Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Königheim (Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletAus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Sonstiges   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
  
In dem im Mittelalter im Besitz der Grafen von Wertheim befindlichen und danach bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Erzstift Mainz gehörenden Königheim bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Bei der Judenverfolgung 1298 wurden auch die Königheimer Juden ermordet. Seit 1422 waren wieder Juden am Ort. 1496 lebten in Königheim vier jüdische Personen über 15 Jahre. 
    
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die 17. Jahrhundert zurück. Seit 1647 wurden mehrere Juden in Königheim genannt. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 wurden 67 jüdische Einwohner gezählt, 1833 69, 1838 84, 1841 105, 1864 104, 1871 112. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1875 mit 121 Personen erreicht, danach ging die Zahl wiederum zurück: 1880 109 jüdische Einwohner, 1885 102, 1890 94, 1895 80, 1900 81, 1905 77, 1910 71. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und (seit 1875) einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Von 1884 bis 1934 war 50 Jahre lang als Lehrer in Königheim Simon Lichtenstetter tätig (siehe Bericht unten). Seit 1827 gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Wertheim
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Julius Groß (geb. 10.5.1879 in Königheim, gef. 26.5.1915), Unteroffizier Isidor Lichtenstetter (geb. 28.9.1897 in Königheim, gef. 20.6.1918), Louis Lichtenstetter (geb. 13.3.1899 in Königheim, gef. 15.7.1918) und Benjamin Stern (geb. 27.3.1881 in Gissigheim, gef. 1.7.1916). Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofes.   
  
Die jüdischen Händler und Gewerbetreibenden hatten für Königheim eine große wirtschaftliche Bedeutung. 
  
Bis nach 1933 gab es noch folgende Handels- und Gewerbebetriebe in jüdischem Besitz: Viehhandlung Hermann und Leo Bauer (Spitzsteiggasse 2), Stoffhandel und Gemischtwaren Meta und Jakob Bauer (Hartmannsgasse 1), Getreide- und Landesproduktenhandlung Semmy Block (Hauptstraße 6), Kurz- und Wollwaren Babette Groß (Langgasse 3, abgebrochen), Stoffhandlung, Konfektion und Grünkernaufkauf Josef Groß (Hauptstraße 25), Glas- und Porzellanwaren Hermann Heinemann (Neugasse 2, teilweise abgebrochen), Viehhandlung Benno Sommer (Faktoreigasse 3), Viehhandlung Bernhard Sommer (Plangasse 1, abgebrochen), Metzgerei und Viehhandlung Bernhard und Philipp Sommer (Hauptstraße 39), Viehhandlung Moses Sommer (Kapellengasse 1, abgebrochen, Torbogen und Wirtschaftsgebäude erhalten), Steingut- und Tonwarengeschäft Nanette Sommer (Neugasse 3), Textil- und Schuhgeschäft Sigmund Stern (Hardheimer Straße 8).
    
1933 lebten noch 37 jüdische Personen in der Stadt. Durch die) zunehmenden Repressalien, die Wirkungen des wirtschaftlichen Boykotts und die zunehmende Entrechtung verzogen alsbald mehrere der jüdischen Einwohner oder wanderten aus. Die 1939 in Königheim verbliebenen 13 jüdischen Personen wurden bis Herbst 1940 in das Haus von Moses Sommer (Kapellengasse 1) zwangseinquartiert.
   
Von den in Königheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Julius Bauer (1870), Gerda Blein geb. Gross (1914), Amalie Goldschmidt geb. Marx (1865), Emil Groß (1885), Regine Hirschberger geb. Stern (1886), Sigmund Marx (1868), Johanna Rosenfelder geb. Bauer (1876), Sara Rosenfelder (1876), Lina Schulmann geb. Fredrich (1880), Babette Selig (1868), Albert Sommer (1920), Bernhard Sommer (1887), Hugo Sommer (1920), Moses Sommer (1886), Regina Sommer (1895), Leo Stern (1907), Julie Tannenbaum (1907), Erna Weil geb. Stern (1890), Ida Würzburger geb. Sommer (1889). 
    
    
Weitere Erinnerungen an die jüdische Geschichte: an der westlichen Gemarkungszone gegen Eiersheim heißt ein Gewann "Judenbuckel". Nach den Erinnerungen am Ort wurde an dem dortigen steilen Grenzweg bei Bestattungen in Külsheim hier der Leichenwagen von den Juden mit vereinten Kräften hinaufgeschoben
.  
   
   
    
Aus der Geschichte der Gemeinde      
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet (1849 / 1884)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 29. August 1849 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind, von etwa 26 Schulkindern, nebst freier Wohnung und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Königheim, Synagogenbezirks Merchingen, ist zu besetzen. 
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich zu melden.  
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- und Rabbinatskandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Koenigheim Israelit 10071884.jpg (49753 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1884: "Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Königheim, mit einem festen Gehalt von 500 Mark nebst 800 Mark Nebeneinkommen und freier Wohnung, soll alsbald wieder besetzt werden. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnissen binnen 14 Tagen anher melden. 
Merchingen
, den 7. Juli 1884. Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim. Dr. l. Heilbut." 

  
Zum Abschied von Lehrer Simon Lichtenstetter (1934)      
Anmerkung: Simon Lichtenstetter ist 1865 in Kleinsteinach geboren. Seine Frau Babette geb. Strauß ist 1862 in Königheim geboren. Die beiden konnten 1939 noch in die USA emigrieren. Zwei Söhne des Ehepaares sind im Ersten Weltkrieg gefallen (siehe oben) Ein weiterer Sohn - Julius Lichtenstetter (geb. 1892 in Königheim) war später Kaufmann in Würzburg, wo er ein kleines Wäschegeschäft, später die Damenkleider- und Mäntelfabrik Julius Lichtenstetter führte (1936 in die USA emigriert)

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1934: "Königheim in Baden, 26. November (1934). Am 1. Oktober 1934 waren 50 Jahre verflossen, dass Lehrer S. Lichtenstetter in unserer Gemeinde wirkte. Aus diesem Anlass veranstaltete die Gemeinde eine Feier, die die Verbundenheit zwischen Lehrer und Gemeinde in schönster Weise zum Ausdruck brachte. Herr Vorsteher Sommer sprach Begrüßungs- und Dankesworte im Auftrag der Gemeinde. Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach würdigte in trefflicher Weise die Verdienste des Jubilars und sprach ihm den Dank aus für seine treue Hingabe als Erzieher von zwei Generationen, indem er ihm den Chower-Titel verlieh und im Auftrage des Oberrats der Israelitischen Badens eine künstlerische Plakette überreichte. Der Bezirks-Älteste, Herr Leopold Kahn, Wertheim und Lehrer Kaufmann, Tauberbischofsheim hielten ebenfalls Ansprachen und dankten für die Bezirkssynagoge und für den Lehrerverein. Gesänge und Gedichte umrahmten die Feier, zu der zahlreiche Gäste von auswärts erschienen waren. Zum Schluss dankte der Jubilar für die ihm erwiesene Ehre. (Alles Gutes) bis 120 Jahre."       

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
  
Zum Tod von Marx Marx (1923)  

Dieburg Israelit 28061923.jpg (100673 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1923: "Dieburg, 25. Juni (1923). Im Alter von fast 94 Jahren starb hier Marx Marx, der vor Jahresfrist aus seiner Heimat Königheim in Baden hergezogen ist, um den letzten Teil seines heiteren Lebensabends im Hause seiner Tochter, Witwe Goldschmidt, zu verleben. Ein rüstiger und äußerst geistesfrischer Greis, so schritt er in unseren Reihen, allbeliebt, anspornend und beispielgebend in seiner schlichten Frömmigkeit, mit seinem Eifer für die Religion, seiner Freude an jeder Mizwo-Tat. Zu den ersten gehörte er stets in der Synagoge, von der ihn Wind und Wetter nicht abhielten, so wie ihn das hohe Alter nicht daran hinderte, alle Fastentage gewissenhaft zu halten. Ein ehrwürdiger Patriarch, der auf ein langes Leben reiches Tätigkeit und echter Jüdischkeit zurückblickte, ist mit ihm von uns gegangen, und bei der Überführung nach Königheim, die seinem letzten Wunsche gemäß am Sonntag vor sich ging, fehlte keiner von der hiesigen jüdischen Gemeinde, und auch die nichtjüdische Bevölkerung war stark vertreten. Herr Lehrer Kaufmann, sowie der erste Gemeindevorsteher, Herr Abraham Löb, sprachen ergreifende Worte des Abschiedes und der Verehrung an den Heimziehenden, dessen Andenken uns unvergesslich bleibt. Die Bestattung fand am Montag in Königheim, ebenfalls unter großes Beteiligung statt."     

   
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Louis Gross aus Königheim (1857-19..)     
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn. Die Jahreszahl seines Todes ist nicht richtig lesbar.        

Koenigheim NY Cyprus 1765.jpg (86589 Byte)   Koenigheim NY Cyprus 1765a.jpg (92469 Byte) Grabstein für 
"Our beloved brother Louis Gross  
Born in Königheim Baden Dec. 17, 1857  
Died July 19,19--"   

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge                
    
Nach einem Ratsprotokoll vom 7. Dezember 1728 besuchten die Königheimer Juden bis 1726 die Synagoge in Gissigheim. Bis um 1675 habe es jedoch in Königheim auch schon eine "Judenschule" gegeben.   
   
1726 wollten die Königheimer Juden jedoch wieder eine eigene Synagoge und trafen sich seither im Haus des Juden Esel. Aus früheren Zeiten hatten sie noch eine Torarolle, die sie für die Gottesdienste verwenden konnten Zu diesen luden sie immer wieder den Vorsänger aus Gissigheim ein, da sie selbst zu wenige Juden waren, um einen solchen in Königheim anzustellen. 1728 gab es Streit um die Königheimer Judenschule, da sich die Nachbarn über das Geschrei und andere Ungemach wegen der Judenschule bei der Ortsherrschaft beschwerten. Der Rat der Gemeinde stellte fest, dass auch in Külsheim und (Tauber-)bischofsheim die Juden ihre Gottesdienste feiern konnten. Da aber in Königheim seit 50 Jahren keine Gottesdienste mehr stattgefunden hatten, man die geistliche Obrigkeit um Erlaubnis nachsuchen müsse. Das Ergebnis dieses Streits ist nicht überliefert. 1780 wird berichtet, dass in Königheim ein Betsaal in einem Privathaus bestand. 1791 wird dies bestätigt; damals waren 12 jüdische Familien am Ort.  
   
Anfang 1825 stellte die jüdische Gemeinde den Antrag zum Bau einer neuen Synagoge; man war mit dem Zustand des bisherigen Betsaales nicht mehr zufrieden. Das Bezirksamt genehmigte im April 1825 den Bau von Synagoge und einem rituellen Bad und erwartete die Herstellung von beidem "binnen Jahresfrist". Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Bärmann Sommer erklärte gegenüber der Behörde, dass man aus eigenen Kräften die Synagoge nicht bauen könne. Man bitte darum, eine Kollekte bei Glaubensgenossen durchführen zu können. Da auch das Bezirksamt wusste, dass die Königheimer Juden "notorisch alle arm" seien, wurde die Kollekte – allerdings erst Anfang September 1826 - vom Direktorium des Main- und Tauberkreises genehmigt. Die Gemeinde musste noch zwei Gemeindebevollmächtigte bestimmen, die die Kollekte durchführen könnten. 1827 konnte sich die Gemeinde nicht einigen, welchen Bauplatz man verwenden solle. Vorsteher Hirsch Groß bat darum, dass diese Frage von einem Bauverständigen des Bezirksamtes geklärt werden solle. Dieser bestimmte als Grundstück einen Garten des Johann Joseph Zimmermann. Der Ertrag der bis dahin durchgeführten Kollekte bei den auswärtigen Gemeinden erbrachte nur etwa 250 Gulden. Durch Umlagen unter den eigenen Mitgliedern konnte die Gemeinde bis 1829 1.350 Gulden ansparen. Es wurde deutlich, dass dies nicht zum Neubau einer Synagoge ausreichen werde. So beschloss die Gemeinde im April 1829, ein schon bestehendes Haus in Königheim für 2.500 Gulden zu kaufen und dieses zu einer Synagoge umzubauen. Umbau und Einrichtung konnten nach dem Voranschlag von Zimmermeister Diemer von Tauberbischofsheim für 252 Gulden vorgenommen werden. Nachdem der Gemeinde im Juni 1831 eine Kapitalaufnahme von 1.050 Gulden genehmigt worden war, konnte der Umbau noch 1831 durchgeführt werden. Insgesamt entstand durch den Umbau im Vordergebäude am Brehmbach eine israelitische Schule mit Lehrerwohnung; im hinteren Teil die Synagoge. Auch ein rituelles Bad  wurde eingerichtet. 
    
1886 brannte die Synagoge mit einer benachbarten Scheuer ab, was zu einem großen finanziellen Problem für die israelitische Gemeinde wurde, zumal auf dem abgebrannten Gebäude noch eine Hypothekenschuld von 1.700 Mark lastete. Die Baukosten einer neuen Synagoge wurden auf etwa 10.500 Mark geschätzt, während die Versicherung nur 5.600 Mark ersetzte. Damals bestand die Königheimer Gemeinde aus 24 Haushaltungen mit zusammen 104 Personen. Da die Gemeinde nicht imstande war, die Kosten alleine aufzubringen, bat sie wiederum um Durchführung einer Kollekte, die genehmigt wurde. Überraschend schnell konnte man den Neubau durchführen.
Im Juli 1886 erstellte Bauführer Keim aus Königshofen die Pläne für den Neubau. Im August 1886 erfolgte die Baugenehmigung eines Synagogenbaus an derselben Stelle wie das abgebrochene Gebäude. Bis zum Dezember 1887 war der Bau weitgehend fertig; die restlichen Arbeiten wurden bis zum Sommer 1888 abgeschlossen. Zum Wiederaufbau hatten Spenden auswärtiger jüdischer Personen beigetragen, wie aus den in der Zeitschrift "Der Israelit" mehrfach bescheinigten Spenden deutlich wird:
   
Spendenbescheinigungen zum Wiederaufbau der Synagoge in der Zeitschrift "Der Israelit"  

Koenigheim Israelit 12101886.jpg (27644 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Oktober 1886: "Zum Aufbau der abgebrannten Synagoge in Königheim (Aufruf vom Synagogenrathe daselbst.). Von Ungenannten 15 Mark."
  
Koenigheim Israelit 04111886.jpg (12044 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1886: "An Herrn Synagogenrat D. Strauss in Königheim: zum Aufbau der abgebrannten Synagoge daselbst 15 Mk. - Pf."

Nur 50 Jahre blieb die Königheimer Synagoge Mittelpunkt jüdischen Gemeindelebens in der Stadt.    
     
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Königheimer Synagoge geplündert; die Torarollen und anderes Inventar wurden auf dem Sternplatz (sc. vor dem Gasthaus Stern) verbrannt. Das Gebäude selbst blieb stehen und kam in den Besitz der Gemeinde Königheim. Im März 1945 ging das Gebäude beim Einmarsch der amerikanischen Truppen durch Panzergeschosse in Flammen auf und wurde völlig zerstört. Der Platz wurde mit einer Filiale der Städtischen Sparkasse Tauberbischofsheim neu bebaut (Münzgasse 2/Hauptstrasse). Seit 1985 erinnert am (ehemaligen) Gebäude der Post (Münzgasse 2) eine Gedenktafel an die Synagoge. Sie wurde auf Grund der Initiative einer Klasse der örtlichen Grund- und Hauptschule angefertigt. Inzwischen ist das auf dem Synagogenplatz stehende Gebäude zu einem Wohnhaus mit Geschäft umgebaut. 
   
   
   
Fotos 
Historische Pläne/Foto:
(Quelle der Pläne: GLA Karlsruhe 380/4143)

Koenigheim Synagoge 051.jpg (64923 Byte) Koenigheim Synagoge 055.jpg (47940 Byte) Koenigheim Synagoge 053.jpg (44514 Byte)
Plan des Grundstückes am Brehmbach. 
Zur Synagoge und zur Israelitischen Schule
 kam man über die Brehmbachbrücke 
durch einen Synagogenhof. Rechts eine
 Remise, vermutlich zur Unterstellung 
des Leichenwagens. 
Längsschnitt durch das 
Synagogengebäude. Vom Synagogenhof 
her führte an der Ostwand eine 
Treppe in den gewölbten Keller. 
Querschnitt durch das 
Synagogengebäude von Osten gesehen.
 Rechts das Schulhaus. Dazwischen hinter
 dem Eingang die Treppe zur Frauenempore.
     
     
Koenigheim Synagoge 054.jpg (47851 Byte) Koenigheim Synagoge 052.jpg (33372 Byte) Koenigheim Synagoge 001.jpg (91682 Byte)
Plan des Betsaales und dem (gemeinsamen)
 Eingangsbereich zur Synagoge und 
zum Schul- und Lehrerhaus. 
Die Synagoge von Osten gesehen; rechts
 das israelitische Schul- und Lehrerhaus;
 der gemeinsame Eingang lag dazwischen. 
Die Synagoge von Osten gesehen. 
Rechts der Eingang 
(wie auf Plan links). 

  
  
Fotos nach 1945/Gegenwart: 

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003)
 
Koenigheim Synagoge 150.jpg (42620 Byte) Koenigheim Synagoge 151.jpg (44838 Byte) Koenigheim Synagoge 152.jpg (49621 Byte)
Links das Gebäude Münzgasse 2, wo die
 ehemalige Synagoge stand; dem
 Brehmbach zu stand das "Israelitische
 Schulhaus" (vgl. Karte oben) 
Die Gedenktafel ist (völlig unauffällig)
 rechts in der Nähe des Regenrohres
 angebracht 
  
Die Gedenktafel  
  
  

    
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Dezember 2018: Gedenkstunde zum Novemberpogrom 1938 mit Buchvorstellung    
Artikel von Harald Fingerhut im "Mannheimer Morgen" (Fränkische Nachrichten) vom Dezember 2018: "Königheim. Gegen das Vergessen Erste Gedenkstunde in Königheim zur Reichspogromnacht mit Vorstellung des Buchs 'Plötzlich abgeholt' und Plakat-Ausstellung / Dunkles Kapitel der Dorfgeschichte beleuchtet. 'Ich bin Königheimer israelitischen Glaubens".
Das erste Gedenken in Königheim an die Reichskristallnacht 1938 bildete in der Aula der Kirchbergschule den Rahmen für die Präsentation des Buchs 'Plötzlich abgeholt' von Burkard Gassenbauer.
Königheim. Das Vorhaben war ambitioniert und schien von vorneherein zum Scheitern verurteilt. 'Angesichts des 80. Jahrestags der Reichspogromnacht hatte sich der Heimatverein auf Anregung seines Schriftleiters Burkard Gassenbauer vor etwa drei Jahren entschlossen, eine Gedenkfeier durchzuführen', blickte der Vorsitzende des Heimatvereins, Lothar Achstetter, am Freitag in der mit über 100 Gästen voll besetzten Aula der Königheimer Kirchbergschule zurück. Mit einer kleinen Ausstellung anhand weniger Fotos und Dokumente sollte ein Einblick in die Geschichte der jüdischen Gemeinde gegeben werden. 'Es wäre tatsächlich eine ganz kleine Ausstellung geworden, denn Material und Quellenlage waren äußerst dürftig', stellte Achstetter fest. 'Dies mussten auch schon die Autoren des Heimatbuchs – Helmut Kappler und Pfarrer Franz Gehrig – erfahren, weshalb im Buch nur sehr wenig über die Königheimer Juden steht und über die Kristallnacht zum 10. November 1938 sowie die Verschleppung der letzten in Königheim lebenden Juden im Oktober 1940 keine Informationen enthalten sind.' 'Trotz der schwierigen Quellenlage hielt Burkard Gassenbauer an dem Plan fest, eine Ausstellung zu konzipieren', schilderte der Vorsitzende des Heimatvereins. 'Drei Faktoren spielten ihm bei seinen umfangreichen Nachforschungen in die Karten: Internet, Digitalisierung des Archivmaterials sowie ein Umdenken bei älteren Königheimer Bürgern.' Zu Zeiten der Entstehung des Heimatbuchs habe man über die Ereignisse während der nationalsozialistischen Diktatur nicht sprechen wollen, mittlerweile hätten die noch lebenden Zeitzeugen ihre Erinnerungen im Gespräch mit Burkard Gassenbauer geteilt. 'Schließlich hatte Gassenbauer in rund 1400 Stunden oder umgerechnet 175 Arbeitstagen so viel Informationen zusammengetragen, dass er nicht nur genug Stoff für eine Ausstellung, sondern auch für ein Buch hatte', sagte Achstetter und stellte fest. 'Das Werk ist eine wichtige Ergänzung zum Königheimer Heimatbuch.' Neue Informationsquellen zur jüdischen Geschichte habe Thomas Weich, der das einstige Gasthaus 'Zum güldenen Löwen' erfolgreich saniert hat, erschlossen. Auch die Spurensuche vom ehemaligen Lehrer Roland Weich für Artikel der Schülerzeitung 'Kirchbergschelle' in den 1970er Jahren, das Material des mittlerweile gestorbenen Vorstandsmitglieds Rolf Barth und die Ergebnisse der Königheimer Schülerin Eva Uihlein und ihrer Mitschülerin Mareike Teichmann für eine Seminararbeit hätten wichtige Erkenntnisse geliefert.
'Geschichte ist Verpflichtung'. 'Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen', zitierte Bürgermeister Ludger Krug den Philosophen George Santayana und hob hervor: 'Geschichte ist Verpflichtung, im Hier und Jetzt Verantwortung zu übernehmen'. Deshalb sei der Heimatverein mit seinem Anliegen, eine Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht auszurichten, bei der politischen Gemeinde auf offene Ohren gestoßen. 'Gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Lage mit den immer mehr aufkommenden rechtsextremen Tendenzen, genügt es nicht, sich zu erinnern. Man muss auch den Mut haben, sich für eine Gesellschaft der Vielfalt und Toleranz einzusetzen. Es darf keinen Platz für Ausgrenzung geben.' 'Es ist ein wichtiges Buch zu einem wichtigen Zeitpunkt', hob Thomas Weich in seinem Grußwort hervor. 'Es würde keine tauberfränkische Kultur geben ohne die Juden, die hier gelebt und die Region mitgeprägt haben.' Dies sei ihm bei seinen Nachforschungen bewusst geworden. So habe ein aus Königheim geflüchteter Jude zu ihm gesagt: 'Ich bin ein Königheimer israelitischen Glaubens'. Das habe ihn tief beeindruckt, denn 'so wie er das sagte, passte zwischen Königheim und israelitischen Glauben kein Blatt Papier'. Das Buch 'Plötzlich abgeholt' stellte Pfarrer Johannes Ghiraldin vor und ging dabei besonders auf die Geschehnisse von der Reichspogromnacht 1938 bis zur Deportation der letzten Juden nach Gurs, dem Vorhof zur Hölle, ein. 'Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht zwar nicht zerstört, aber geplündert, und die Einrichtungsgegenstände wurden vor dem Gasthaus Stern verbrannt', blickte Ghiraldin zurück. 'Zudem wurden die Königheimer Juden, auch die Kinder, barfuß durch die Brehmbach getrieben.' Dabei seien nicht nur Nazi-Schergen von außerhalb am Werk gewesen, auch Königheimer hätten sich aktiv beteiligt. Daraufhin hätten viele Juden Königheim und Deutschland verlassen. Die 13 Personen, die nicht weggegangen sind, wurden bis zur ihrer Deportation nach Gurs im Jahr 1940 über ein Jahr lang in einem Haus in der Kapellengasse eingesperrt. Insgesamt sind 25 Juden aus Königheim bekannt, die durch den Holocaust ums Leben gekommen sind. 'Das Buch ist eine umfassende, beeindruckende Chronik des jüdischen Lebens und Leidens in Königheim über mehrere Jahrhunderte', lobte Johannes Ghiraldin, einer der profundesten Kenner des Judentums in der Region. 'Beginnend mit den ersten Spuren im zwölften Jahrhundert über antisemitische Anfeindungen und eine Ausreisewelle im 19. Jahrhundert bis zum Holocaust, werden viele Fakten zusammengetragen und Lebensgeschichten spannend erzählt.'
Das Cover des Buchs ziert die Collage 'Survival Struggle' (Überlebenskampf) der amerikanischen Künstlerin Caren Sommer-Lazar. Ihre Vorfahren stammen aus Königheim. Sie und ihr Cousin Steve Miller haben mit ihren Informationen beträchtlich zum Entstehen des Buchs beigetragen. Sie konnten zwar nicht bei der Gedenkfeier dabei sein, übermittelten aber Grußworte, die Gabriele Achstetter vorlas. 'Diese Veranstaltung ist für mich bitter-süß', beschreibt Caren Sommer-Lazar ihre Gemütslage. 'Als Kind hatte ich jahrelang mit dem Verlust zu kämpfen, meinen Großvater, Großtanten, Großonkel und Cousins, die Opfer des Holocausts geworden sind, nicht zu kennen. Deshalb danke ich dem Autor Burkard Gassenbauer und dem Heimatverein, dass sie meinen Vater Rolf Sommer als einen der verlorenen Söhne Königheims und die Mutter meines Cousins Steve Miller als eine verlorene Tochter von Königheim in Erinnerung bringen.' Für die musikalische Umrahmung sorgte Geigerin Johanna Behr." 
Link zum Artikel   
 
Juni 2019: Nachkommen jüdischer Familien auf Spurensuche der Familiengeschichte 
Artikel von Klaus Reinhart im "Mannheimer Morgen" (Fränkische Nachrichten) vom 24. Juni 2019: "Tauberbischofsheim. Familie aus den USA zu Gast Die Wests aus Virginia besuchten das Tauberbischofsheimer Limbach-Haus und die Wenkheimer Synagoge. Auf Spurensuche in der Heimat
Familie West aus Virginia ist momentan auf Spurensuche in Tauberfranken und hat unter anderem die Synagoge in Wenkheim und das Limbach-Haus besichtigt.
Tauberbischofsheim/Wenkheim. Besuch aus den USA in Tauberfranken: Skip West aus dem Bundesstaat Virginia befindet sich zurzeit zusammen mit Frau und Kindern auf einer Europareise. Dabei besucht er auch Stätten seiner jüdischen Vorfahren (Heumann), die ihre Wurzeln in Impfingen und Königheim haben. Ihm liegt es am Herzen, seinen Kindern zu zeigen, in welchem Land ihre Großeltern und Urgroßeltern lebten und wie dort heute mit der jüdischen Kultur umgegangen wird.
Sachkundige Führung. Nachdem sie in Tauberbischofsheim unter der sachkundigen Führung von Kerstin Haug-Zademack das Limbach-Haus mit der geschichtlichen Darstellung des jüdischen Lebens in Tauberbischofsheim besichtigt hatten, ging die Fahrt mit der Gastfamilie nach Wenkheim, wo Synagoge, Mikwe und der jüdische Friedhof unter Leitung von Hans-Jörg Ghiraldin besichtigt wurden." 
Link zum Artikel   

    
     

Links und Literatur

Links:

bulletWebsite der Gemeinde Königheim  
bullet Private Website zu Königheim mit zusammenfassender Darstellung der Geschichte des Ortes und Ortsplan 
bulletWebsite von Otto Karl Spengler mit einer Seite zu den aus Königheim ausgewanderten Personen (darunter auch Mitglieder u.a. der Familien Selig, Sommer) 
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Königheim (interner Link)    

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Königheim 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart bzw. Staatsarchiv) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Königheim sind vorhanden:    
J 386 Bü. 319  Königheim Sterbefälle 1876 - 1926  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445927   
 
Hinweis auf die Dokumentation der jüdischen Grabsteine in Baden-Württemberg des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg   
Im Bestand  https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=24368  auf der linken Seite bei "Königheim" über das "+" zu den einzelnen Grabsteinen; es sind 66 Grabsteine dokumentiert (mit Fotos).     
Im Bestand EL 228 b I Bü. 204 finden sich zum Friedhof Königheim Belegungspläne, Belegungslisten und eine Dokumentation Grabstein 1 bis 66   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-1906444        

Literatur:  

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 157ff.  
bulletGermania Judaica II,1 S. 442; III,1 S. 650-651.
bulletFranz Gehrig/Helmut Kappler: Königheim. Alter Marktflecken und Weinort. Hg. Gemeinde Königheim. 1986. 
bullet Burkart Gassenbauer: Plötzlich abgeholt. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Königheim. Hrsg. vom Heimatverein Brehmbachtal Königheim 2018.
Website des Heimatvereins Brehmbachtal ist im Aufbau: www.heimatverein-brehmbachtal.de 
Bestellung über Kontaktanschrift: Heimatverein Brehmbachtal e.V. Vorsitzender Lothar Achstetter  Spitzsteige 2  97953 Königheim  Tel. 09341-3849.  

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Koenigheim  Baden. The 13th century community was destroyed in the Rindfleisch massacres of 1298. Jews settled again in the early 15th century but a community was only formed after the Thirty years War (1618-48). A synagogue was built in 1831 and a cemetery was consecrated in 1875. In the 1830s, a Jewish elementary school began operating. The Jewish population grew to 121 in 1875 (total 1,838) and then declined steadily to 37 in 1933. By the end of 1938, 20 had emigrated and seven moved to other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and in September 1939 the 13 remaining Jews were confined to a single house under virtual arrest until the deportations to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. In all, 15 Jews were deported, three survived. 
   
     

                   
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Stand: 15. Oktober 2013