Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mössingen (Kreis Tübingen)
 Jüdische Geschichte 
 
  Bitte besuchen Sie auch die Website der Initiative Löwenstein-Forschungsvereins Mössingen e.V.  http://www.initiative-loewensteinverein.de/

Übersicht:  

bulletZur jüdischen Geschichte in Mössingen 
bulletFotos / Darstellungen   
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
bulletLinks und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Mössingen          
     
In Mössingen gab es zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Nur wenige jüdische Einwohner (oder zufällig ortsanwesende jüdische Personen) wurden bei den Volkszählungen zwischen 1806 und 1933 am Ort festgestellt. Erstmals wird 1871 eine jüdische Person, 1875 drei jüdische Personen bei den Volkszählungen festgehalten, zwischen 1880 und 1900 keine jüdische Personen, 1905 eine, 1910 drei, 1925 und 1933 jeweils eine jüdische Person.     
 
Jüdischer Gewerbebetrieb: in Mössingen bestand seit ca. 1905 eine Filiale der Baumwollweberei Fa. Bernheim & Cie. (Reutlingen-Bronnweiler). Ursprünglich wurde der Betrieb in der Mössinger Ortsmitte im Jahr 1868 von Johannes Anstatt bzw. 1871 durch den Kaufmann J. Hummel gegründet ("Buntweberei Hummel"). Der Betrieb ging 1874 auf die Inhaber Ungerer und Dietrich und ca. 1905 auf die Fa. Bernheim über.
  
1919 übernahmen die Brüder Arthur und Felix Löwenstein (Stuttgart) den Betrieb als Niederlage der Gardinenweberei bzw. Mechanische Weberei PAUSA AG. Der Name PAUSA erinnert an die 1911 zunächst in Pausa im Vogtland (heute Pausa-Mühltroff vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Pausa-Mühltroff) von den Brüdern Löwenstein gegründete Firma. Hergestellt wurden moderne Heimtextilien aller Art. Die Firma bezog Rohbaumwolle, die in der Firma gesponnen, gefärbt und gewebt wurde. Neben Gardinen wurden Tischdecken und Bezugsstoffe für Möbel hergestellt. Die Firmengebäude in Mössingen wurden durch den Architekten Richard Döcker 1922 bis 1925 im Bauhausstil neu erstellt, 1928 folgte eine moderne Shedhalle. Die Produktion der Firma wurde alsbald auf den Textildruck umgestellt beziehungsweise unter dem Einfluss des Werkbundes und des Bauhauses auf die Herstellung hochwertiger Dekorationsstoffe spezialisiert. Seit 1929 arbeiteten in der Firma Designer, die im Dessauer Bauhaus ausgebildet worden waren. 1929 bekam die Firma internationale Anerkennung durch eine Auszeichnung bei der Weltausstellung in Barcelona. 1931 wurde der bis dahin übliche Holzmodeldruck (Druck mit Handmodeln) auf den Filmhanddruck mit Siebdruckschablonen umgestellt. In der NS-Zeit mussten die Brüder Löwenstein 1936 den Betrieb weit unter Wert verkaufen. Die Brüder Löwenstein konnten noch emigrieren. 
  
Zu den Gründern der Mössinger PAUSA: Die beiden Brüder Arthur und Felix Löwenstein entstammten einer großen Stuttgarter Familie: Vater Justus Löwenstein und seine Frau Henriette hatten insgesamt neun Kinder. Sie lebten in Stuttgart in der Stafflenbergstraße 38 (heute Haus der Landeszentrale für politische Bildung). Zwei Familienmitglieder wurden ins KZ gebracht, eine Person wurde ermordet, die zweite überlebte.
Sohn Felix Löwenstein (1884-1946) war verheiratet mit Helene (genannt Lene) Löwenstein geb. Rieser (1894 - 1962). Kinder: Otto, Eva und Doris (verheiratete Angel). Die Familie emigrierte nach England und ließ sich in Manchester nieder.  
Artur Löwenstein (1886-1959) war verheiratet mit Flora (genannt Flo) Löwenstein (1893-1993). Kinder Lilo und Helmut (nennt sich später Harold Livingston). In der NS-Zeit emigrierte die Familie zunächst nach Mailand (Italien), wo der Bruder Walter Löwenstein im Stahlgeschäft tätig war. Später Auswanderung nach London.
 
Unter den neuen Eigentümern wurde die Erfolggeschichte der PAUSA fortgeschrieben. Die Firma expandierte an ihrem neuen Standort, doch musste der Betrieb in der NS-Zeit auf Kriegsproduktion umstellen. In der Nachkriegszeit konnte unter der Leitung von Willy Häussler mit herausragenden Designern (Willi Baumeister, HAP Grieshaber, Leo Wollner, Andreas Felger und Anton Stankowski) und dem besonderen PAUSA-Stil die Tradition des Werkbundes und des Bauhauses über mehrere Jahrzehnte weitergeführt werden. 2004 schloss die insolvent gewordene PAUSA allerdings ihre Produktion. Die denkmalgeschützten Gebäude (Industriedenkmal von besonderer Bedeutung) wurden von der Stadt Mössingen aufgekauft. In der 1950/51 erbauten und 2011 denkmalgerecht sanierten Tonnenhalle, dem ehemaligen Druckereigebäude wurde die Stadtbücherei eingerichtet, gleichfalls zogen der Regionalverband Neckar-Alb und die Diakonie Sozialstation ein. In einem Raum finden Wechselausstellungen zum Thema PAUSA statt. Im ehemaligen Kantinengebäude wurde das Café PAUSA eingerichtet. Daneben findet sich ein Informationszentrum für Schwäbische Streuobstwiesen. Die Stadt Mössingen übernahm nicht nur die Gebäude, sondern auch alle Inhalte und damit die wertvollen PAUSA-Sammlungen, die aus rund 86.000 Stoffmustern, 13.500 gezeichneten Muster-Entwürfen, 735 Musterbüchern und etlichem mehr bestehen. Diese Sammlungen wurden bereits seit den 1930er-Jahren angelegt. Mit Unterstützung verschiedener Förderer konnte seit 2009 die Konservierung und Inventarisierung der Sammlungen vorgenommen werden. In einer Datenbank werden sämtliche Objekte erfasst.   

    
    
  
 
Fotos            
 
Hinweis: Foto des PAUSA-Geländes in hoher Auflösung: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pausa-Gelände_Mössingen.jpg  in der Seite https://de.wikipedia.org/wiki/Mössingen  sowie weitere Fotos unter https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Neue_Pausa?uselang=de 
Fotos der Gründer Artur und Felix Löwenstein siehe http://www.initiative-loewensteinverein.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=3&Itemid=15 

     
 Firma Pausa in Mössingen -
historische Aufnahme (vor 1960) 
(Quelle: Stadtarchiv Mössingen)
   

    
   
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

2007: Gründung des Löwenstein-Forschungsvereins und 2009 Einladung an Nachkommen der Löwenstein-Brüder 
2007 gründeten Bürgerinnen und Bürger Mössingens den "Löwenstein-Forschungsverein" und begannen mit der Erforschung des Lebenswerks der Brüder.
Im Juli 2009 kamen erstmals Nachkommen von Arthur und Felix Löwenstein zu Besuch nach Mössingen (vor allem Doris Angel, Tochter von Felix Löwenstein und Harold Livingston, Sohn von Artur Löwenstein, dazu auch die Tochter von Harold: Jacqui Cowley; Ronnie Jacob, ein Sohn von Lilo Löwenstein und damit ein Enkel von Artur Löwenstein; Ann Angel, Tochter von Doris Angel und Tony Paxton, Mann von Ann Angel). Weiteres in der Website http://www.initiative-loewensteinverein.de
In Mössingen wurde der "Löwenstein-Platz" eingeweiht.
 
November 2017: Zehn Jahre Löwenstein-Forschungsverein mit Vortrag über die Löwenstein'sche Pausa in Mössingen          
Mitteilung des Stuttgarter Lehrhauses für interreligiösen Dialog vom 5. November 2017: " Einladung zur Jubiläumsveranstaltung des Löwenstein-Forschungsvereins e.V. am Freitag 10. November 2017 um 19.30 Uhr - Zehn Jahre Löwenstein-Forschungsverein – Blick zurück und Blick nach vorn
Auf dem Weg zur Gründung der 'Forschungs- und Archivstelle Artur und Felix Löwenstein'. Zu einer Jubiläumsveranstaltung anlässlich seines zehnjährigen Bestehens lädt der Löwenstein-Forschungsverein e.V. Interessierte und Freunde sowie Bürgerinnen und Bürger ein. Am Freitag den 10. November 2017 beginnt um 19.30 Uhr im Veranstaltungsraum der Kulturscheune in der Brunnenstraße der Abend. Zur Begrüßung ergreift Oberbürgermeister Michael Bulander das Wort. Den Festvortrag hält Karl-Hermann Blickle, Vorsitzender der Stiftung Stuttgarter Lehrhaus für Interreligiösen Dialog. Sein Vortragstitel lautet: 'Die Löwenstein'sche Pausa in Mössingen als Teil der Tradition jüdischer Textilunternehmer in Württemberg und Hohenzollern und deren bleibender, überregionaler Beitrag zur Förderung von Kultur und Kunst.'  Irene Scherer, Vorsitzende des Vereins, würdigt die Leistungen und Erfolge der letzten Jahre. Künstlerisch begleitet der Tübinger Ernst-Bloch-Chor den Blick zurück und den Blick nach vorn auf das kommende Doppeljubiläum in 2019: 100 Jahre Pausa – 100 Jahre Bauhaus. Welf Schröter stellt an diesem Abend die Überlegungen des Vereins zur Gründung einer 'Forschungs- und Archivstelle Artur und Felix Löwenstein' vor, die im Jahr 2019 ihre Tätigkeit aufnehmen soll.  Veranstaltungsort:  Kulturscheune Mössingen   Brunnenstraße 3/1   72116 Mössingen".
 
2019/20: Jubiläumsprogramm: 100 Jahre Pausa - 100 Jahre Bauhaus  und weitere Veranstaltungen in 2020/21 
nach den Informationen auf der Seite https://www.moessingen.de/de/Freizeit-Tourismus/Sehen-Erleben/100-Jahre-Pausa-100-Jahre-Bauhaus 
2019 wurde ein abwechslungsreiches Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen (Ausstellung, Theater, Musikaufführungen, Vorträgen und Führungen" anlässlich "100 Jahre Pausa - 100 Jahre Bauhaus" in Mössingen durchgeführt. In Kooperation mit zahlreichen Partnern hatte die Stadt Mössingen über 60 Veranstaltungen konzipiert, die Sehens- und Wissenswertes zur ehemaligen Mössinger Textildruckerei Pausa und deren Beziehungen zum Bauhaus beinhalteten. Mehr als 11.000 Besucherinnen und Besucher waren zu den verschiedenen Veranstaltungen gekommen. Die Stadt Mössingen erhielt durchweg positive, oft geradezu begeisterte Rückmeldungen zu dem vielseitigen Veranstaltungsprogramm. Das Ziel, mit dem Jubiläumsfestival eine breite Aufmerksamkeit für die Chancen und Möglichkeiten des Pausa-Areals zu bekommen, wurde klar erreicht. Vom Publikum wurde dabei nicht verkannt, dass mit der künftigen Entwicklung des außergewöhnlichen und inspirierenden Areals auch große Herausforderungen verbunden sind.
Im Jahr 2020 lädt die Stadt Mössingen erst wieder im Herbst zu einer Ausstellung im Obergeschoss der Pausa-Tonnenhalle ein. Die für Frühjahr/Sommer geplante Ausstellung "Lebenslinien" mit Werken des Mössinger Künstlers und früheren Pausa-Designers Andreas Felger wurde aufgrund der Corona-Beschränkungen auf Ende April 2021 verschoben. Am Sonntag, 27. September 2020 um 11 Uhr wird die Ausstellung "Pausa-Stoffe der 1950er-Jahre. Inspirationen für heute und morgen" eröffnet. In Kooperation mit der Schule für Gestaltung Basel und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg zeigt die Stadt Mössingen in dieser Ausstellung neue Arbeiten, die die Studierenden auf der Basis von Pausa-Entwürfen aus den 1950er-Jahren entwickelt haben. Das Projekt wird dankenswerterweise von der Wüstenrot-Stiftung gefördert. Die Ausstellung läuft bis 17. Januar 2021. Die Konservierung und Restaurierung der umfangreichen Pausa-Sammlungen läuft auch im Jahr 2020 mit mehreren Projekten weiter. Gefördert vom Landesamt für Denkmalpflege und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz werden zahlreiche Stoffmuster, großformatige Drucke von HAP Grieshaber und anderes behutsam restauriert, um dann fachgerecht gelagert zu werden. Ein weiteres Projekt, das von der Stiftung Kulturgut gefördert wird, widmet sich dem Archivieren des umfangreichen Schriftguts, das die Firma Pausa hinterlassen hat. Die Sammlungen der Pausa umfassen mehr als 86.000 Stoffmuster, über 13.000 Papierentwürfe, 735 Musterbücher und vieles mehr. Teile dieser Sammlungsbestände werden in den wechselnden Ausstellungen in der Pausa-Tonnenhalle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht."  

    
    

     
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Stadt Mössingen 
bulletWebsite Löwenstein-Forschungsverein Mössingen e.V. http://www.initiative-loewensteinverein.de/
bulletWikipedia-Artikel   https://de.wikipedia.org/wiki/Pausa_(Unternehmen)  
bulletSeite "Das Industriedenkmal Pausa": https://www.moessingen.de/de/Stadt-Buerger/Unser-Moessingen/Industriedenkmal-Pausa     
bulletIn der Website "100 Jahre Bauhaus" Seite zu Mössingen:  https://www.bauhaus100.de/programm/veranstaltungsdetails/481/  
bulletWebsite "Kulturstiftung des Bundes" zu Mössingen https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/bild_und_raum/detail/100_jahre_pausa_100_jahre_bauhaus.html  
bulletWebsite der Denkmalpflege Baden-Württemberg" https://www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/projekte/bau-und-kunstdenkmalpflege/inventarisation/inventarisation-und-konservierung-der-sammlungen-der-textildruckfirma-pausa-moessingen/ 
bulletWebsite Welterbe-heute  http://www.welterbe-heute.de/pausa.html 
bulletSeite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz  https://www.denkmalschutz.de/presse/archiv/artikel/dsd-foerdert-ehemalige-textildruckerei-im-moessinger-pausa-quartier.html 

Literatur:  

bulletVgl. die Angaben im Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Pausa_(Unternehmen)  und in der Seite  http://www.initiative-loewensteinverein.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=9&Itemid=21 
bulletIrene Scherer / Klaus Ferstl / Welf Schröter (Hg.) im Namen des Löwenstein-Forschungsvereins Mössingen: Artur und Felix Löwenstein. Eine Würdigung der beiden Gründer der Mössinger Paula. Erschien 2013.  Informationen siehe http://www.initiative-loewensteinverein.de/downloads/Flyer%20Subskription%20L%C3%B6wensteinbuch%202013.pdf

     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. April 2020