Überleitung durch Klezmer-Klänge - unter anderem intoniert durch den ehemaligen Pfarrer Dietmar Coors - wurde das Gehörte und Gesehene angeregt diskutiert. 'Liegt die Kulturscheune nicht zu nah am Kindergarten? Und wo soll der Gesangverein während des Maifests sein Essen frittieren?', fragte zunächst dessen Mitglied Gabriele Kegel. Der Ortsvorsteher entgegnete , dass durch die Giebelwand der abgebrochenen Synagoge Höhe und Breite, aber nicht Tiefe vorgegeben seien. Man sei also absolut flexibel. 'Das Gebäude soll an die jüdische Gemeinde erinnern, dessen Nutzung aber an erster Stelle stehen', betonte Dietmar Coors nochmals den Mehrfachnutzen. Diakon Lothar Schindler merkte im Gegenzug an, dass vor Ort nun eine hervorragende Möglichkeit bestehe, die künftige Kulturscheune auch als Begegnungsstätte für Gläubige verschiedenster Religionen zu nutzen. Zwar ging man letztendlich ohne die Verabschiedung eines klaren Konzeptes auseinander, doch betonte Klaus Müller abschließend, dass vor Ort glücklicherweise alles andere als Desinteresse an der potenziellen Kulturscheune herrsche." 
Link zum Artikel   
 
August 2021: Die Idee einer "Kulturscheune Alte Synagoge" ist aufgegeben - eine Stele als kleinere Form des Gedenkens wird diskutiert 
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 30. August 2021: "Ein Häuschen in Moll. Die Geschichte der Dührener Synagoge bis ins Jetzt beschloss den Kirchen-Kultur-Sommer... 
...

Nach dieser Einbettung in einen größeren Rahmen berichtete Nerpel als Mitglied der Interessengemeinschaft Synagoge, die aus organisatorischen Gründen in den Ende 2017 gegründeten Bürgerverein für Heimat und Kultur Düren eingegliedert wurde, von den langwierigen Versuchen, aus den noch existierenden Überresten der Synagoge ein würdevolles Denkmal zu formen. Nachdem man den Abriss aufgrund der Baufälligkeit des Gebäudes nicht hatte verhindern können, lagert man die Balken der Giebelwand ein, um sie später in die Frontansicht einer letztendlich nicht genehmigten Kulturscheune zu integrieren.
Bei einer Umlagerung zeigten sich an manchen Holzbalken deutliche Zerfallserscheinungen, weswegen die aktuellen Pläne den Aufbau einer Stele mit etwas Fachwerk und Sandsteinen in der Nähe des historischen Brunnens am Ortsmittelpunkt favorisieren. Die Entscheidung des örtlichen Gremiums hierzu steht aber noch aus. Vorgesehen ist die Integration eines einzelnen offenen Rundbogenfensters, dass allen, die das Denkmal betrachten, Durchblick gewährt."   

   
   
    

Links und Literatu

Links: 

bulletWebsite der Stadt Sinsheim 

Literatur:  

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 67-68. 
bulletHermann Lau: Dühren. Entwicklung eines Dorfes von 1600 bis 1900. In: Kraichgau 7 (1981) S. 29-39. 
bulletHermann Lau: "Juden", Vorarbeiten zum Ortssippenbuch Dühren (Kopie von der Verwaltungsstelle Dühren) 
bulletWolfgang Vögele: Dühren. Aus der Geschichte eines Krauchgaudorfes. Sinsheim 1988 (Abschnitt: "Die jüdische Gemeinde" S. 142-145).  

     
      

                   
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Stand: 30. Juni 2020