Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

 
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
zur Übersicht "Synagogen im Landkreis Alzey-Worms und Stadtkreis Worms     
  
Weitere Textseiten zur jüdischen Geschichte in Worms  
Texte aus dem 19./20. Jahrhundert zur mittelalterlichen und neuzeitlichen jüdischen Geschichte in Worms 
Texte zu den Rabbinern und Lehrern der jüdischen Gemeinde vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben im 19,/20. Jahrhundert  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert  
Zum alten jüdischen Friedhof in Worms ("Heiliger Sand")  
Zum neuen jüdischen Friedhof in Worms-Hochheim     
 
               

Worms (Stadtkreis Worms, Rheinland-Pfalz) 
Judengasse mit Synagoge, Raschi-Haus, Mikwe
   

   
Übersicht:  

bulletFotos  
bulletBeiträge zu den jüdischen Altertümern und zur Synagoge und dem gottesdienstlichen Leben in Worms in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
bulletLinks 

     
Fotos   

Die Wormser Synagoge 2009/2013
(Fotos in höherer Auflösung von Michael Ohmsen; diese und weitere Fotos siehe Fotoseiten von M. Ohmsen zu Worms

Worms Synagoge 410.jpg (400833 Byte) Worms Synagoge 99409263.jpg (537137 Byte)
    Außenansichten der Wormser Synagoge 
          
Worms Synagoge 570.jpg (240715 Byte) Worms Synagoge 99409292.jpg (67680 Byte) Worms Synagoge 99409337.jpg (347486 Byte)
Innenansichten: Blick zum Toraschrein   
     
Jüdische Geschichte in Worms  - Fotos von 2005 / 2011 
(
Fotos - wenn nicht anders angegeben - Hahn, Aufnahmedatum 2.-4.8.2005; Fotos mit *) von Klara Strompf, Aufnahmen vom 2.12.2011)      
Worms Judengasse 012.jpg (35172 Byte) Worms Judengasse 011.jpg (59182 Byte) * Worms Judengasse 010.jpg (48382 Byte)
Die "Judengasse" in Worms
 
Worms Synagoge a022.jpg (64624 Byte) Worms Synagoge a024.jpg (52594 Byte) Worms Synagoge a026.jpg (66693 Byte)
 Straßenschild 
"Synagogenplatz"
Synagogenplatz mit Synagoge  
(Fahnen zum "Raschi-Jahr" 2005
Eingang zur 
(Männer-)Synagoge
     
Worms Synagoge a020.jpg (79582 Byte) Worms Synagoge a025.jpg (56873 Byte) Worms Synagoge a023.jpg (69233 Byte)
Hinweistafel zur Geschichte des Hauses  Aufnahmen von Süden / Südwesten mit dem Anbau der "Raschi-Kapelle" 
    
    Worms Synagoge a019.jpg (83348 Byte) Worms Synagoge a021.jpg (62958 Byte)
  Historische Inschriften 
   
Worms Synagoge a017.jpg (45887 Byte) Worms Synagoge a011.jpg (35991 Byte) Worms Synagoge a016.jpg (38887 Byte)
Im Betsaal der Männer  Blick in den Betsaal der Frauen  Blick zum Toraschrein (Aron HaKodesch) 
     
Worms Synagoge a010.jpg (35906 Byte) Worms Synagoge a014.jpg (46401 Byte) Worms Synagoge a015.jpg (44211 Byte)
  Vorlesepult und Toraschrein  Vorlesepult (Bima) 
     
  * Worms Synagoge a013.jpg (48120 Byte) Worms Synagoge a012.jpg (24842 Byte)
  Chanukkaleuchter rechts
vor dem Toraschrein
Gedenktafeln mit den Namen der in 
der Shoa ermordeten Wormser Juden
Gedenklicht für die 
Opfer der Shoa
     
 Raschi-Kapelle Worms Mikwe 010.jpg (49102 Byte) * Worms Raschikapelle 010.jpg (38602 Byte)
  Eingang zur "Raschi-Kapelle" "Raschi-Kapelle" mit "Raschi-Stuhl"
     
Worms Raschihaus 010.jpg (61218 Byte) * Worms Raschihaus 011.jpg (54719 Byte) Worms Raschihaus 012.jpg (46826 Byte)
Das Raschi-Haus Torarolle und andere Judaica im Ausstellungsbereich des Raschi-Hauses
   
  *  * Worms Raschikapelle 011.jpg (70341 Byte) Worms Raschihaus 013.jpg (83319 Byte)
  Installationen im Museumsbereich, links jüdische Familie, rechts die Wormser Synagoge   Raschi-Statue von Wolf Spitzer aus Speyer mit Hinweistafel
   
Worms Mikwe 012.jpg (83209 Byte) Worms Mikwe 011.jpg (50455 Byte) Worms Mikwe 013.jpg (50580 Byte)
Abgang zur Mikwe    Tauchbecken
     
  Worms Dom 011.jpg (52867 Byte) Worms Dom 010.jpg (46769 Byte)
  "Geschichtsfenster" im Dom zur Erinnerung an Pogrome und Judenverfolgungen
     

  

Die Levy'sche Synagoge - 
erbaut 1875 in der Judengasse  
(Karte: Sammlung Hahn, 
Foto: Hahn) 
Worms Synagoge n810.jpg (85670 Byte)  Worms Synagoge a018.jpg (54436 Byte)
    Die Levy'sche Synagoge ("Neue Synagoge")
 auf einer historischen Ansichtskarte 
(Die Karte in hoher Auflösung)
Blick von der alten Synagoge zu einem 
an der Stelle der Levy'schen Synagoge
 erstellten Neubau.
      
 Erinnerung am Standort 
der Synagoge
Worms Synagoge 100.jpg (57690 Byte) Worms Synagoge 101.jpg (40772 Byte)
  Gedenktafeln für die Levy'sche Synagoge
 
     

Historische Ansichtskarten zum jüdischen Worms 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  

 
  Worms Dok 14025.jpg (240011 Byte) Worms Dok 14020.jpg (368395 Byte) Worms Dok 14024.jpg (229045 Byte)
 Das Raschi-Tor (Ansichtskarte 
aus den Jahren 1915-1925) 
Die "Alte Synagoge" in Worms 
(Ansichtskarte um 1970)   
 Rabbi Juda Chassids Mauer an der Synagoge
 (Ansichtskarte aus der Zeit um 1900) 
 Kunstverlag Leitermann & Jäger, Mainz   Photo-Betrieb Curt Füller, Worms  Postkartenverlag Christian Herbst, Worms
     
Worms Dok 14023.jpg (201124 Byte) Worms Dok 14022.jpg (195317 Byte) Worms Dok 14027.jpg (291553 Byte)
 Eingang zur Synagoge in Worms um 1850
 (Ansichtskarte aus der Zeit um 1935) 
 Innenansicht der Synagoge 
(Ansichtskarte von 1921) 
Kol nidre in der 
Synagoge in Worms 
Verlag: Jüdisches Museum Worms  Postkartenverlag Christian Herbst, Worms  Foto: Stadtarchiv Worms  
     
 Die brennende Synagoge am 10. November 1938
(Foto: Stadtarchiv Worms)
   
     
     
Worms Dok 14026.jpg (306960 Byte) Worms Dok 14021.jpg (184911 Byte)    
 Darstellung im Museum des 
Raschi-Hauses: Sederabend 
(Modell von H.W. Herbert) 
 Verlag Gebr. Metz, Tübingen 
   
 Der Siegfriedbrunnen in Worms; Im Hintergrund bzw. rechts auf Ausschnitt die 
Buch-, Kunst-, Musikalien- und Piano Handlung  von Julius Stern; 
die Karte wurde versandt am 5. Juli 1930 nach Obermenzing bei München.
vgl. Links http://www.wormserjuden.de/Biographien/Stern-IV.html 
http://adressbuecher.genealogy.net/entry/show/3232576   

     
     
     
Beiträge zu den jüdischen Altertümern, insbesondere zur Synagoge und dem gottesdienstlichem Leben in Worms in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts   
Ohne Beiträge zur Geschichte des alten Friedhofes, siehe Seite zum Friedhof
Die meisten der nachstehenden Texte konnten noch nicht abgeschrieben werden; sie können jedoch nur Anklicken der Textabbildung gelesen werden.  
       
Die Sage von Rabbi Juda Chasids Mauer bei der Synagoge in Worms - in Gedichtform (von 1843)  
Anmerkung: Rabbi Juda Chassid = Jehuda ben Samuel he-Chasid (geb. 1140-50 in Speyer, gest. 1217 in Regensburg) war einer der bedeutendes Vertreter einer Bewegung des hochmittelalterlichen Judentums, die als Reaktion auf die Judenverfolgungen der Zeit der Kreuzzüge ab 1096 der streng rationalen Gelehrsamkeit eine mystisch-spirituelle Frömmigkeit, Askese und Märtyrerverehrung entgegensetzten. Siehe Wikipedia-Artikel "Juda ben Samuel".     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Dezember 1843: 
"Rabbi Juda Chasid's Mauer zu Worms. (Eine jüdische Sage von A. Trendlau). 
*) Nach Maase Nissim No. 8. - Mit einiger Veränderung auch Schalsch. Hakk. S. 42. - Der Rabbi starb 1217 zu Regensburg. - Aus einer noch ungedruckten zweiten Sammlung jüdischer Sagen und Legenden. 

Hin zur Frauen-Synagoge,   Die zu Worms am Rhein, 
Führt ein Gässchen, ihr zur Linken, Dunkel schmal und klein.  
  
Hier verweilt dein Führer, deutet   Auf die Mauer dran, 
'Rabbi Juda Chasid's Mauer!' Sagt der alte Mann. 
  
Eine Blende ist es aber,   Was dein Aug' erblickt, 
Wie von einem Menschenkörper,   Rückwärts eingedrückt.  

Und befragt dein Blick den Alten,  Was dies heißen soll?  
So beginn er, aufwärtsschauend,  Leis' und wehmutsvoll:  

'Dies ist auch noch so ein Denkmal,  Aus der düstern Zeit, 
Wo zum Bösen und der Gegner  Allzeit war bereit.'  

'Aber auch ein herrlich Zeichen   Von der Macht des Herrn! 
Unsrer Zeit, acht, ohne Glauben,  Bleibt das Wunder fern-' -          
Worms AZJ 11121843a.jpg (77244 Byte) 'Auf dem Weg zur Synagoge  Ging einst hier ein Weib,  
Die den besten Gottessegen Barg im Mutterleib.'  

'Plötzlich kommt ein Mensch gefahren, Lenkt ins Gässchen ein; 
Nein ein Mensch nicht, nur ein Dämon Kann's gewesen sein.'   

'Wütend treibt er seine Pferde Auf das Weib hinan,  
Wo im Nu ein Doppelleben Er zerdrücken kann.'  

'Totenblass drängt sich die Arme  An den kalten Stein;  
Schließt, abwehrend, ihre Hoffnung Mit den Händen ein.'   
 
'Schon ist ihr der Wüt'rich nahe, Hört sie seinen Spott;  
Und empfiehlt in Todesängsten  Leib und Seele Gott.'  

'Sieh, da weicht zurück die Mauer, Gibt ihr gnädig Schutz, 
Und der Stein erbarmt sich ihrer  Menschenwut zum Trutz.'  

'Und vorüber rollt's verderben  Rühret sie nicht an; 
Denn sie barg im Mutterschoße  Einen großen Mann.'  

'Wohl war Rabbi Juda Chasid  Solchen Wunders wert, 
Und die Mauer trägt den Namen, Den die Welt verehrt.'" 

  
Ein deutscher Gottesdienst wird eingeführt (1847)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. April 1847: "Worms, 18 März (1847). Der Prediger A. Adler hat veranstaltet, dass von Ostern ab Sonntag Nachmittag ein deutscher Gottesdienst stattfinde."         

   
Gedicht zum Versöhnungstag in der Synagoge Worms (1845)   

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 9. September 1845: 
"Die Toten von Worms.  
In der alten Synagoge glänzt der Kerzen heller Schein, 
Wirft sein Licht, das glanzerfüllte, auf der Beter ernste Reih'n;  
Weiß die Farbe der Versöhnung, weiß die Farbe des Gewandes, 
Also schwingt sich ihre Seele in das Reich des Gotteslandes.  

Tiefe Stille, leises Schluchzen bietet der Versöhnungstag. 
Und in manch verstocktem Herzen wird die bittre Reue wach; 
Nicht bloß von der Kerzen Scheine sieht man jedes Aug' entflammt, 
Nein! die Nähe ist's des Gottes, der versöhnet und verdammt!   

Und es tönt im Liede also: Herr, du mögest dich erbarmen, 
Mögest rette deine Kinder mit der Adlers Fittichsarmen, 
Mögest froh und frei vermehren deines Volkes heil'gen Samen, 
Und so sprechet darauf Alle ein vernehmbar lautes: Amen!   

Amen, tönt's - doch welch ein Summen, welch ein wunderlich Gebrause, 
Wogt und wallet auf und nieder in dem alten Gotteshause, 
Keiner regt sich, und verhüllet sich die Häupter mit den Fäden, 
Die von unserem Gottesbunde, Stumm und doch so deutlich reden.  
  
Immer enger wird's den Betern, immer wächset das Gedränge, 
Und es staunet Jeder zagend ob des Gotteshauses Enge, 
Und es tönt im Liede weiter: Herr vom Leben und vom Sterben, 
Lass am Tage des Gerichts uns der Väter Tugend erben!  

Blick herab mit deiner Gnade auf das Herz, das schuldbefleckte, 
Das von eitlem Wahn befangen, sich mit Schmach der Sünd' bedeckte.   
Allerbarmer! Allerhalter! lass für unsre schweren Sünden, 
Uns, dein Volk, das lang geliebte, endlich doch Versöhnung finden.   

Da noch einmal tönt es Amen! - aber welch ein Donnerrufen. 
Gleich dem Lied der Engelsscharen an des Gottesthrones Stufen. 
Gleich dem schweren Ruf an jene, die das Urgesetz gebrochen,
 Also ward das Amen, Amen, von der Menge jetzt gesprochen.   

Sieh! es fallen hier die Hüllen - und ein Schädel taucht empor, 
Hier ein andrer - und es klappert der Gerippe grauser Chor!  
Ja! aus ihren Gräbern stiegen sie, die lange schon verweset, 
Deren Geist seit langen Zeiten schon vom Fleische ward erlöset.
 
Allen graust es, doch der Rabbi, er der fromme Knecht des Herrn, 
Bleibet ruhig - seiner Seele ist die Furcht vor Geistern fern, 
Und er ruft mit lauter Stimme: 'Seid ihr von dem Herrn entboten?' 
'Ja wir sind es', tönet dumpf es in dem weiten Reich der Toten. 

'Nun so geht in Gottes Namen'! - Welch Geschwirre, welche Gebrause. 
Bald ist wieder luft'ge Weite in dem alten Gotteshause, 
Denn der Abgeschiedenen Körper sind zur selben Zeit verschwunden 
Und sie haben ihre Ruhe in des Grabes Schoß gefunden. 

Also hat es sich begeben einst zu Worms, dem alten, freien. 
Also haben sich vereinet die zwei feindlichen Parteien. 
Tote haben mit Lebend'gen dort gefleht zum Himmelsheere. 
Aus dem Grabe drang ein Rufen: 'Gebet Gott allein die Ehre!'.              Zacharias."           

 
Das Komitee zur Renovierung jüdischer Altertümer nimmt seine Aktivitäten auf (1853)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. August 1853: "Worms, im Juli (1853). Es hat sich hier ein Komitee zur Renovierung jüdischer Altertümer gebildet und hat zu diesem Behufe einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden Deutschlands und der angrenzenden Länder erlassen. Das Komitee besteht aus den Herren: J. Bamberger, Rabbiner und Vorsitzender, Dr. Heichelheim, Stellvertreter; S. Raß, Kontrolleur; N. Frank, Sekretär und aus den beisitzenden Mitgliedern Dr. Lewysohn, Prediger; M. Cahn; M. Mannheimer und M. Edinger. - Der Aufruf ist begleitet von einer Zuschrift an die resp. Vorsänge und einem offenen Briefe der hiesigen beiden Geistlichen an die Herren Rabbiner und Prediger der resp. Gemeinden. Es mag dem Korrespondenten gestattet sein auch hier einige Worte über den angeregten Zweck zu äußern.  
Worms ist die älteste Gemeinde in Deutschland; die in verschiedenen Monographien der hiesigen Stadt niedergelegten historischen Data setzen die Existenz der hiesigen Gemeinde in das vorschriftliche Zeitalter und ist hierorts auch ein Leuchenstein im Stadthause eingemauert, dessen Aufsicht ein Alter von 16 Hundert Jahren bekundet. Außer den Gräbern vieler Märtyrer und Heroen der jüdischen Literatur, von welchen im gedachten Aufruf Einige namentlich erwähnt sind, sind die Raschi-Monumente besonders berühmt. Es existiert noch die Kapelle und der in derselben eingemauerte Stuhl, welcher jener allbekannte und berühmte Gelehrte eingenommen; auch ist noch das Haus (Klause) vorhanden, in welchem die Jeschiba, deren Lehrer Raschi war, gewesen ist. Alle diese und ähnliche zahlreiche Monumente haben dem nagenden Zahn der Zeit nicht widerstehen können; es sollen daher dieselben auf eine einfache, aber würdige Weise wieder hergestellt werden. Worms ist für die Besucher der herrlichen Rheinlande wegen seiner historischen Erinnerungen ein mächtiger Anziehungspunkt, und jeder Wissbegierige durchreist nicht Worms ohne die ehrwürdige Synagoge und die angrenzenden Altertümer zu besuchen; es vergeht keine Woche, wo nciht Geistliche und Laien verschiedener Konfession dieselben angelegentlich betrachten und bewundern: es ist daher eine moralische Verpflichtung des Judentums Einiges für die Erhaltung der gedachten Altertümer zu tun. Wir rechnen umso mehr auf die Teilnahme unserer deutschen Glaubensbrüder, da uns schon von außerhalb der deutschen Grenze mannigfache Teilnahme und Ermunterung zugekommen sind. Wir fügen dieser Mitteilung noch hinzu, dass ein Gedenkbuch in der Raschikapelle niedergelegt wird, in welches die Namen sämtlicher Gebet - ohne Unterschiede des Betrages - eingezeichnet werden und dass alljährlich ein öffentlicher Gottesdienst zum Andenken an die Geber abgehalten werden soll. Soll das         
Worms AZJ 15081853b.jpg (265251 Byte)Judentum anderen Konfessionen nicht nachstehen, die zur Erhaltung ihrer Altertümer das Möglichste tun, so ist der Wunsch gewiss gerechtfertigt, dass ein Jeder mit Wort und Tat den löblichen Zweck unterstützt!  
Der betreffende 'Aufruf' lautet folgendermaßen. 
Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass kein Volk der Erde das Andenken an seine Verstorbenen mehr ehrt, als Israel. So wie der sterbende Israelit schon Gegenstand der frömmsten Aufmerksamkeit und von Freundeshand in die Ewigkeit geleitet wird, so bleibt sein Andenken den Seinen auf ewige Zeiten heilig und wird, durch Handlungen der Pietät fortgepflanzt, gleichsam der schützende Genius der Familie.  
Männer aber, welche die Väter, d.h. die geistigen Erzieher für ganz Israel waren, verdienen diese Pietät im höchsten Grade. Alle Völker ehren ihre großen Männer durch Monumente, sie glauben, und mit vollem Rechte, sich selbst damit zu ehren. 
Wenn wir nun auch nach dem Ausspreche des jerusalemischen Talmuds ... prunkende Monumente nicht setzen sollen, so ist es aber doch gewiss im höchsten Grade Pflicht und Schuldigkeit, schon bestehende Denkmäler dem Verfall zu entreißen, und was die Vergangenheit uns an solchen überlieferte, der Nachwelt zu erhalten.  
Worms, die älteste israelitische Gemeinde in Deutschland, birgt eine große Menge solcher Denkmäler der Vorzeit. So steht noch heute die Synagoge von Raschi (die Klause) und dessen Lehrhaus (Raschi-Stuhl). 
Auf dem Friedhof befindet sich eine große Zahl von Leichensteinen berühmter Männer, welche hier gelebt und gelehrt haben, und teilweise als Märtyrer für den Glauben gestorben sind, unter denen die von ... Maharam von Rothenburg, Eliahu Baal Schem (Elia ben Moses Lonas), Maharil (Jakob ben Moses halevi) und noch zahlreiche Große... Rothschild, genannt Mendel Aschkenasi sind, welche ewig ehrwürdige Denkmäler unstreitbar dem Verfalle anheim gegeben sind, wenn dem nicht, wenn dem nicht in aller Kürze begegnet wird. 
Wir erlauben uns daher, uns mit einem Aufrufe an ganz Israel zu wenden und alle Gemeinden und Individuen aufzufordern, zur Erhaltung derselben beizutragen. 
Unsere Gemeinde würde sich dieser Pflicht allein unterziehen; aber einerseits machen es ihr, schwere, auf ihr noch heute ruhende, aus der Vorzeit herrührende Lasten unmöglich, die dadurch entstehenden bedeutenden Kosten allein zu bestreiten, andererseits sind jene leuchtenden Lehrer und ihr Andenken Gemeingut von ganz Israel, und wir sind es der Gesamtheit schuldig, Keinen, nah oder entfernt, reich oder arm - der Beitrag sei groß oder klein - von der Beteiligung an dem alle ehrenden Werke auszuschließen.   
Es sollen also durch diese Beiträge jene Grabmäler auf dem hiesigen Friedhofe hergerichtet und Raschi's Lehrstuhl und Synagoge renoviert werden. 
Da diese Synagoge sich in einem alten, ebenfalls mit Verfalle drohenden Gebäude befindet, und dieses nur unter der ausdrücklichen Bedingung überlassen worden ist, dass die Synagoge von Raschi darin erhalten, das Gebäude selbst aber einem frommen, wohltätigen Zwecke geweiht bleibe, so soll das Letztere zugleich würdig hergestellt werden; der etwaige Überschuss der freiwilligen Beiträge aber soll zu einem der Idee und der Verehrung von Raschi entsprechenden Zwecke allgemeiner Wohltätigkeit oder Verbreitung jüdischer Gelehrsamkeit verwendet werden.  
Die näheren Bestimmungen hierüber sollen hiernächst nach einer Beratung mit einem Ausschusse der auswärtigen Förderer dieser Angelegenheit getroffen werden. Die Namen aller Geber werden in ein zu dem Ende hinterlegtes Gedenkbuch eingetragen, und alljährlich soll in Raschis Synagoge zum Andenken an die Geber ein feierlicher Gottesdienst abgehalten werden. 
Überzeugt, dass mit diesem frommen Unternehmen dem Wunsche aller unserer Glaubensgenossen begegnet wird, haben die Unterzeichneten keinen Anstand genommen, sich zu einem Komitee zu bilden, das bereit ist, die eingehenden Beiträge entgegen zu nehmen, und seinerzeit pünktliche Rechnung über deren Verwendung abzulegen. 
Möge an dem zu verewigenden Andenken jener großen Männer der Glaube und die Zuversicht Israels erstarken und jene Verheißung sch verwirklichen. -  
'Wer Mildtätigkeit zu üben und stets Liebe zu erreichen strebt, der findet Leben, Glück und Ehre.' Worms, im Juli 1853."       

 
Weitere Spenden sind eingegangen - mit der Renovierung der Raschi-Kapelle wurde begonnen (1855)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. August 1855: "Worms, im Juli (1855). Zur Renovation der hiesigen Altertümer ging an Beiträger ferner ein: Von Herrn R. N. in Cammin 65 Thaler (wovon 64 Thlr. 5 Sgr. für die Grabsteine und 25 Sgr. für die übrigen Altertümer bestimmt sind), und von Herrn Dr. Beer in Dresden 3 Thlr. Hierzu laut Nr. 23 dieses Blattes 2118 Fl. 55 Kr., zusammen 68 Thlr. und 2119 Fl. 55 Kr.; Summa 2237 Fl. 55 Kr. - Der erste Spatenstich zur Renovation der Raschi-Kapelle geschah am 12. dieses Monats und hoffen wir, dass dieselbe bis 25. - es möge uns zum Guten gereichen - renoviert sein wird; wir werden alsdann nicht verabsäumen, eine detaillierte Rechnung in diesen Blättern zu geben. 
Das Komitee zur Renovation der hiesigen Altertümer."          

 
Spende aus London für die Renovierung der Raschikapelle (1855)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1855:  "Worms, im September (1855). ... Kurz vor Vollendung der Raschikapelle, der man in spätestens drei Wochen entgegensieht, erhielt das Komitee noch fünf Pfd. Sterling aus London..."          

 
Auseinandersetzungen um die Fragen der Reform des Gottesdienstes (1861)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1861: "Worms. Dem alten Gottesdienste unserer hiesigen Gemeinde droht der Sturm der Reform. 
Unsere Gebete, die, geschöpft aus der Fülle des göttlichen Wortes, gegründet auf die Lehren unserer Weisen, und fast in ganz Israel angenommen und heilig gehalten, sollen nun nach neuester Facon teil abgeändert, teils ausgelassen und Neues wieder hinzugefügt werden, und zwar nach dem Muster der Mannheimer, Frankfurter, Breslauer und Koblenzer Synagogen.   
Die ewigen Wahrheiten des Judentums, in Verbindung mit den eigenen Worten der heiligen Schrift in edler Einfalt und kraftvoller Kürze vortragend, begründeten und beförderten diese Gebete, die Einigkeit des Glaubens, und waren das schöne, engverknüpfende Band aller jüdischen Gemeinden.   
Über jeden Wechsel der Zeit erhaben, sind diese herrlichen Gebete auch jetzt noch eben so erbauend, als sie es unsern frommen Vorfahren waren.  
Dessen ungeachtet will die Willkür an diese ehrwürdigen Denkmäler der Vergangenheit Hand anlegen, um dem Zeitgeiste ein Opfer zu bringen. - 
Die Orthodoxie in unserer Gemeinde wird diesem Streben entgegenzutreten wissen.  
Die Synagoge soll und muss in ihrer Lehre und Anordnung, die Gemeinschaft des jüdischen Glaubens auf das Feststehende und Ewige des Judentums gründen; es soll durch die Gleichförmigkeit desselben, nicht allein eine gemeinschaftliche Überzeugung, sondern auch eine heitere Seelenruhe und fromme Zuversicht in den entsprechenden Gedanken erzeugt werden, dass es dieselben Lobpreisungen, Danksagungen, Bitten und Fürbitten sind, welche unsere Vorfahren seit Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden beteten, und die nach uns unsere Kinder - so Gott will - beten werden.  
Von diesen Ansichten geleitet, sind viele Gemeindemitglieder fest entschlossen, sobald man es wagen sollte, eine Reform der Gebete zu bewerkstelligen, die Synagoge zu verlassen und einen Separat-Gottesdienst zu gründen.   
(Also auch an die Wormser Synagoge, dieses altehrwürdige Denkmal jüdischen Geistes, will die sogenannte Reform ihre frevelnde Hand legen, nicht achtend des ehrwürdigen und gelehrten greisen Rabbiners, nicht achtend des Andenkens all jener Geistesheroen, die in dieser Synagoge gelehrt haben! Red.).           

 
Hoher Besuch in der Synagoge (1863)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juli 1863: "Worms, im Juli (1863). Vor einiger Zeit sah unsere Synagoge, die ihres Alters wegen sehr oft von Fremden und weiter Ferne besucht wird, einen sehr hohen Gast in ihren ehrwürdigen Mauern. Seine Königliche Hoheit, unser gnädiger Großherzog, höchst dessen Besuch früher angekündigt war, erschien in Begleitung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig, Schwiegersohn der Königin Victoria von England, und mehrerer anderer Personen, die sich dem Gefolge anschlossen, in unserer Synagoge, und geruhten daselbst, sowie in der damit verbundenen Raschi-Kapelle, einige Zeit zu verweilen. Der Großherzog wurde, an dem vor der Synagoge befindlichen Platz angelangt, von den dort harrenden Vorstandsmitgliedern ehrfurchtsvoll empfangen und in den inneren Vorhof geleitet, wo mehrere Personen versammelt waren, und die Konfirmandinnen, weiß gekleidet, Spalier bildend, sich aufgestellt hatten. Am Eingange der Synagoge standen die Geistlichen und geleiteten den Landesherrn in den inneren Raum des Gotteshauses, wo sie den üblichen Segen sprachen. Einen tiefen Eindruck machen die wenigen, aber gehaltvollen Worte der Begrüßung, welche unser verehrter Geistliche, Herr Dr. Rosenfeld, an Seine Königliche Hoheit richtete und in welchen er in sinniger und edler Weise den Gefühlen der Achtung und Verehrung der israelitischen Gemeinde gegen ihren hochherzigen Landesherrn einen würdigen Ausdruck verlieh. Seine Königliche Hoheit unterhielt sich dann in huldvoller Weise mit den Geistlichen, erbat sich Auskunft über manche Gegenstände, zeichnete höchst Ihren Namen in das in der Rasch-Kapelle befindliche Fremdenbuch und äußerte beim Weggehen dem Vorstande höchst Ihren Dank und Wunsch für das fernere Gedeihen der hiesigen israelitischen Gemeinde; geruhte auch, vom Vorstande eine angemessene Summe zum Synagogenbau überreichen zu lassen. Solche Wohlwollensbezeugungen, welche so sehr die erfreulicheren Lichtpunkte der Zeit darstellen, sind sicherlich nicht zu unterschätzende Momente im Entwicklungsgange des israelitischen Lebens, und hat dieses Ereignis auch nicht verfehlt, in der hiesigen Gemeinde eine freudige Sensation zu erregen, umso mehr, das seit Menschengedenken keines Regenten Fuß unsere an Alter so hervorragende Synagoge je betrat. 
Was die Restauration unserer Synagoge betrifft, so ist das Bedürfnis hierzu nicht allein längst anerkannt, sondern es sind auch von Seiten des Vorstandes umfassende Maßregeln hierzu getroffen, und was die Hauptsache ist, die betreffenden Gelder bereits bewilligt worden. Jedoch sind in letzter Zeit Schwierigkeiten eingetreten, die für den Augenblick den Beginn des Baues verzögern. Hoffen wir jedoch, dass es dem strebsamen Vorstande bald gelingen werde, die Schwierigkeiten zu beseitigen und den beabsichtigten Anbau zu beschleunigen, mit dem ja auch die zweckmäßige Umgestaltung des Gottesdienstes so eng verknüpft ist."        

   
Der proponierte Umbau der Synagoge zu Worms (Teil I, 1863)   

Worms Israelit 19081863a.jpg (420689 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1863: "Der proponierte Umbau der Synagoge zu Worms. Von Dr. A. J. Sulzbach. 
I. Eines der ältesten Denkmäler mittelalterlicher Baukunst ist die Synagoge zu Worms, die mindestens ihre 800 Jahre zählt, vielleicht aber auch noch über dieses Alter hinausgeht. Welche Erinnerungen knüpfen sich nicht an dieses Gebäude, ein ganzes Stück jüdischer Geschichte starrt uns in den Mauern dieses Gotteshauses entgegen: an dieser Stätte litten unsere Eltern und starben den Märtyrertod für das heilige Gesetz; wie oft hallten die weißen Kalkwände dieses Tempels wieder von den Klagen der Müller und Kinder, die sich in der Not hierher geflüchtet hatten, um hier die Seele für Gott auszuhauchen. Aber hier erhoben sich auch unsere Voreltern im Gebet, kräftigten sich und stärkten sich am Worte Gottes; hier feierten sie ihre Sabbate und Feiertage, und Frieden zog ein in ihre Seele und ihr Gemüt, möchte es draußen auch stürmen und tosen; hier erquickten sie sich an der Freude des Herzens und genossen die Wonne einer Seelenruhe, welche ihnen kein Tyrann rauben konnte.   
So steht die alte Synagoge ehrwürdig da, eine Greisin unter den jüngeren Geschlechtern, unberührt vom Wechsel der Ereignisse, fest aufgerichtet trotz welterschütternden Revolutionen, die sie umtosten, trotz zerstörender Feuersgewalt, die um sie umher wütete und vernichtete, und erzählt uns von alten Tagen, wie ihre Söhne noch gebeugt und verachtet durch die Welt gingen, abgezeichnet durch das Zeichen der Schmacht, das der stolze, weltgebietende Römer an ihre Kleidung heftete, wie aber nach und nach die Zeiten anders geworden, wie die Bannstrahlen des Kapitols immer schwächer geworden, wie Throne stürzten, Dynastien zusammenbrachen, und wie endlich von der Abendseite das Licht gekommen; wie durch die Verkündigung der Menschenrechte die Welt aus den Fugen zu gehen drohte, endlich aber nach schwerer Krisis die Menschheit zu gesunden begann, so gesund, dass man bald einzusehen anfing, dass auch der Jude ein Mensch sei. Nun freut sie sich, die alte Greisin, einmal ihre Kinder als freie Menschen zu sehen, als Bürger einer freien Zeit, nicht mehr gebeugt, nicht mehr zu Tode gemartert, und, auf die alte Zeit hinweisend, mahnt sie ihre Kinder zur Frömmigkeit, zur Dankbarkeit gegen Gott, gegen die Menschen, zur Liebe zum Vaterlande, das ihnen jetzt eine friedliche Stätte bereitet, zur treuen Anhänglichkeit an die Regierung, unter deren Obhut sie ruhig wohnen, zur Liebe zu ihren Mitbürgern, mit welchen sie im Verein ihre Pflichten als Staatsbürger erfüllen. - Verstehen aber die Söhne dieser Freiheit die wunderbar ernsten Reden dieser Greisin, fühlen sie sich in ihrem Glücke so glücklich in den Räumen dieses alten Hauses, wie sich ihre Vorfahren glücklich trotz ihres Kummers, trotz der sie von allen Seiten bedrohenden Gefahr hier fühlten? Erkennen sie den Schatz, den sie besitzen, verstehen sie den Wert dieses Denkmals, um welches sie manche andere Stadt beneiden möchte? Nein, die Räume sind ihnen zu eng, zu unbequem, man will - höre und erstaune lieber Leser - mit der alten Synagoge zu Worms einen Umbau vornehmen!    
Dieses alte Gebäude, dem Juden doppelt wert als Monument seiner Geschichte, wert als Bau-Kunstwerk einer alten Zeit, dieses Gebäude mit seinem schönen Spitzbogengewölbe, getragen von Säulen, in deren Kapitellen uns en herrliches Werk alter Skulptur aufbewahrt ist, will man mit neumodischem An- und Umbau verunstalten, - einem Herkules will man die mächtige Keule aus der Hand nehmen und ihm dafür ein Spazierstöckchen mit Elfenbeinknopfe zwischen die riesigen Finger zwängen und dessen Löwenhaut mit einem Frack nach neuestem Schnitt vertauschen.   
In der Gemeinde Worms gibt es zwar nun genug Leute, welche gegen die Verstümmelung der Synagoge sind, sie bleiben aber dem Vorstande gegenüber in der Minorität, weil ein sehr große Teil der Gemeinde zu indifferent ist, um diese Angelegenheit zu einer Lebensfrage zu machen und ohne für den Vorstand zu sein auch nicht gegen denselben ist und somit indirekt zur Schwächung der Opponenten beiträgt. Der Vorstand ist aber durch alle Vernunftgründe von seiner Lieblingsideen, eine Tat zu begehen und sich ein trauriges herostatisches Denkmal in der Geschichte der Juden zu Worms zu setzen, nicht abzubringen; er will um jeden Preis den Beweis liefern, dass er es versteht, noch viel antiker als die alte Synagoge zu sein, indem er sich nciht scheut, einen Vandalismus zu begehen.  
Wenn aber doch, hören wir sagen, der Andrang zu der Synagoge ein so großer ist, dass sie nicht mehr vermag die Menge der Andächtigen zu fassen,  so muss man doch wohl am Ende den scheren Schritt tun, mit der alten Synagoge einen Umbau vorzunehmen?  
Aber das ist's ja eben, die Notwendigkeit, die Räume zu erweitern, ist ja durchaus nicht vorhanden; es hat noch niemand in dieser Synagoge sich über die allzu große Enge zu beklagen gehabt. Ich habe schon öfter die Gelegenheit gehabt, die Wormser Synagoge an Sabbat- und Feiertagen zu besuchen, und wahrlich, noch niemals brauchte ich um einen Platz verlegen sein. Nun soll allerdings nach Einigen an den hohen Feiertagen die Synagoge ziemlich angefüllt sein, sodass für diese drei Tage, aber auch nur für diese drei Tage ein größerer Raum notwendig wäre, was aber - ich muss dieses hier sogleich bemerken - auch noch von Andern bestritten wird, welche meinen, dass man an den hohen Feiertagen auch noch Raum genug in der Synagoge hätte. Doch es sei, gesetzt, an den hohen Feiertagen wäre die Synagoge überfüllt, gibt es aber dieser Rat abzuhelfen kein anderes Mittel als einen Umbau? Diese Frage wollen wir im nächsten Artikel zu beantworten suchen."   

  
Über den "proponierten Umbau der Synagoge zu Worms" (Teil II, 1863)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1863:           
Worms Israelit 09091863b.jpg (180370 Byte)   

   
Der proponierte Umbau des Synagoge zu Worms (Teil II - III, 1863)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1863:         
Worms Israelit 14101863b.jpg (377378 Byte)   

 
Rückblick auf den Streit um die Orgel im Jahr 1863 (Artikel von 1934)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1934:          
Worms Israelit 21061934a.jpg (260205 Byte)    

     
Die alte Synagoge darf unverändert fortbestehen (1863)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1863:  "Worms, den 29. Oktober (1863). Es freut mich, Ihnen die Mitteilung machen zu können, dass unsere alte, ehrwürdige Synagoge weder behuf eines Neubaues niedergerissen, noch durch Umbau oder Anbau verunstaltet werden wird. B."     

   
Werbung für Photographien der Synagoge in Worms (1867)       

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juni 1867: "Im Verlage von Julius Stern in Worms ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: 
Ansicht der Synagoge zu Worms
Photogr. nach der Natur von Holzamer. Gr. 4°  20 Ngr.  
Innere Ansicht. Gr. 4°  10 Ngr.    Raschi-Stuhl (Innere Ansicht). Gr. 4° 10 Ngr.  
Dieselben in Visitenkartenformat  7 Ngr.  
Gleichzeitig begegne den vielen Nachfragen, dass die "Geschichte von Worms" von Fr. Fuchs mit Nächstem erscheinen wird."      

  
In der Synagoge wurde eine kleine Orgel aufgestellt (1868)  
Anmerkung: über die Aufstellung klagt ein orthodoxer Berichterstatter in der konservativ geprägten Zeitung "Der Israelit"    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1868: "Worms, den 15. April (1868). Hier ist ein Attentat gegen jüdische Religion und Sitte geschehen; wer es hören wird, dem werden die Ohren gellen: Unsere altehrwürdige Synagoge ist ihrer Heiligkeit beraubt, die Gräber unserer großen Rabbinen sind entweiht! Meine Feder sträubt sich, es niederzuschreiben: Man hat unfern des Aron Hakodesch (Toraschrein) eine - Orgel en miniature aufgestellt. Was aber das Schlimmste ist - kein Mensch nimmt es sich zu Herzen (Jeremia 12,11) - nur zwei Gemeindeglieder, Herr Moses Mannheimer und Herr Daniel Guggenheim, haben sich veranlasst gefühlt, den seiner Heilighkeit beraubten sogenannten Gottesdienst zu meiden. Was ist aus unserer alten, ehrwürdigen Gemeinde geworden."          

 
Zum "Schmerzensschrei" über die Aufstellung einer Orgel in der Synagoge (1868)  
Anmerkung: der Autor dieses Artikels sieht die Missstände in Worms mehr in der fehlenden religiösen Erziehung der Jugend in der Stadtgemeinde. Er beschreibt demgegenüber als vorbildlich die jüdischen Landgemeinden an der hessischen Bergstraße wie Biblis, Lorsch und Pfungstadt.    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1868:  "Von der hessischen Bergstraße, im Mai (1868). In Nr. 17 dieses Blattes  findet sich ein Schmerzensschrei aus Worms über die Aufstellung einer Orgel en miniature in der dortigen Synagoge. 
Wer sich aber über en großes Übel beklagt, müsste doch selbstverständlich auch von der Quelle oder Ursache desselben etwas sagen, was aber hier nicht geschehen ist. 
Der geschätzte Einsender des besagten Artikels betrachtet es jedenfalls als einen Mangel an streng religiösem Sinne und als Mangel an Pietät gegen die frommen Rabbinen seligen Andenkens, die daselbst gelebt und gewirkt haben, dass in einer solchen Gemeinde diese Neuerung Platz greifen konnte.   
Woher soll aber denn Religiosität kommen, wenn man in einer Gemeinde wie Worms - hier sträubt sich meine Feder, es niederzuschreiben, - wenn in einer Gemeinde wie Worms, sage ich, seit vielen Jahren nicht einmal eine ordentliche Religionsschule besteht, und der ganze jüdische Unterricht sich auf einige etwaige Privatstunden erstreckt und somit jeder Aufsicht entbehrt? Wie und wo soll nun diese edle Pflanze, Religion genannt, gedeihen, wenn kein Boden vorhanden ist, in welchem dieselbe gezogen und gepflegt wird? Ließen sich hier nicht vielleicht mit voller Wahrheit die Worte anwenden : 'Stellet viele Schüler aus, - so machet ihr einen Zaun um das Gesetz!?'       
Wir wollen dem geschätzten Verfasser sein Recht zur Klage gewiss nicht bestreiten; wäre aber der Umstand, dass in einer so alten und großen Gemeinde keine Religionsschule besteht, nicht mindestens eben so beklagenswert? 
Da bieten doch unsere Landgemeinden in dieser Beziehung - Gott sei Dank - ein freundlicheres Bild! Da werden keine Opfer gescheut, um die Pflanzstätten für Glauben und Lehre, d.h. Schule und Gotteshaus zu erhalten. Auch die kleinste jüdische Gemeinde sorgt dafür, dass ihre Kinder, wie man zu sagen pflegt, nicht im Tau (?) gehen.  
Ja, einige dieser Landgemeinden verdienen in dieser Beziehung ganz besonders rühmender Erwähnung. Da ist zum Beispiel die Gemeinde Biblis mit ungefähr 25-30 Familien. Dieselbe hat eine Elementar- und Religionsschule, an welcher zwei Lehrer angestellt sind, die zusammen 15-1600 fl. Gehalt beziehen. Außerdem wird noch die Witwe des daselbst verstorbenen, allgemein geachteten und geliebten Lehrers K. - er ruhe in Frieden - von der Gemeinde aufs Liebevollste unterstützt.  
Überhaupt verdienen viele Gemeinden des Kreises Bensheim und Heppenheim als Muster aufgestellt zu werden, wie in denselben für die drei Grundpfeiler der moralischen Weltordnung, für Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit gewirkt wird. Viele Lehrer dieser verhältnismäßig kleinen Gemeinden beziehen ein jährliches Einkommen von 6-700ß Gulden, sind somit der drückendsten Nahrungssorgen erhoben und können sich mit Liebe und Hingebung ihrem heiligen Berufe widmen.
 Aber auch für die echt jüdische Wohltätigkeit ist hier ein fruchtbares Feld gefunden. Fest in jeder Gemeinde besteht eine Chewra Kadischa, ein Wohltätigkeitsverein. - In Lorsch besteht seit vielen Jahren Brautausstattungsverein für Lorsch und die umliegenden Orte, welche im Ganzen nur etwa 20 Mitglieder zählt, aus welcher aber alle zwei Jahre ein armes Mädchen 600 fl. zur Ausstattung erhält. Ähnliche Vereine bestehen in Biblis und in Pfungstadt.   
Worms Israelit 26051868b.jpg (70904 Byte) Auch bei den kürzlich veranstalteten Sammlungen zu Gunsten unserer hungernden Brüder in Russland und Polen haben die hierländischen Gemeinden ihren Wohltätigkeitssinn in edler Weise bewährt. Bei solchen Veranlassungen steht hier fast immer mit schönem Beispiel ein Mann an der Spitze, von welchem man einst mit Recht und mit der schönsten Bedeutung  wird sagen können: 'ein (echt) jüdischer Mann war er, und sein Name war Mordechai: ...  
Möge dieses schöne Streben der erwähnten Gemeinden immer mit den besten Erfolgen gekrönt werden und manche Stadtgemeinde sich dieselben zum Vorbild nehmen. 
Das Resultat der diesjährigen Prüfung im israelitischen Knaben-Institute zu Pfungstadt war auch in diesem Jahre wieder, wie der Einsender sich zu überzeugen Gelegenheit hatte, sowie nach dem Urteile Aller, die dieser Prüfung beiwohnten, ein sehr glänzendes."    

 
Die Sage von Rabbi Juda Chasids Mauer bei der Synagoge in Worms (Gedicht von Karl Schäfer, erschienen 1881)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1881:  "Der Gang zur Synagoge. 
(Aus: 'Haiderosen'. Gedichte von Karl Schäfer. 2. Auflage. Darmstadt, Hoffmann'sche Buchhandlung. Preis 3 Mark)  

Sabbatmorgen ist es wieder; buntes Drängen und Gewoge  
Wälzt sich laut zu Worms am Rheine hin zur Frauensynagoge. 
Fern von Kanaan's Gefilden feiert heut als fromme Schar 
Still vereint das Volk der Juden andachtsvoll sein neues Jahr-.  

Überfüllt sind schon die Räume, und die hehren Lieder schallen, 
Dass der liebe Gott sie höre durch die hochgewölbten Hallen. 
Sieh', da eilet durch die Straßen, keuchend, mit erhitztem Leib, 
Als die Letzt hin zum Tempel einsam noch ein junges Weib.  

Kummerbleich sind ihre Wangen; doch sie lächelt sonder Schmerzen. 
Denn sie trägt als Himmelsgabe Muttersegen unterm Herzen. 
Ihrem Gott den Dank zu bringen bei der heil'gen Kerzen Schein, 
Biegt sie fröhlich in ein enges, menschenleeres Gässchen ein. 

Als sie hastig weiterschreitet, kömmt entgegen ihr ein Wagen, 
Um die Rosse saust die Peitsche, dass sie schnaubend um sich schlagen. 
Für die Angsterfüllte gibt es kein Entrinnen links und rechts. 
Und sie bleibt erzitternd stehen vor der Wut des Pferdeknechts. 

Flehend hebt sie ihre Hände, doch der Wüt'rich freut ihr Beben, 
Und ihn schreckt nicht, dass vernichten leicht er kann ein Doppelleben. 
In Verzweiflung drückt die Arme rückwärts sich an eine Wand. 
Aufgestiebt vom Huf der Tiere, weht um sie der Straßensand. 

Sturmgleich fährt daher der Wagen, und ihr Herzschlag stockt vor Schauer. 
Schon will sie das Rad erfassen! Sieh', da weicht zurück die Mauer! 
Das Verderben geht vorüber, das die Bosheit angefacht, 
Und mit ihm der Todesengel, folgsam einer höhern Macht.  
  
Bald d'rauf hat zur Zeit des Vollmonds einen Knaben sie geboren, 
Den der Himmel, Segen spendend, Israel zum Heil erkoren. 
Denn er ward in spätern Zeiten als ein großer Mann bekannt  
Und als Rabbi Juda Chasid ruhmvoll in der Welt genannt.  
 
Kommst Du einst nach Worms am Rheine, gehe in die Judengasse, 
Du erblickst dann noch die Spuren in der Mauer fester Masse. 
Nach Jahrhunderten bezeugen sie es deutlich Jedermann, 
Dass sich, wenn der Mensch so lieblos, noch der Stein erbarmen kann."          

  
Über einen Gottesdienst ohne Orgelbegleitung (1886)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1886: "Worms, 3. März 1886. 
Durch einen Zufall konnte am jüngsten Schabbat der Gottesdienst nicht in der sogenannten alten Synagoge abgehalten werden und fand derselbe in der Boy'schen Synagoge statt; da nun im letzten Gotteshause keine Orgel aufgestellt ist, so musste der Chor ohne deren Begleitung singen, und war der Gesang derart feierlich, dass Einsender Dieses gerne sehen würde, wenn die Gesänge für die Zukunft stets ohne Orgelbegleitung vorgetragen würden."            

 
Anbringung eines neuen Gedenksteines an der Synagoge (1891)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1891: "Worms. Heute ist ein neuer Stein an der 'Außenseite der alten Synagoge angebracht worden, mit dessen interessanter Inschrift es folgendes Bewandtnis hat. 
Das Vorstandsmitglied der israelitischen Religionsgemeinde dahier, Herr Julius Goldschmidt, der sich um die Konservierung der Altertümer der israelitischen Gemeinde bisher schon mit vielem Erfolg bemüht hat, erfuhr durch eine Korrespondenz mit dem früheren Rabbiner dahier, Herrn Dr. Levysohn in Stockholm, dass letzterer vor etwa 40 Jahren bei einem Frankfurter Herrn ein sehr altes, wichtiges Manuskript gesehen, welches Elieser, Sohn Samuels zum Verfasser hat und welches hebräische Inschriften der hiesigen Synagoge enthalte, die dieser 1559 kopiert hat. Nach mehrfachen Bemühungen gelang es endlich Herrn Goldschmidt, den jetzigen Inhaber der Inschriften zu entdecken, welcher sie Inschrift gerne dem Vorstand zur Verfügung stellte. Unter schon bekannten Inschriften enthält das Manuskript nicht nur die Inschrift des Steines, welche an der vorderen Fassade der Synagoge über dem Eingange der alten Gemeindestube sich befindet, aber nur noch Spuren der einstigen Inschrift zeigt, sondern auch eine Inschrift, welche oberhalb des schon genannten Steines sich befunden und von deren Vorhandensein man bis jetzt keine Ahnung hatte. Die nun erneuerten Inschriften lauten:   Obere Schrift  ..hebräisch..   
Zu Deutsch: 'Dieses Haus hat zu Ehren Gottes erbaut: Rabbi Meir, der Sohn des Joel aus priesterlichem Geschlechte im Jahre 4973 nach Erschaffung der Welt (1213). Möge seiner von Gott zum Guten gedacht werden und darauf Jeder, der davon hört 'Amen' antworten. Dass dieses Gebäude zum Bethaus für Frauen, die auf Gott und Seine Güte vertrauen erbaut worden, sei mit eisernen Griffel für alle Zeiten hier eingeschrieben.   
Untere Schrift ..hebräisch.. 
Zu Deutsch: 'Eine wohltätige Frau, die gleich einer Königstochter als Gattin in dem Hause des Rabbi Meir aus der Priesterfamilie waltete, die fromme Judith, hat, nachdem ihr Gott das hierzu nötige Vermögfen verliehen, dieses Gotteshaus zu Seiner Ehre erbauten lassen, damit man von hier aus täglich Lob-, Bitt- und Dankgebete zu Gott emporsenden. Dieses edle Werk, durch welches sie wie eine Mutter erscheint, die sich des Glückes ihrer Kinder erfreut, möge ihr Gott in Ehren und Freuden gedenken.' R."       

 
Über die Synagoge in Worms (Artikel von 1891)     

Worms Israelit 19111891 a.jpg (316205 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1891:        
Worms Israelit 19111891 b.jpg (198920 Byte)        

  
Auffindung eines Tora-Wimpels von 1632 (1894)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Oktober 1894:        

  
Die alte Mikwe bei der Synagoge wurde renoviert (1898)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1898:          
     
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juni 1898:   

    
Beschneidungsfeier in der Synagoge (1900)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1900:          

  
Über die Synagoge in Worms (Artikel von 1901)     

Worms Ost und West 101901.jpg (108260 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Ost und West" vom Oktober 1901:         
Worms Ost und West 101901b.jpg (308932 Byte)   
Worms Ost und West 101901c.jpg (356899 Byte)    
Worms Ost und West 101901d.jpg (372161 Byte)    
Worms Ost und West 101901e.jpg (307306 Byte)    
Worms Ost und West 101901f.jpg (84241 Byte)   

  

Worms Israelit 19121901.jpg (343938 Byte)Abbildung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1901 mit Untertext: "Innere Ansicht der Synagoge zu Worms. Aus dem soeben in zweiter unveränderter Auflage erschienenen Werkchen 'Aus Vergangenheit und Gegenwart der Israelitischen Gemeinde Worms.' Von Samson Rothschild, Lehrer an der Stadtschule zu Worms am Rhein."          

  
Die Restaurierung der Raschi-Kapelle steht bevor (1907)  
Anmerkung: damals wurde diskutiert, ob die Raschi-Kapelle 1624 an Stelle eines Vorgängerbaus errichtet wurde oder ob es sich um einen Neubau gehandelt hat.     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1907: "(Die Raschi-Kapelle in Worms.) Wie schon kurz mitgeteilt wurde, soll die unter Denkmalsschutz stehende Raschi-Kapelle bei der hiesigen Synagoge ausgebessert werden. Nach einer Verfügung des hiesigen Kreisamts darf die Schrift am Raschi-Stuhl nur gereinigt werden und es soll eine Übersetzung derselben angefertigt werden. Eine daraufhin vorgenommene genaue Besichtigung des Raschi-Stuhles hatte nun das Ergebnis, dass sich nicht nur eine Schrift an der Außenseite des Stuhles vorfand, sondern auch an den drei Innenseiten Inschriften aufgedeckt wurden. Man hofft, diese nach gründlicher Reinigung entziffern und mit Hilfe dieser Inschriften vielleicht einen wissenschaftlichen Streit betreffs der Erbauungszeit der Raschi-Kapelle entscheiden zu können. Durch Urkunden lässt sich nämlich feststellen, dass die jetzige Kapelle im Jahre 1624 von David, Sohn des Josua Joseph Oppenheim, erbaut wurde. Der frühere hiesige Prediger Dr. Levysohn (Stockholm) behauptete nun, dass Oppenheim die Raschi-Kapelle an der Stelle eines früher schon bestehenden Baues wieder aufbauen ließ, indem er das hebräische Wort 'bonoh' mit 'wiedererbauen' übersetzt. Dagegen vertritt der Altertumsforscher A. Eppstein (Wien) die Ansicht, dass das Wort 'bonoh' mit 'bauen' zu übersetzen sei, und dass Oppenheim die Kapelle neu erbaut habe, ohne dass sie mit Raschi in irgendeinem Zusammenhang stehe; das Raschi-Lehrhaus habe sich vielmehr in dem heutigen israelitischen Hospital befunden."            

  
Zur Einrichtung eines jüdischen Museums in der Stadt (1913)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Februar 1913:       

   
Über "Abraham Epstein und die Altertümer der Wormser Jüdischen Gemeinde" (Beitrag von 1921)  

Worms AZJ 22071921.jpg (572431 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juli 1921:       
Worms AZJ 22071921a.jpg (73739 Byte)  

  
Artikel "In der Stadt Raschis" (Artikel von 1925)       

Worms Israelit 03091925.jpg (535229 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925:      
Worms Israelit 03091925a.jpg (701139 Byte)   
Worms Israelit 03091925b.jpg (170177 Byte)   
Worms Israelit 03091925c.jpg (176847 Byte)    Worms Israelit 03091925d.jpg (219541 Byte) Worms Israelit 03091925e.jpg (65707 Byte)
     

  
Eröffnung eines "Jüdischen Museums"  -  Feier zum 300-jährigen Bestehen der Raschi-Kapelle  -  Publikation zu Raschi (1924)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1924: "Worms am Rhein, 23. November (1934). Am vergangenen Sonntag wurde in Anwesenheit des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, der Beamten und der Vorstände sämtlicher jüdischer Vereine ein 'Jüdisches Museum' eröffnet. - 
Zur Erinnerung an die vor 300 Jahren von David Oppenheim erbaute Raschikapelle fand am gestrigen Sabbate eine gottesdienstliche Feier statt. Aus diesem Anlasse ist auch bei Christian Herbst hier eine Schrift 'Raschi' von S. Rothschild erschienen, die ein Lebensbild des großen Mannes gibt und mit 5 Bildern geziert ist (Preis 1,50 Mark)."        

 
900-Jahrfeier der Synagoge in Worms (1934)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1934: "Worms. Am Sonntag, den 3. Juni (1934) kann die alte Synagoge von Worms auf ihr 900-jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlass findet in der Synagoge eine gottesdienstliche Feier im engen Kreise der Gemeindemitglieder statt. Wir werden auf das Jubiläum noch zurückkommen."    
   
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1934: 
"900-Jahrfeier der Wormser Synagoge. Am 3. Juni 1934 findet in Worms aus Anlass des 900-jährigen Bestehens der Synagoge ein Weihe-Gottesdienst statt. Die Synagoge, eine Stiftung des kinderlosen Ehepaares Jakob und Rahel, ist im Jahre 1034 vollendet worden. Sie spiegelt in ihrem Bau die wechselnden Schicksale der Wormser Gemeinde wider und bildet ein steinernes Dokument für die Verbundenheit der deutschen Juden mit deutschem Boden und deutschem Schicksal. Die Feier findet nur im Kreise der Gemeindemitglieder statt unter Teilnahme des Vorsitzenden der Reichsvertretung der deutschen Juden und einiger Vertreter jüdischer Korporationen. Der Weihe-Gottesdienst wird aus einer von musikalischen Vorträgen umrahmten Festpredigt bestehen. Aus Anlass dieses denkwürdigen Tages ist eine vom Gemeindevorstand veranlasste Gedenkschrift erschienen, die sich mit der Geschichte der Gemeinde und der Synagoge Worms befasst und an der namhafte jüdische Historiker Deutschlands mitgearbeitet haben.  
Im Geleitwort weist der Vorstand der Wormser Religionsgemeinde darauf hin, dass die Wormser Synagoge die einzige in Deutschland und wohl auch in Europa ist, die vom hohen Mittelalter - die Synagoge wurde 1034 vollendet - bis zur Gegenwart ihrer Bestimmung dient. Als Zeugnis für den ungebrochenen Lebenswillen der jüdischen Religionsgemeinschaft und für den Gottesdienst, der in ihr lebt und wirkt, rage sie aus alter Zeit in die Gegenwart hinein. Einst eine 'Mutter in Israel' so heißt es in dem Geleitworte, hat unsere Gemeinde in ihrer langen und ereignisreichen Geschichte große und glückliche Tage gesehen, aber mehr noch schwere, schmerzvolle Zeiten heroischen Leidens und bekenntnistreuen Martyriums. Diese große Vergangenheit legt ihr Pflichten auch für die Zukunft auf. Der unterzeichnete Vorstand glaubt, eine dieser Pflichten dadurch erfüllen zu können, dass er trotz der großen Sorgen und Nöten, die über das deutsche Judentum gekommen sind, das Jahr des 900-jährigen Bestehens der Synagoge durch Herausgabe einer Denkschrift ehrt und auszeichnet.   
Das Heft, das durch einen Vorspruch von Rabbiner Dr. Leo Baeck über die Bedeutung des Gotteshauses als Künder bleibender Heimat eingeleitet wird, enthält eine von zahlreichen Illustrationen begleitete Beschreibung der Synagoge aus dem Werke von Richard Krautheimer über 'Mittelalterliche Synagogen', einen Aufsatz des Nürnberger Rabbiners Dr. Max Freudenthal über die Eigenart der Wormser Gemeinde, die unter Ablehnung französischer und östlicher Einflüsse frühzeitig einen eigenen deutschen Rituals ausbildete; Rabbiner Dr. Max Dienemann schreibt über 'Die Geschichte der Einzelgemeinde'; die Rechtsstellung der Wormser Juden im Mittelalter behandelt Dr. Guido Kisch, der Kölner Rabbiner Dr. Adolf Kober hat einen Aufsatz 'Die deutschen Kaiser und die deutschen Juden' beigesteuert. Prof. Ismar Ellbogen schildert Wirken und Bedeutung von drei hervorragenden Persönlichkeiten aus den ersten Jahrzehnten der Wormser Synagoge, des Rabbi Meier Ben Isaak, des Rabbiners Isaak Halevi, einer der Lehrer Raschis, und Elieser Ben Isaak, der den Beinamen der Große führte. Über den 'Wormser Reichsrabbiner Anselm' schreibt Oberbibliothekar Dr. Moritz Stern, der Wormser Rabbiner Dr. Isaak Holzer schildert nach dem Minhagbuch des Juspa Schammes Sitten und Gebräuche in der alten Wormser Judengemeinde. Schließlich enthält das Buch historische Beiträge von I. Kiefer, Rabbiner Dr. S. Levi, B. Rosenthal und Rabbiner Dr. Paul Lazarus."    "          
    
Hinweis: der nachfolgende Artikel aus der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" enthält eine scharfe Kritik, da auch "in schwerer Zeit" zu dieser Feier Orgel und Damenchöre (beides wird von orthodoxer Seite abgelehnt) laut geworden sind.  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1934: "Die 900-Jahrfeier in Worms. 
Worms
, 5. Juni (1934). Aus Anlass des 900-jährigen Bestehens der Synagoge zu Worms wurde am letzten Sonntag, 11 Uhr, eine 'Weihestunde' in der Synagoge abgehalten. Obwohl sie als Feier im internen Kreise der Synagogenmitglieder gedacht war, waren doch viele Gäste, besonders Rabbiner aus der hessischen, bayrischen und badischen Umgegend erschienen. Von der Reichsvertretung in Berlin war Rabbiner Dr. Leo Baeck anwesend. Die Feier begann mit einem Orgelpräludium und schloss wiederum mit Orgelklängen und Damenchören in der Schul' von Raschi und im Andenken an diesen Großen und seine Zeit!  
Zwischen Orgelklängen und Damenchorgesängen wurden die Reden und Ansprachen gehalten, und es klang nicht gerade harmonisch, dass der Wormser Gemeinderabbiner, Dr. Holzer, seiner Festpredigt den Ruf an Moses zugrunde legte: 'Streife deine Schule von Deinen Füßen ab, denn der Platz, auf dem Du stehst, ist heiliger Boden.' Das Bewusstsein, hier wirklich auf heiligem Geschichtsboden zu stehen, hätte die Herren, so sollte man glauben, wenigstens an diesem Tage heiligen Gedenken veranlassen sollen, dieses heilige Gedenken nicht durch fremde, die äußerste religionswidrige Assimilation verkündenden Klänge zu trüben.   
Eindrucksvoll war die Rede von Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, in der er betonte, dass Adel, von dem diese Stätte zeuge, kein Äußerliches, sondern immer ein Geistiges sei. Es sprachen noch die Herren Kommerzienrat Mayer, Mainz, Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg, Dr. Nathan Stein, Karlsruhe für den Badischen Oberrat und Sanitätsrat Dr. Nickelsburg Worms, der den Rednern und auswärtigen Vertretern dankte. Von den starken Impulsen, die aus solcher Gedenkfeier in schwerer Zeit hätten ausgehen können, erfuhr man nicht die Spur. Es war eine Stunde guter Musik und schönen Reden, weiter nichts. Neun Jahrhunderte  Worms sprechen auf die deutsche Judenheit ein, und sie wird sich diese Sprache anders zu deuten haben, als dies in der Wormser Synagoge am Sonntag geschehen ist."      
 
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1934: 
 
Vgl. auch den Beitrag in der "Central-Zeitung" vom 31. Mai 1934: "900 Jahre Wormser Synagoge".
Online zugänglich https://ufdc.ufl.edu/AA00000359/00001
Mit einer Sonderbeilage der "Central-Zeitung" "900 Jahre Synagoge Worms" und den Beiträgen:
-  Haus des Schicksals von S. K.
-  Raschi von Fritz Bamberger
-  Geschichte der Wormser Gemeinde von Dr. Rosy Bodenheimer
-  Die Wormser Judengemeinde - heute   von Dr. Hermann Gundersheimer
-  Alte jüdische Familien in worms   von Dr. Guggenheim (Offenbach) 
-  Illustrationen von Henriette Mannheimer   

    
Die Rede von Rabbiner Dr. Leo Baeck zur Neunhundertjahrfeier der Wormser Synagoge (1930)        

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juli 1934:                               
   

   
Das "Raschi-Tor" soll nach dem Willen von Nationalsozialisten in "Klaus-Selzner-Tor" umbenannt werden (1933)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1933:          

    
Die Orgel in der Synagoge wurde stillgelegt (1938)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1938:          

 
Artikel zum Abschied von der Orgel in der Synagoge (1938)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1938:         

   
 Bericht über den Zustand der Synagoge und der Mikwe nach Kriegsende (1945)   

Artikel in der Zeitschrift "Aufbau" vom 22. Juni 1945: "Worms' jüdische Heiligtümer gerettet!  
Eine Nachricht, die alle jüdischen Herzen beglücken wird, kommt aus Worms. Die uralte, mittelalterliche Stadt am Rhein, Jahrhunderte hindurch als 'Klein-Jerusalem' bekannt, weil in ihren Mauern en Raschi studierte und lehrte, der größte aller jüdischen Bibel-Kommentatoren, und seine Synagoge die älteste auf dem europäischen Kontinent war, hat die meisten ihrer unschätzbaren jüdischen Heiligtümer und Reliquien retten können.  
Die alliierte Militärregierung hatte in ihrem Katalog der seltenen und kostbaren Gegenstände die jüdische Museumssammlung in Worms bereits als verloren oder zerstört aufgeführt. Als jedoch Major M.A. Braude aus Chicago, jüdischer Feldkaplan der 7. amerikanischen Armee, die historische Stadt am Rhein betrat, ging er sofort auf die Suche nach der Raschi-Synagoge und der Sammlung des jüdischen Museums. Er ermittelte den Kurator des städtischen Museums und erfuhr, dass dieser schon Jahre zuvor verschiedene jüdische Kostbarkeiten vor den Nazis zu retten vermocht hatte. Der Kurator zeigte Major Braude das Versteck im Museumsgarten. Dort stand der weltberühmte Raschi-Stuhl unversehrt. Und unbeschädigt fanden sich auch die Portale der Männer-Synagoge aus dem 12. Jahrhundert.  
Dann führte der Kurator den Major nach dem Rathaus durch mehrere dunkle, unterirdische Keller und Gänge und brachte ihn nach dem Versteck, wo er den unschätzbaren Machsor aus dem Jahre 1272 verborgen hatte. Er war, bis auf ein paar Wurmlöcher im Pergament, in ausgezeichneter Verfassung. Im gleichen Versteck lagen die kaiserlichen Patente und Privilegien aus dem 15. und 16. Jahrhundert, ebenfalls in bemerkenswert gutem Zustande.  'Der Wormser Kurator hat Großes getan, indem er die Hauptstücke der Sammlung verbarg und rettete', erklärte Major Braude. 'Diese Reliquien sind jetzt nach Paris geschickt worden und werden dort an sicherer Stelle aufbewahrt, bis eine endgültige Entscheidung darüber getroffen ist, wohin sie für ihre künftige Erhaltung gebracht werden sollen.'   
Major Brande begab sich dann zur Raschi-Synagoge zurück, wo man mehrere Fuß tief unter Trümmern vergraben, Kisten mit Torarollen, Torakronen und die im Gefängnis von Rabbi Meir aus Rothenburg geschriebene Tora fand. Man hofft, durch weitere Ausgrabungen, die bereits im Gange sind, noch andere wertvolle Funde zu machen.  
Die Fundamente der 1213 erbauten Frauensynagoge stehen noch, und die 'Mikvah', das 1186 erbaute rituelle Frauenbad, ist intakt geblieben, wenn auch noch durch Trümmer zugedeckt. Die Gräber und Grabsteine von Rabbi Meir aus Rothenburg ('Maharam') und anderen mittelalterlichen jüdischen Gelehrten haben den Nazismus überdauert. Leider aber ist die Sammlung von 600 Torabändern, auf denen die Namen und Geburtsdaten von Generationen Wormser Juden eingestickt waren, verloren gegangen, wahrscheinlich durch Zerstörung."         

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte sowie weitere Berichte  

Januar 2009: Aktuelles aus der Arbeit des Raschi-Hauses   
Artikel vom 27. Januar 2009 in der "Wormser Zeitung" von Susanne Müller (Artikel): 
Begehrliche Blicke aufs Haus zur Sonne - Jüdisches Museum im Raschi-Haus kämpft mit Platzmangel / Neue Serie startet
Worms blickt auf eine lange Geschichte zurück, die in den Museen der Stadt erschlossen werden kann. Wie steht es mit den Kultureinrichtungen? Wie ziehen sie Bilanz, welche Wünsche und Projekte haben sie für die Zukunft? Heute ist das Jüdische Museum im Raschi-Haus im Fokus..." 
 
Mai 2010: In Worms werden zum fünften Mal "Stolpersteine" verlegt   
Pressemitteilung der Pressestelle der Stadt Worms vom 26. April 2010: "Stolperstein für Herta Mansbacher - Veranstaltung von Warmaisa
Eigentlich ist es erstaunlich, dass bereits zum fünften Mal Stolpersteine in Worms verlegt werden und Herta Mansbacher noch nie dabei war, vielleicht, weil schon die Anlage am ehemaligen Juxplatz nach ihr benannt wurde und auch ihre ehemalige Schule, die Westendschule, durch eine Tafel am Haupteingang an sie erinnert. Doch am Montag, den 3. Mai, ist es soweit..."   
  
Juni 2010: Besuch des in Worms geborenen Walter Gusdorf in seiner Heimatstadt   
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 11. Juni 2010 (Artikel): "Lebhafte Erinnerungen.
- WORMS. RUNDGANG Holocaust-Überlebender Walter Gusdorf besucht Worms mit seinen Angehörigen. 

Was bewegt einen Mann wie Walter Gusdorf, wenn er mit seinen Söhnen und seinem Enkel in die alte Heimat kommt, und was zeigt er ihnen? Walter Gusdorf ist nicht irgendwer, er ist einer der wenigen Wormser Juden, die den Holocaust überlebt haben..."   
  
April 2011: In Worms sind nun 77 "Stolpersteine" verlegt  
Artikel von Gernot Kirch im "Nibelungen-Kurier" vom April 2011 (Artikel): "Stolpersteine wider das Vergessen des NS-Terrors
Insgesamt 77 sogenannter Stolpersteine erinnern mittlerweile in Worms an die Vertreibung und Vernichtung von Juden durch die Nationalsozialisten

Es war die sechste Verlegung von Stolpersteinen in Worms durch den Verein Warmaisa. Damit ist die Zahl der mit einer Messingplatte versehenen Stolpersteine seit Donnerstag von 65 auf 77 angewachsen..."  
    
Juni 2011: Ermittlungen zu dem Anschlag auf die Synagoge im Mai 2010 werden eingestellt  
Pressemitteilung vom 16. Juni 2011: "Mainz/Worms. Ermittlungen nach Synagogen-Anschlägen eingestellt
Die Brandanschläge auf die Synagogen in Mainz und Worms bleiben wohl ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Mainz hat die Ermittlungen in beiden Fällen eingestellt. Man habe keinen Täter ermitteln können, teilte die Behörde am Donnerstag mit
.
Im Hintergrund die von dem Brandanschlag in Mitleidenschaft gezogene Wormser SynagogeIn Worms war im Mai 2010 mit einem Brandbeschleuniger an mehreren Stellen des jüdischen Gotteshauses Feuer gelegt worden. Der Brand konnte schnell gelöscht werden, der Schaden hielt sich in Grenzen."   

  

November 2011: Anlässlich des 50. Jahrestages der Wiedereinweihung der Wormser Synagoge: Festschrift von 1961 wird neu aufgelegt   
Zum 50. Jahrestag der Wiedereinweihung der Wormser Synagoge erscheint im Worms-Verlag ein erweiterter Nachdruck der Festschrift von 1961. 
Kernstück sind die damaligen Forschungen zur Synagoge durch Professor Otto Böcher, die ergänzt wurden durch einen Aufsatz von Dr. Gerold Bönnen zur Zeit nach 1961 bis heute, dazu kommt eine aktuelle Bibliografie sowie der Festvortrag von Dr. Anthony D. Kauders, den er bei der Feierstunde am Donnerstag, 1. Dezember, halten wird. Im Anhang finden sich Quellentexte von 1961 und 1934. 
Das Buch kann bereits jetzt zum Preis von 24,90 Euro im Worms-Verlag (Telefonnummer 0 62 41 / 20 00-3 14, oder unter berthold.roeth@kvg-worms.de ) bestellt werden. Erhältlich ist das Buch auch am 1. Dezember Uhr nach der öffentlichen Buchvorstellung in der Synagoge." . 
  
1. Dezember 2011: Feier des 50. Jahrestages der Wiedereinweihung der Wormser Synagoge   
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 1. Dezember 2011: 
"Früh an Aufbau gedacht: Schon 1946 erste Pläne für Wormser Synagoge...
Link zum Artikel.     
Interview von Ulrike Schäfer mit Stella Schindler-Siegreich in der "Wormser Zeitung" vom 1. Dezember 2011:  
"Vorsitzende Stella Schindler Siegreich über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Worms..."  
Link zum Artikel
Artikel von Johannes Götzen in der "Wormser Zeitung" vom 2. Dezember 2011: 
"Gedenken und Mahnen in Worms - Synagoge steht seit 50 Jahren wieder..."  
Link zum Artikel.    
 
Januar 2014: Fragment von Stifterinschrift gefunden   
Pressemitteilung vom 21. Januar 2014 (dpa): "Worms: Fragment von Stifterinschrift gefunden. 
Worms. Nach mehr als 300 Jahren ist ein verschollen geglaubtes Fragment der Wormser Synagoge wieder an den Rhein zurückgekehrt. Der Teil einer steinernen Stifterinschrift der Frauensynagoge war 2013 in Schweden gefunden worden, wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Auf dem 40 mal 25 Zentimeter großen Stück ist der Anfang der ersten sechs Zeilen zu lesen. Wie genau das Fragment nach Schweden gelangt ist, kann sich auch Irene Spille vom Institut für Stadtgeschichte nicht erklären. "Die Inschrift wurde im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 beschädigt", berichtete Spille auf dpa-Anfrage. Danach sei es verschwunden. "  
 
November 2016: Die Wormser Mikwe muss restauriert werden  
Pressemitteilung vom 14. November 2016 (dpa/lrs): "Worms: Mikwe muss saniert werden. 
Worms.
Die 1185 entstandene Wormser Mikwe soll in den kommenden Jahren restauriert werden. Das teilten die Stadt Worms und Susanne Urban, Geschäftsführerin des Vereins 'SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz' am Montag mit. Das historische Ritualbad gilt als bedeutendes bauliches Zeugnis jüdischen Lebens in Mitteleuropa.
Laut mehrerer Gutachten befindet sich das Mauerwerk in labilem Zustand. So gebe es etwa durch Feuchtigkeit hervorgerufene Schäden; außerdem Risse und Verformungen. 'Wir gehen davon aus, dass die notwendige Sanierung zwischen 800 000 Euro und 1,5 Millionen Euro kosten wird', sagte Urban am Montag. Noch sei unklar, inwieweit Geld von Stiftungen und aus Bundesmitteln beigesteuert werden kann. 'Ich bin zuversichtlich, dass die Finanzierung bei einem so bedeutenden Kulturdenkmal kein Problem sein wird', sagte Urban. Der Oberbürgermeister von Worms, Michael Kissel (SPD), wies auf die Bedeutung der Mikwe und des jüdischen Erbes für den Unesco-Welterbe-Antrag hin: 'Das jüdische Ritualbad ist als wertvolles Kulturdenkmal wesentlicher Bestandteil des Welterbeantrages', sagte der Rathauschef. (dpa/lrs)."   
 
Vgl. Artikel in der "Wormser Zeitung" vom 28. September 2016: "Die Mikwe in Worms, das jüdischer Kultbad neben der Synagoge, befindet sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand..." 
Link zum Artikel  
 
November 2016: Die Sanierung der Mikwe braucht bis zu zehn Jahre  
Artikel von Susanne Müller in der "Wormser Zeitung" vom 14. November 2016: "Sanierung dauert bis zu zehn Jahre: Mikwe in Worms ab Dienstag geschlossen
Morgen wird sie geschlossen - die Mikwe. Bis zu zehn Jahre wird es dauern, bis das erheblich geschädigte jüdische Ritualbad im Wormser Synagogengarten saniert ist. Die Stadt investiert bis zu 750.000 Euro.
WORMS -
Etwa 35.000 Touristen und Besucher jüdischen Glaubens besuchen pro Jahr die Synagoge und auch die Mikwe, das Ritualbad aus dem Jahr 1185/86. Ab sofort ist das nicht mehr möglich. Das historische Bad bleibt wegen umfangreicher Renovierungsmaßnahmen geschlossen – bis zu zehn Jahre. Für erste Sicherungsmaßnahmen müssen 135.000 Euro ausgegeben werden, OB Michael Kissel schätzte am Montag, dass alle noch notwendigen Arbeiten mit bis zu 750.000 Euro zu Buche schlagen werden. Denn der historische Bau, der im Synagogenbezirk acht Meter tief in den Boden reicht, bis an das für Menschen jüdischen Glaubens so wichtige 'lebendige Wasser', das Grundwasser, muss in fünf Schritten umfassend saniert werden. Die Stabilität ist gefährdet, aus den Fugen und von den Steinoberflächen bröckelt es, ganze Steine sind locker. Durch den Bodendruck hat sich im untersten Raum des Wasserbeckens eine Delle in der Wand nach innen gebildet. Noch nie wurden an dem Ritualbad größere Restaurierungsarbeiten durchgeführt, nach Kriegszerstörungen gab es im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Synagoge allenfalls Um- und Wiederaufbauten, vor allem an der Treppe in den Jahren 1957 bis 1961. Architekt Jürgen Hamm erläuterte bei der Vorstellung der Sanierungsmaßnahmen den Verlauf der Arbeiten über die Jahre. Seit einigen Jahren seien schon Voruntersuchungen gelaufen, so Hamm, die nun kommende Restaurierung erfolge in fünf Schritten. Ab sofort werden Sicherungsmaßnahmen erfolgen, 'das geschwächte Gefüge wird gesichert' – mit Balken, Spießen und Stützen. Es bestehe die Gefahr, dass sich Steine lösten oder auch Sandstein abbreche. Dann beginnen Untersuchungen zur Konsolidierung des Mauerwerks. Dies alles werde, so Hamm, wohl bis zum Herbst 2017 dauern.
Zerfall prüfen. Alle anderen Arbeiten brauchten dann sehr lange Zeit. In einem der umfangreichsten Abschnitte stehe die Mikrobiologie im Vordergrund. Hier werde es Jahre brauchen, um zu schauen, wie weit etwa der Oberflächenzerfall fortgeschritten sei. 'Es gibt im ganzen Bau organische Schichten, die Putze schädigen – wir haben es auch mit gesundheitlichen Problematiken, mit Schimmel zu tun.' Zwei Jahre lang müsse man sich allein damit befassen, so Hamm – die Gelder hierfür sollen von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt kommen, hofft die Stadt. Von hier aus, so Hamm, sei schon Interesse bekundet worden für dieses 'sehr komplexe Thema'. Nach diesen zwei Jahren stehen die eigentlichen Sicherungsmaßnahmen an: 'Hier wissen wir nicht, wo sie uns hinführen werden', so der betreuende Architekt. Ein viele Meter im Boden stehender Turm sei zu sanieren, der durch die vielen Jahrhunderte in seinen Mauergefüge stark geschwächt ist. Es gelte Methoden zu entwickeln, um das Mauerwerk wieder tragfähig zu machen: 'Hier gibt es noch keine Erfahrungen – Türme im Boden gibt es selten.' Ein statisches Problem sei der Erddruck – der Architekt schloss nicht aus, dass vielleicht sogar von außen her aufgegraben werden muss. Nachdem dann die 'Hülle' stabilisiert sei, gehe es an konservatorische Arbeiten. Und: Auch die gesamte Einbindung in das Umfeld sei dann zu überdenken. 'Das ist dann der fünfte Abschnitt', so Hamm, 'der in acht bis zehn Jahren auf uns zukommt'. OB Michael Kissel betonte, dass die Stadt nach dem Untergang der Nazidiktatur mit der Jüdischen Gemeinde Mainz in den 50er Jahren einen Vertrag geschlossen und sich verpflichtet habe, für die Unterhaltung der Gebäude zu sorgen und aufzukommen: 'Es ist Aufgabe der Stadt, des Landes und des Bundes, diese Verantwortung wahrzunehmen.' Dr. Roswitha Kaiser von der Generaldirektion Kulturelles Erbe regte an, ein 'Fördermanagement' zu betreiben, um an zusätzliche Gelder zu kommen: 'Denn die Mikwe ist tatsächlich sehr beschädigt.' Dr. Gerold Bönnen sicherte zu, dass es im Raschihaus ab dem Frühjahr eine laufend aktualisierte Dokumentation der Bauarbeiten für Touristen und jüdische Gläubige geben werde."  
Link zum Artikel  
 
April 2018: Über die langjährige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz Stella Schindler-Siegreich   
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 21. April 2018: "Stella Schindler-Siegreich: In Israel geboren, in Worms zuhause.
WORMS -
Für die Öffentlichkeit war es eine große Überraschung, als bekannt wurde, dass Stella Schindler-Siegreich, seit 2004 Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, im August 2017 ihr Amt niedergelegt hatte. Bedauern und Unverständnis hielten sich die Waage. Intern war ihre Absicht indes schon länger bekannt gewesen. Ein Herzinfarkt Ende 2014 hatte an ihren Kräften gezehrt. Die häufigen Fahrten von Worms nach Mainz, der aufreibende tägliche Kleinkram, aber auch die vielen offiziellen Verpflichtungen ermüdeten sie zusehends. Hinzu kam der Wunsch, mehr für ihre wachsende Enkelschar da sein zu können. In ihrer Amtszeit hat Stella Schindler-Siegreich viel bewegt. So wird mit ihrem Namen immer der Bau der neuen Synagoge in der Hindenburgstraße in Mainz verbunden sein – ein deutliches Signal, dass das Judentum einen Neuanfang mit Deutschland wagt. Aber es ging ihr immer auch darum, dieses neue Haus mit Leben zu füllen, um den Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion eine spirituelle, religiöse und kulturelle Identität anzubieten, ihnen eine Heimat zu geben. Auch in Worms hat sie einiges bewegt, die Veranstaltungen zum Raschi-Jahr 2005 und die Bewerbung der Schum-Städte als Weltkulturerbe angeregt, das Haus zur Sonne wieder für die Gemeinde nutzbar gemacht, Gottesdienste und Feste organisiert. Woher kommt sie, was hat sie geleitet?
Stella Siegreich wurde am 17. April 1948 geboren, drei Jahre, nachdem sich ihre Eltern im gemeinsamen Haus in Bedzin/Polen wiedergefunden hatten. Der Vater hatte sich gegen Ende des nationalsozialistischen Schreckensregimes aus einem Arbeitslager im Kattowitzer Land retten können; die Mutter hatte die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz durchleben müssen. Nach 1945 flohen die wenigen Verwandten, die überlebt hatten, vor dem wachsenden polnischen Antisemitismus in die USA und in den neu gegründeten Staat Israel. Auch Stellas Eltern, einst recht wohlhabend, nun fast mittellos, wanderten aus und versuchten, sich in Jerusalem eine Existenz aufzubauen. Doch das war nicht leicht. Ein ehemaliger Lagerfreund, der in Deutschland Fuß gefasst hatte, überredete sie schließlich, nach Europa zurückzukehren. Stella war damals zehn Jahre alt. In Jerusalem habe sie eine sehr glückliche Kindheit verbracht, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Der Neubeginn in Deutschland sei ein gewaltiger Einschnitt für sie gewesen, zumal sie damals noch kein Wort Deutsch sprach. Nach einem Intermezzo in Bayern kam die Familie 1960 nach Worms. Die Eltern übernahmen einen gastronomischen Betrieb, den die Mutter nach dem frühen Tod des Vaters allein weiterführte. Die Familie lebte ihr Judentum, hatte Kontakt zur Gemeinde, fuhr an den hohen Feiertagen nach Mainz in die Synagoge. Ein unvergessliches Erlebnis war 1961 die Einweihung der Wormser Synagoge nach dem Wiederaufbau. 'Es gibt noch Fotos von diesem Tag, auf dem auch ich als zwölfjähriges Mädchen zu sehen bin', erzählt Schindler-Siegreich lächelnd. Man feierte erstmals wieder Rosch ha-Schana und Jom Kippur, eine Bar Mitzwa und Hochzeiten. Stella Siegreich besuchte das Eleonoren-Gymnasium, machte Abitur und gründete 1973 eine Familie. Als die beiden Kinder erwachsen waren, änderte sich zunehmend etwas in ihrem Leben. 'Ich weiß noch, dass ich am 9. November bei einer Gedenkveranstaltung in der Synagoge war. Ein Kantor sang das Totengebet El male Rahamim. Das hat mich so berührt, dass ich dachte: Du musst etwas machen.' In dieser Phase kamen die ersten jüdischen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Worms. 1996 trat Schindler-Siegreich in die Gemeinde ein, parallel dazu wurde sie Gründungsmitglied der Gesellschaft zur Förderung und Pflege jüdischer Kultur in Worms, später Warmaisa. 'Damals wurde mir auch die bedeutende jüdische Geschichte von Worms bewusst', erinnert sie sich. Sie machte eine Ausbildung zur Stadtführerin, absolvierte ein Gastsemester an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, traf sich mit den Kindern Überlebender der Shoa. Aufgrund dieses reichen Wissens regte sie im Vorstand von Warmaisa viele interessante Veranstaltungen an, stellte Kontakte zu Künstlern und Referenten her. Gleichzeitig versuchte sie, mit anderen jüdischen Familien ein Gemeindeleben in Worms zu organisieren, Feste wurden gefeiert, jüdischer Religionsunterricht eingerichtet. 'Eine Zeitlang war auch die Selbständigkeit der Wormser Gemeinde ein Thema', erzählt sie. Doch die Pläne waren nicht finanzierbar. 2001 wurde sie als Revisorin vorgeschlagen, drei Jahre später gebeten, für den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Mainz/Worms zu kandidieren, am 18. April 2004 wurde sie zur Vorsitzenden gewählt. Ihr Fazit fällt positiv aus: 'Trotz aller Anstrengung schaue ich mit großer Genugtuung auf das Erreichte und bin voller Dankbarkeit für die vielen menschlichen Begegnungen und für die wohlwollende und großzügige Unterstützung, die ich erfahren durfte.'"
Link zum Artikel    
  
Oktober 2018: 14. Verlegung von "Stolpersteinen" in Worms 
Anmerkung: 
seit dieser 14. Verlegung erinnern Stolpersteine in der: 1. Karmeliterstraße 2: Moritz Bär, gestorben 1940; 2. Berggartenstraße 6: Leo Grünfeld, ermordet 1943; Karoline Grünfeld geb. Bodenheim, ermordet 1942; Agnes Margarete, geflüchtet; Alfred Friedrich Grünfeld, geflüchtet; Otto Wilhelm Grünfeld, geflüchtet; 3. Bahnhofstraße 6: Hilda Herz geb. Lichtenauer, ermordet; Werner Herz, ermordet; 4. Zornstraße 3: Jakob Rosenheimer, gestorben in Theresienstadt; 5. Burkhardstraße 7 a: Albert Lieber, ermordet 1943; Berta Lieber geb. Weil, ermordet 1944; 6. Burkhardstraße 10: Max Meyer, gest. 1942 bei der Deportation; Rosa Meyer geb. Gottschalk, ermordet 1942; 7. Dirolfstraße 13: Moritz Strauß, ermordet 1942; 8. Seidenbenderstraße 52: August Mayer, ermordet; Anna Mayer geb. Strauß, ermordet; Margot Mayer, ermordet; 9. Güterhallenstraße 69: Jakob Levita, ermordet 1942; Minna Levita geb. Schrag, ermordet 1942; Bella Levita, ermordet; 10. Liebenauerstraße 121: Emil Nehemias Sommer, ermordet 1944; Martha Amanda Sommer geb. Reichleser, ermordet 1944.  
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 24. Oktober 2018: "Erinnerungen an Menschen und ihr unvorstellbares Leid
Der Künstler Gunter Demnig verlegt in Worms 22 weitere Stolpersteine zur Erinnerung an deportierte und ermordete jüdische Bürger. 
WORMS -
Wer mit aufmerksamen Blicken durch Worms geht, kann die schimmernden Bronzeschildchen der Stolpersteine im Pflaster nicht übersehen. Auch wenn man sich nicht bückt, um die Namen zu lesen, die hier mit Geburts- und Todesdatum eingraviert sind, weiß man doch, dass in diesem Haus Verfolgte des Nazi-Regimes, meist jüdische Bürger und Bürgerinnen, lebten, ehe sie ausgegrenzt, beraubt, deportiert und ermordet wurden, flüchteten oder sich aus Verzweiflung das Leben nahmen.
Kinder fliehen, Eltern werden ermordet. 2006 hat Warmaisa, die Gesellschaft zur Förderung und Pflege jüdischer Kultur in Worms, mit der Verlegung von Stolpersteinen durch den Kölner Künstler Gunter Demnig begonnen. Dessen 1992 gestartetes Projekt ist mit fast 70 000 Steinen in 1265 deutschen Kommunen und in 21 Staaten Europas mittlerweile das größte dezentrale Mahnmal der Welt. In Worms hat Demnig bereits 195 Steine verlegt. Am kommenden Freitag werden weitere 22 dazu kommen. Die Stolpersteingruppe des Vereins Warmaisa hat sich bei ihrer Recherche für die 14. Verlegung in einem Radius bewegt, der fußläufig gut zu bewältigen ist. Es gab also dieses Mal – außer im Fall Jakob Rosenheimer, Zornstraße 3, für den sein Enkel Richard Isaak, USA, die Biografie erstellte – keine Angehörigen, Freunde oder sonstige Anlässe, die die Auswahl beeinflussten. Vertieft man sich in die Schicksale der einzelnen Familien, kann man sich der Tränen kaum erwehren. In vielen Fällen gelang den Kindern noch im letzten Moment die Flucht, oft über Umwege und unter Lebensgefahr. Sie versuchten auf alle mögliche Weise, die zurückgebliebenen Eltern nachzuholen, doch es war vergebens. Joan Kamens, Enkelin von Hilda und Felix Herz, die anlässlich der Vorstellung des Buches 'Die Juden vom Altrhein' im Juli 2018 mit ihren Töchtern das Grab ihres Großvaters auf dem jüdischen Friedhof in Osthofen besuchte, berichtete, wie schmerzlich es ein Leben lang für ihren Vater Rudolf und seine drei Geschwister gewesen sei, dass sie die Mutter und den jüngsten Bruder nicht retten konnten.
Von Frankreich nach Auschwitz deportiert. Ähnlich das Schicksal der Familie Grünfeld: Die drei Kinder von Leo und Karoline Grünfeld konnten fliehen. Leo Grünfeld, der in die seit 1828 in Worms ansässige Ledergroßhandlung Bodenheimer eingeheiratet hatte, zeitweise auch Handelsrichter war und in der Jüdischen Gemeinde aktiv mitwirkte, entging der Deportation aber genauso wenig wie seine Frau. Beide starben in Theresienstadt. Wie Leo Grünfeld hatte auch Jakob Rosenheimer schon bald nach der Machtübernahme der NSDAP sein gutgehendes Geschäft (Kurz-, Weiß- und Modewaren) nicht mehr halten können. Den Kindern gelang die Flucht; Jakob, seine Frau Selma und sein Bruder Adolf wurden nach Theresienstadt verschleppt. Die Brüder wurden ermordet. Nur Selma überlebte das Inferno.
Moritz Strauß hatte fünf Kinder, vier von ihnen gelang die Auswanderung. Auch Sohn Kurt und seine Frau Barbara emigrierten nach Frankreich. Bei Kriegsbeginn wurden sie aber interniert und am 26. August 1942 aus dem Lager Drancy bei Paris nach Auschwitz deportiert, wo sie mit über 900 weiteren Menschen sofort vergast wurden. Vater Moritz Strauß, damals schon Witwer, war für kurze Zeit im KZ Osthofen, danach verbot man ihm jede Berufstätigkeit. Sein ehemaliger Arbeitgeber Johann Rathmacher sorgte heimlich für seinen Lebensunterhalt bis zur Deportation 1942. Strauß starb in Theresienstadt. Überaus schmerzlich endete auch das Leben Max und Rosa Meyers. Er war Prokurist bei Langenbach gewesen und 1933 schon im Ruhestand. Wie viele jüdische Wormser wurde das Paar zwangseingewiesen ins jüdische Altersheim und musste miterleben, wie viele Mitbewohner bereits am 20. März 1942 abgeholt wurden. Die beiden selbst – er 83, sie 70 Jahre alt – wurden am 24. September 1942 zum Güterbahnhof gebracht. Max Meyer starb noch während des Aufenthalts in Darmstadt; seine Frau musste schon zwei Tage später nach Theresienstadt weiter, wo sie kurz darauf verstarb. An alle diese Menschen, wie auch an das Ehepaar Lieber, die Familie Mayer, die Familie Levita und das Ehepaar Sommer, die Unvorstellbares erlitten haben, sollen künftig die Stolpersteine erinnern, die am Freitag verlegt werden." 
Link zum Artikel   
 
November 2018: Gedenken an den Novemberpogrom 1938  
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 9. November 2018: "Reichspogromnacht in Worms: Synagoge zweimal angezündet
Schlägertrupps zerstören am 9. und 10. November 1938 nicht nur den Besitz der Juden, sondern verhöhnen und misshandeln auch die Menschen.

WORMS - Vor 80 Jahren, am 9. und 10. November, wurden auf Befehl des verbrecherischen Hitlerregimes in ganz Deutschland die Synagogen angezündet. Willkommener Vorwand für das skrupellose Vorgehen war das tödliche Attentat des 17-jährigen polnischen Juden Herschel Grynszpan auf Ernst Eduard vom Rath, Legationssekretär der Deutschen Botschaft in Paris und Parteimitglied der NSDAP.
Auch in Worms kam es zu hemmungslosen Ausschreitungen. Schlägertrupps tobten sich in ungezählten verwirrenden Einzelaktionen aus, schreiben Karl und Annelore Schlösser in ihrer Dokumentation 'Keiner blieb verschont'. Aber alle hatten das Ziel, sowohl die religiösen und geistigen als auch die materiellen Existenzgrundlagen der jüdischen Bürger zu vernichten. Danach konnten diese sich keine Illusionen mehr über die Absichten des Regimes machen. Die alte Synagoge, die gerade vier Jahre zuvor ihr 900-jähriges Bestehen gefeiert hatte, brannte erstmals am Morgen des 10. Novembers um 5.45 Uhr. Weil die Feuerwehr angeblich keine Zeit hatte auszurücken, löschte Rabbiner Dr. Helmut Frank gemeinsam mit Schülern der Bezirksschule und jungen Gemeindemitgliedern selbst die Flammen. Gegen halb 10 Uhr brannte die Synagoge zum zweiten Mal. Henry Hüttenbach, Herta Mansbachers Biograf, schreibt, dass sich die Lehrerin in beispiellosem Mut der SA entgegengestellt habe. Verhindern konnte sie nichts, die Synagoge brannte vollständig aus. Fotos von diesem Morgen zeigen, dass die Feuerwehr den Wasserstrahl auf das benachbarte Gebäude richtete, und auch die zahlreichen Zuschauer unternahmen nichts, um das ehrwürdige Gotteshaus zu retten. Ebenfalls im Morgengrauen des 10. Novembers begannen Schlägertrupps, die Schaufenster und Auslagen jüdischer Geschäfte zu zertrümmern und Einrichtungen und Warenbestände zu zerstören. Noch Schlimmeres richteten sie in vielen Wohnungen an, zerschlugen das Mobiliar, schlitzten das Bettzeug auf und warfen Geschirr und andere Wertgegenstände aus dem Fenster. Pfarrer i.R. Norbert Hufnagel berichtet, dass er als kleiner Junge beobachtet habe, wie an der Ecke Röder-/Mozartstraße ein ganzer Flügel auf die Straße geworfen worden sei. Gewalt wurde aber auch gegen die völlig verängstigen Menschen ausgeübt. Oft wurden sie verhöhnt, gestoßen, geschlagen, wie zum Beispiel der Herrnsheimer Wilhelm Gutmann, der beim Aufräumen seines zertrümmerten Mobiliars von mehreren Leuten angegriffen und so übel verletzt wurde, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste (siehe ausführlich Heimatjahrbuch 2015). In der Moltkeanlage 11 wollten brutale Eindringlinge das vier Monate alte Baby der Familie Hochheimer aus dem Fenster werfen. Der Mutter gelang es, ihnen das Kind zu entreißen und in das nahegelegene Martinsstift zu flüchten, wo es in Sicherheit war. Abraham Sedel, Goethestraße 10, versteckte sich in seiner Not in einem Schrank und wurde mit dem Möbel aus dem Fenster geworfen. Trotz seiner Verletzungen wurde er zusammen mit insgesamt 86 Männern jüdischen Glaubens aus Worms und Umgebung, darunter auch Rabbiner Frank, verhaftet und vorübergehend ins KZ Buchenwald gebracht. Einen Monat nach seiner Rückkehr starb er an den Folgen der erlittenen Misshandlungen, wie auch Edgar Frohnhausen und Ludwig Gutmann. Der Möbelfabrikant Hermann Gusdorf, der infolge seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg schwer asthmaleidend war, starb bereits während seiner Gefangenschaft in Buchenwald, wo die Häftlinge Kälte, Hunger und übelster Behandlung ausgesetzt waren.
Die Verwüstungen des November-Pogroms mussten nicht von den Tätern, sondern von den Opfern beseitigt werden. Sie hatten auch selbst für die Kosten aufzukommen. Noch schlimmer, so Karl und Annelore Schlösser, habe die Verordnung 'zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben' vom 12. November 1938 die damals noch in Worms lebenden jüdischen Geschäftsleute betroffen. Sie mussten ihre Läden schließen und durften auch nicht mehr beschäftigt werden, sodass sie endgültig ihre Existenzgrundlage verloren. Wie zum Hohn mussten sie dann noch eine 'Sühneleistung' in Höhe von einer Milliarde Reichsmark ans Deutsche Reich entrichten."  
Link zum Artikel  
 
November 2018: Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag des Novemberpogroms 1938  

Artikel von Ulrike Schäfer in der "Bürstädter Zeitung" vom 10. November 2018: "Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in der Wormser Synagoge.
Zum 80. Mal jährte sich die Reichspogromnacht, und so viele Menschen wie nie nahmen in Worms an der Gedenkveranstaltung teil.
WORMS
- An der Gedenkveranstaltung zum 9. November, zu der für Donnerstagabend die Stadt, die Jüdische Gemeinde, der Verein Warmaisa und das Bündnis gegen Naziaufmärsche in die Synagoge eingeladen hatten, nahmen so viele Menschen teil wie nie zuvor. Sei es, weil sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal jährte, sei es, weil man empfindet, dass es mehr denn je notwendig ist, zusammenzustehen und Haltung zu zeigen. Eingestimmt und begleitet wurde die Veranstaltung von dem vorzüglichen Duo Allegro, Rolf Fritz (Piano) und Alexander Galushkin (Geige), die die Rhapsodie aus der Suite hébraïque von Ernest Bloch, das Hora-Hatikvah aus dem Israeli Concertino von George Perlman und zum Schluss das ergreifende Kaddisch von Maurice Ravel spielten. In ihrer bewegenden Rede führte Anna Kischner, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, aus, dass Gedenken und Gebete an diesem Tag fester Bestandteil jüdischer Erinnerungskultur seien. 'Das Trauma der Schoa sitzt noch tief in uns', sagte sie. 'Es gibt kein einziges Gemeindemitglied, das davon nicht betroffen wäre, und es ist schmerzlich zurückzuschauen.' Doch in Zeiten von zunehmender Fremdenfeindlichkeit und wachsendem Antisemitismus sei das Erinnern aus Gründen der Humanität eine unerlässliche Aufgabe der Zivilgesellschaft.
TOTENGEBET. Nach dem letzten Musikstück erhoben sich die Menschen in der Synagoge zum Totengebet, dem Kaddisch, das Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky mit wunderbar klarer Stimme intonierte. Auch wenn man die hebräischen Worte nicht verstehen konnte, so war doch die Klage um das große Leid des jüdischen Volks unüberhörbar und erschütterte die Herzen zutiefst.
Aufruf zur Zivilcourage. Dabei sei es irrelevant, von wem das hasserfüllte Gedankengut verbreitet werde. 'Unsere tolerante Gesellschaft muss zeigen, dass die Toleranz da endet, wo sich Intoleranz zeigt', betonte sie. 'Sie darf weder geduldet noch schöngeredet werden.' Die neue Ideologie sei sogar noch gefährlicher als die alte, weil der Hass trotz Auschwitz geschürt werde. Doch wolle sie nicht nur mahnen, sondern auch der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass so etwas niemals wieder passieren könne. Dem stimmte auch OB Michael Kissel nachdrücklich zu. Er erinnerte daran, dass die Synagoge mehrfach in blindem Hass zerstört worden sei, zuletzt am 10. November 1938. Auch gedachte er der Menschen, die in den Jahren ab 1933 unter fortwährenden Schikanen und systematischer Ausgrenzung zu leiden hatten und schließlich, sofern sie sich nicht in die Emigration retten konnten, Opfer von Verschleppung und Ermordung geworden seien. 'Mit der Reichspogromnacht kippte Deutschland endgültig in menschenverachtende Tyrannei', sagte er. Mit der staatlich organisierten systematischen Verfolgung und Ermordung von über sechs Millionen europäischer Juden habe der Rassenhass seinen schrecklichen Höhepunkt gefunden, der mit keinem anderen Ereignis in der gesamten Menschheitsgeschichte vergleichbar sei. Die Lehre daraus sei: Wer Gewalt gegen eine religiöse Minderheit dulde oder gar fördere, stürze erst eine Minderheit und dann das gesamte Staatswesen ins Verderben. 'Wir alle sind aufgerufen, gegen Angriffe auf unsere jüdischen Mitbürger oder andere Minderheiten aktiv vorzugehen.' Er schloss mit den Worten: 'Uns eint der feste Wille, dass sich Ereignisse wie im November 1938 niemals wiederholen dürfen.' Nelly Granson, Selin Yasar und Eren Yayli, Schüler des Gauß-Gymnasiums, hatten sich unter Leitung von Katja Baumgärtner mit dem Schicksal der mutigen Lehrerin Herta Mansbacher und des Kinderarztes Dr. Fritz Gernsheim befasst und trugen ihre Erkenntnisse vor. Während die Lehrerin deportiert und ermordet wurde, begingen Gernsheim und seine Frau Rosa aus Verzweiflung Selbstmord." 
Link zum Artikel  

 
Februar 2019: Vortrag von Michael Brocke über den Bellette-Pfeiler
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 26. Februar 2019: "Erinnerung an eine Märtyrerin.
Michael Brocke referiert in Worms über den Bellette-Pfeiler. Der Name stammt aus einem berühmten Klagelied eines jüdischen Mystikers.
WORMS
- Mit großer Leidenschaft kniet sich Prof. Dr. Michael Brocke vom Steinheim-Institut seit Jahren in die Erforschung des Jüdischen Friedhofs Heiliger Stand. Alle noch lesbaren alten Grabsteine hat er entziffert und immer wieder Aufsehen erregende Entdeckungen gemacht. Fasziniert hat ihn aber auch schon seit langem der sogenannte Bellette-Pfeiler, ein reich ornamentiertes Sandsteinfragment, das 1957 im Schutt des zerstörten Gotteshauses aufgefunden worden war und derzeit in der sogenannten Frauensynagoge steht. Mörtelspuren lassen die Annahme zu, dass das Teil bereits in der Vorgängersynagoge zweckentfremdet verbaut worden war. Dieses außergewöhnliche Stück war nun Gegenstand eines Vortrags beim sechsten Workshop der Arbeitsgruppe Mittelalter im Netzwerk Jüdisches Kulturerbe unter dem Titel 'Esrat Nashim – Frauen in der Synagoge: eine Frage der Heiligkeit?' im Raschihaus.
Bellette wurde von Kreuzfahrern ermordet. Der zierliche Pfeiler, seinerzeit auch schon von Otto Böcher beschrieben, zeigt auf der Vorderseite eine stilisierte Palme, auf der Rückseite eine tiefe Fuge und eine Halbsäule. Die linke Seite ist mit einem Zickzack-Doppelflechtband, die rechte mit einem Ölbaum als Sinnbild des ewigen Lebens geschmückt. Die nicht mehr ganz vollständige Inschrift ist einer jungen Frau namens Bellette aus vornehmem Hause gewidmet, die besonders erinnerungswürdig war. Die Vermutung, dass es sich dabei um eine Märtyrerin handele, erschließe sich allerdings weniger aus dem Text als aus dem Reliefschmuck, insbesondere der symbolhaften Darstellung des Lebensbaums, führte Brocke aus. Der eher seltene Name Bellette sei bekannt aus dem berühmten Klagelied des Mystikers, Halachisten und Dichters Eleasar ben Juda ben Kalonymos, genannt Rokeach (1160-1230), über den Verlust seiner Frau Dolza und seiner beiden Töchter Bellette (13 Jahre) und Hannah (6 Jahre), die 1196 von Kreuzfahrern ermordet wurden. In rühmenden Worten beschreibt der Vater, einer der letzten Vertreter der Wormser Chassidim (Frommen), die Tugendhaftigkeit Bellettes. Bei der anschließenden Besichtigung des Pfeilers, der genau genommen keiner ist, kam es zu einem angeregten Disput unter den Wissenschaftlern, denn wo mag sich die steinerne Würdigung für Bellette, die stilistisch in die späte Romanik einzuordnen ist, befunden haben? Die Frauensynagoge, die laut Stifterinschrift älter ist als das erste schriftliche Zeugnis darüber, wurde erst 1212/1213 angebaut. Gehörte das Fragment vielleicht zur Zwischenwand, die den Frauen- vom Männerbau trennte? War sie Teil eines Fensters und hatte noch ein Pendant? Oder hatte sie zur Bima gehört, vielleicht sogar, als es den Frauenbau noch nicht gegeben hatte? Ein weiteres Fragment, das ebenfalls das Palmenmotiv zeigt, allerdings wesentlich kleiner ist, wird noch im Museum aufbewahrt. Es wurde angeregt, zu untersuchen, ob sich unter den noch vorhandenen Spolien weitere Bruchstücke finden, die Hinweise auf die Funktion des Bellette-Pfeilers geben könnten.
Wie wenig man im Grunde über die Rolle der Frau in der Synagoge weiß, machte Rabbinerin Professor Birgit Klein, Uni Heidelberg, deutlich. In ihrem Vortrag ging sie der Frage nach, aus welchem Grund der Anbau der Frauenschul’ erfolgt war. Bedeutete er eine Ausschließung der Frauen aufgrund verschärfter Reinheitsgesetze oder aber eine Aufwertung? An welchen Teilen der Liturgie, die unterschiedliche Grade der Heiligkeit hatte, durften (menstruierende) Frauen teilnehmen, an welchen nicht? Wie veränderte sich die Einstellung im rabbinischen Schrifttum dazu? Und können Wormser Gebräuche auch auf andere Gemeinden übertragen werden? Am Nachmittag und am folgenden Freitag wurde das Thema in Speyer und Heidelberg noch einmal ausgiebig diskutiert. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein."
Link zum Artikel  
 
November 2019: Gedenken an den Novemberpogrom 1938 
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 11. November 2019: "Gedenkstunde vor der Wormser Synagoge. Oberbürgermeister Adolf Kessel mahnt: Die Verrohung der Sprache ist der Anfang der Gewaltbereitschaft.
WORMS -
'Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt, dein ganzes Leben lang.' Mit diesem Wort aus dem 5. Buch Mose eröffnete Pfarrerin Dr. Erika Mohri die Gedenkstunde, die, wie schon seit Jahren, vom Bündnis gegen Naziaufmärsche zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 ausgerichtet wird. Nicht von ungefähr hatten sich rund 100 Menschen vor der Synagoge eingefunden. 'Wir wissen, wofür wir hier stehen', war sich Mohri, Sprecherin des Bündnisses, mit den Anwesenden einig. In bewegenden Worten sprach sie von den Opfern, von den Tätern und von der Lehrerin Herta Mansbacher, die sich den Brandstiftern am Morgen des 10. November vor der Synagoge entgegenwarf: 'Sie wusste, was Recht ist.' Der Tag der Befreiung sei nicht für alle gleich gewesen. Die einen seien damals von Hass und Verfolgung befreit worden, die anderen hätten von Hass und Irrtum freiwerden müssen. Dies sei aber nicht durchgängig gelungen. Noch heute hätten 27 Prozent aller Deutschen antisemitische Vorbehalte; täglich würden jüdische Menschen in Deutschland angegriffen, müssten in ihrem eigenen Land von der Polizei beschützt werden. Das Bibelwort erneut aufgreifend, appellierte sie an die Zuhörer, die Augen offen zu halten und gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus aufzustehen. Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) nannte Zahlen zur Reichspogromnacht, erinnerte an geschlagene und geschundene Menschen, verwüstete Häuser und Geschäfte, zerstörte Synagogen, an Nachbarn, die sich bereicherten, Mitbürger, die die Gewalt guthießen oder selbst gewalttätig wurden.
Der 9. November sei der Auftakt zur folgenden systematischen Ausrottung der jüdischen Bevölkerung gewesen, betonte Kessel, aber er habe auch ein Vorspiel gehabt, das nicht vergessen werden dürfe. Schon vor seiner Wahl 1933 habe Hitler in seinem Buch 'Mein Kampf' die Juden als Krankheitserreger bezeichnet, die ihr Wirtsvolk umbrächten. Selbst Deutsche, die dieses Menschenbild nicht geteilt hätten, hätten aber Hitler gewählt. Strafbares Verhalten sei mehr und mehr geduldet worden und schließlich auch erwünscht gewesen.
Das Grundgesetz habe mit Artikel 1 die Lehre aus dieser Zeit gezogen, fuhr Kessel fort. Dieser Artikel sei seither Richtschnur unseres Handelns. Wer in diesem Staat lebe, müsse sich konsequent daran halten. Heute sei eine Zeit tief greifender Veränderungen, viele fühlten sich zurückgelassen. Die Verrohung der Sprache sei aber der Anfang der Gewaltbereitschaft. Grenzüberschreitungen dürfe man nicht hinnehmen, müsse ihnen entschieden entgegentreten. 'Jeden Tag müssen wir uns daran erinnern, dass Rassismus und Menschenhass nie wieder die Oberhand bekommen dürfen.'"  
Link zum Artikel  
 
Januar 2020: Bewerbung der Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz als Unesco-Weltkulturerbe wird eingereicht
Artikel von Dagmar Gilcher in der "Rhein-Pfalz" vom 14. Januar 2020: "Auf der Zielgeraden.
Am 23. Januar ist es so weit: Der Welterbe-Anfrag "SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz" wird bei der Unesco in Paris eingereicht. Fristgerecht. Gestern hat ihn die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer unterzeichnet. Es sind über 1000 Seiten, die dem Erbe des jüdischen Mittelalters am Oberrhein im Sommer 2021 die begehrte Auszeichnung bringen sollen...".
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.  
 
Februar 2020: Weitere "Stolpersteine" werden verlegt  
Anmerkung: es handelte sich um die 15. vom Verein Warmaisa organisierte Verlegung von "Stolpersteinen" in Worms 
Artikel in der "Wormser Zeitung" vom 6. Februar 2020: "Neue Stolpersteine werden in Worms verlegt
WORMS
- (red). Gunter Demnig, der 'Vater' und Hauptinitiator der Stolpersteine, ist am Freitag, 7. Februar, ab 9 Uhr in der Seidenbenderstraße 31 zur Verlegung von Stolpersteinen in Worms. Danach folgen Verlegungen in der Burkhardstraße, Kriemhildenstraße, Karmeliterstraße, Gymnasiumstraße, Kämmererstraße, am Neumarkt, in der Mähgasse, der Bärengasse, der Judengasse und der Hinteren Judengasse. Wann genau, hängt jeweils von der Dauer der vorherigen Arbeiten ab. Ab 19 Uhr hält Gunter Demnig dann im Raschi-Haus in der Hinteren Judengasse 6, einen Vortrag zum Thema 'Stolpersteine-Spuren und Wege' im. Der Vortrag steht allen Bürgern offen, der Eintritt ist frei." 
Link zum Artikel   
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 11. Februar 2020: "25 neue Stolpersteine in Worms verlegt
Rund 75000 Stolpersteine hat Gunter Demnig bisher in Deutschland und Europa verlegt. Nun war er auch wieder in Worms. Routine sei das Ganze für ihn aber nicht.
WORMS
- Das Bild ist vielen Wormsern mittlerweile sehr vertraut: Gunter Demnig, im unverwechselbaren Outfit mit braunem Hut, kniet auf dem Pflaster, neben sich allerlei Werkzeuge im Kasten, Eimer mit verschiedenen Sanden und schnell härtendem Zement. Mit geübten Griffen setzt er Stolpersteine in vorbereitete Löcher und klopft sie behutsam fest. Am Freitag fand die 15. vom Verein Warmaisa vorbereitete und organisierte Verlegung in Worms statt. 25 Steine wurden vor zwölf Häusern im Gehsteig eingearbeitet, die letzten vorm Raschihaus, dem einstigen Altersheim, in das viele jüdische Bürger 'umziehen' mussten, ehe sie deportiert wurden. Zumindest auf dem ersten Teil der langen Wegstrecke begleitete eine größere Menschengruppe die Aktion, die nicht nur gedenken, sondern auch mahnen will, dass Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation in der Mitte unserer Gesellschaft geschahen.
Abends hielt Gunter Demnig einen Vortrag im Raschihaus [...]
Der Vorstand von Warmaisa freut sich über jede Spende, die zur Schaffung und Verlegung eines weiteres Stolpersteins beiträgt. Aktuell kostet jedes Exemplar 132 Euro."
Link zum Artikel  

  
  
Film bei youtube.com über das Raschi-Haus in Worms:  
  
 

     
Gang durch das jüdische Worms 
   
 
  
   

Links:  

bulletWebsite von WARMAISA - Gesellschaft zur Förderung und Pflege jüdischer Kultur in Worms 
bulletWebsite http://mikwe-worms.schumstaedte.de/      
bulletWebsite "Die Wormser Juden 1933-1945"  www.wormserjuden.de   
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Worms (interner Link) 
  
bulletArtikel von Birgit E. Klein in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 18. Mai 2018: "Die Rabbanit von Worms. Was wäre, wenn Belette 1196 nicht ermordet, sondern spirituelle 'Meisterin' ihrer Gemeinde geworden wäre?"  
Link zum Artikel    
bulletAnnelore und Karl Schlösser: Keiner blieb verschont. Die Judenverfolgung 1933-1945 in Worms. In: Der Wormsgau Beiheft 31. Stadtarchiv Worms 1987 (1989). Online zugänglich (eingestellt als pdf-Datei).     

   
       

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge 

          

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. Mai 2020